Deutsche Bahn: Bahnchef Mehdorn tritt zurück

Aktualisiert

Deutsche BahnBahnchef Mehdorn tritt zurück

Der Chef der Deutschen Bahn, Hartmut Mehdorn, tritt zurück. «Ich habe dem Aufsichtsratsvorsitzenden die Auflösung meines Arbeitsvertrages angeboten», sagte Mehdorn am Montag auf der Bilanzmedienkonferenz des Staatsunternehmens in Berlin.

Damit zog Mehdorn die Konsequenzen aus der Datenaffäre. Auch wenn er sich nichts vorzuwerfen habe, schadeten die «zerstörerischen Debatten» dem Unternehmen, dem Standort Deutschland und dem ganzen Land.

Mehdorn stand seit Freitag massiv unter Druck. An diesem Tag hatten die Bahn-Sonderermittler Gerhart Baum und Herta Däubler-Gmelin sowie die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG ihre Ergebnisse zur Datenaffäre vorgelegt. Danach soll die Bahn jahrelang die E-Mails von 70 000 bis 80 000 Mitarbeitern systematisch gefiltert haben - täglich bis zu 145 000.

Am Wochenende musste der Konzern dann noch einräumen, dass er im Herbst 2007 E-Mails mit einem Streikaufruf der Lokführergewerkschaft GDL gestoppt hatte. Danach rückte auch Bundeskanzlerin Angela Merkel von Mehdorn ab. Die Bahngewerkschaften, die SPD und die Opposition hatten schon zuvor seine Ablösung verlangt.

Milliardengewinn für die Bahn

Unmittelbar vor seiner Rücktrittsankündigung hat Bahnchef Hartmut Mehdorn am Montag eine Bilanz mit Milliardengewinn für 2008 präsentiert. Danach erzielte der Konzern ein operatives Ergebnis vor Steuern von 2,5 Milliarden und nach Steuern von 1,3 Milliarden Euro. Damit wurde allerdings das Ergebnis des Vorjahres (1,7 Milliarden) um 23 Prozent verfehlt.

Der Umsatz des Konzerns stieg 2008 um 6,8 Prozent auf 33,5 Milliarden Euro. Bereinigt um die Zuwächse des vergangenen Jahres, die für etwa eine Milliarde Umsatz stehen, stieg der Konzernumsatz um 3,7 Prozent.

Nach wie vor privatisierungsreif

Weder Mehdorn noch sein Finanzvorstand Diethelm Sack wagten einen Ausblick auf 2009. Der Bahnchef machte wenig Hoffnung für die Zukunft: «Wir gehen von einer langfristigen Schwäche aus.» In den nächsten Jahren würden die Zahlen von 2008 kaum wieder erreicht, sagte er. Dennoch sei die Bahn AG nach wie vor reif für die Teilprivatisierung.

(dapd)

SBB-Chef Meyer sagt ab

SBB-Chef Andreas Meyer steht für die Nachfolge von Hartmut Mehdorn als Chef der Deutschen Bahn (DB) nicht zur Verfügung. Nach Angaben eines Sprechers der Schweizerischen Bundesbahnen hegt Meyer «keine Absichten, die Stelle zu wechseln».

Meyer wurde von deutschen Medien am Montag als Nachfolgekandidat von Mehdorn gehandelt. SBB-Sprecher Roland Binz erklärte aber auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA, «Andreas Meyer gefällt es bei der SBB und in der Schweiz».

Die SBB stehe vor grossen Herausforderungen. Namentlich die Konjunkturkrise sowie die Weiterentwicklung des SBB-Angebotes angesichts der knappen Mittel forderten das Unternehmen und die Unternehmensführung stark.

Meyer war von der Deutschen Bahn zur SBB gestossen. Bevor er die Nachfolge von Benedikt Weibel antrat, war er bei der DB zuletzt als Chef Stadtverkehr tätig. (sda)

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