Aktualisiert 04.02.2004 21:48

BAKOM verbietet Web-Dialer

Das Bundesamt für Kommunikation will Internetsurfer vor unliebsamen Überraschungen auf der Telefonrechnung bewahren. Es verbietet so genannte PC-Dialer, die heimtückisch Internetverbindungen zu 0900-Nummern herstellen.

Die Öffnung des Telekommarktes habe viel Bewegung und Innovation gebracht, aber auch zahlreiche Gauner angelockt, sagte der Direktor des Bundesamtes für Kommunikation (BAKOM), Marc Furrer, am Mittwoch vor den Medien. Wer als Konsument nicht aufpasse, habe schnell einmal eine Telefonrechnung von 900 Franken statt von 200 Franken. Im BAKOM gingen allein im letzten Jahr über 2.000 Beschwerden ein, 117 Nummern mussten widerrufen werden. Der Fantasie sind beim Missbrauch keine Grenzen gesetzt, wie Jürg Eberhart vom Telekombranchenverband sicta sagte. Zu den bekannten Missbrauchsformen gehören etwa das Hinhalten der Anrufer in kostenpflichtigen Warteschlaufen oder horrende Grundgebühren für irrtümlich gewählte Nummern, die absichtlich bekannten Telefonnummern gleichen.

Ein besonderer Dorn im Auge sind dem Bundesamt die so genannten PC-Dialer. Dabei wird einem Internetbenützer eine Netzverbindung über eine 0900-Nummer aufgeschaltet, teilweise, ohne dass er es überhaupt merkt. Der Kunde bezahlt dann ein Vielfaches der normalen Verbindungskosten. Zudem ist es für einen durchschnittlichen User sehr schwierig, diese PC-Dialer wieder wegzubringen. Die Missbräuche mit diesen Dialern haben seit 2002 stark zugenommen, weshalb sich das BAKOM nun laut Furrer für einen rigorosen Weg entschieden hat: PC-Dialer mit 0900-Nummern sind ab dem kommenden 1. April verboten.

Als zweite Schutzmassnahme hat das BAKOM eine Informationsmappe erstellt. Darin werden den Konsumenten die potenziellen Gefahren der 0900-Nummern erklärt und Tipps für das Vorgehen im Missbrauchsfall gegeben. Die Mappe kann im Internet oder per Post bestellt werden.

Weitere Schutzmassnahmen sind geplant oder bereits in Kraft gesetzt worden. Ab dem 1. Juni 2004 müssen die Inhaber etwa den Preis ihres Dienstes gratis am Anfang der Verbindung ansagen, wenn diese mehr als zwei Franken pro Minute kostet. Ist eine Dienstleistung teurer als fünf Franken pro Minute oder zehn Franken Grundgebühr, muss der Anrufer mit einer Aktion die Verbindung ausdrücklich bestätigen.

In der laufenden Revision des Fernmeldegesetzes ist zudem geplant, für die Mehrwertdienstnummern eine Preisobergrenze einzuführen. Heute könne ein Anruf von wenigen Sekunden Hunderte von Franken kosten, bemängelte Marianne Meyer vom Westschweizer Konsumentenforum. Das Gesetz soll auch eine unabhängige Schlichtungsstelle begründen, an die sich Missbrauchsopfer wenden können. Auch das so genannte Spamming, das ungefragte Versenden von Werbemails, soll verboten werden.

(sda)

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