Kirgistan: Bakijew-Proteste fordern dutzende Verletzte
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KirgistanBakijew-Proteste fordern dutzende Verletzte

Bei neuen Unruhen in Kirgistan ist am Freitag mindestens ein Mensch ums Leben gekommen. Dutzende Menschen wurden verletzt.

Neue Unruhen in Kirgistan fordern Verletzte.

Neue Unruhen in Kirgistan fordern Verletzte.

Nach Behördenangaben wurden in Dschalal-Abad im Süden des Landes über 40 weitere Menschen verletzt, als hunderte Anhänger und Gegner des gestürzten Staatschefs Kurmanbek Bakijew aufeinander losgingen.

An den blutigen Ausschreitungen in Dschalal-Abad, der Hochburg der Bakijew-Anhänger im Süden des Landes, beteiligten sich nach Berichten örtlichen Medien rund 5000 Menschen. 26 der insgesamt 45 Verletzten erlitten nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Bischkek auch Schussverletzungen.

In der ebenfalls im Süden gelegenen Stadt Osch gingen fünf Wochen nach dem Sturz des Präsidenten rund 400 Demonstranten mit Stöcken und Steinen aufeinander los. Am Donnerstag hatten hunderte Bakijew- Anhänger in Dschalal-Abad, Osch und Batken die Amtsgebäude von Provinzregierungen besetzt. Sie belagerten ausserdem zwei Flughäfen.

Am Freitag übernahmen nach Angaben der Übergangsregierung wieder die Sicherheitskräfte die Kontrolle über die Gebäude. Sie wurden Medienberichten zufolge unter anderem von Spezialkräften zurückerobert.

Bakijew beschuldigt

Interims-Regierungschefin Rosa Otunbajewa machte die Anhänger Bakijews für die neuerliche Gewalt verantwortlich. Sie hätten auch geschossen und «wieder das Blut von kirgisischen Bürgern vergossen», sagte Otunbajewa in Bischkek.

In der Hauptstadt war die Lage ihren Angaben zufolge ruhig. Ein anderer Vertreter der Übergangsregierung, Omurbek Tekebajew, warf Bakijew vor, hinter den Unruhen zu stecken, um einen «ethnischen Konflikt» in Kirgistan heraufzubeschwören.

Anfang April waren bei Massenprotesten gegen Bakijew 86 oppositionelle Demonstranten ums Leben gekommen, rund tausend weitere wurden verletzt. Der Präsident floh nach seinem Sturz nach Weissrussland, die Opposition setzte eine Übergangsregierung unter der früheren Aussenministerin Otunbajewa ein.

Bakijew wurde im Zusammenhang mit dem Tod der Demonstranten wegen Massenmords angeklagt, die kirgisischen Behörden verlangten vergangene Woche formell seine Auslieferung von Weissrussland. Die neuen Proteste lassen eine weitere Eskalation der Lage in der zentralasiatischen Republik befürchten.

USA besorgt

Die USA zeigten sich besorgt über den neuen Ausbruch «politisch motivierter Gewalt» im Süden Kirgistans. Die US-Botschaft in Bischkek rief alle Beteiligten dazu auf, die Probleme des Landes «friedlich» zu lösen.

Kirgistan ist für die USA von strategischer Bedeutung, da sich in dem Land die Drehscheibe für den Truppennachschub nach Afghanistan befindet.

(sda)

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