Bald auch Kleidchen für Glocken-Frauen
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Bald auch Kleidchen für Glocken-Frauen

41 Prozent der Spanierinnen passen nicht in die üblichen Kleiderkonfektionsgrössen. Nun will der spanische Gesundheitsminister die Kleidernorm den realen weiblichen Proportionen anpassen. Das Bundesamt für Gesundheit begrüsst diese Massnahme.

Die Kleidchen, Hosen und Blusen sehen zauberhaft aus, wenn sie an den Schaufensterpuppen drapiert zum Kauf locken. Eine ganz andere Geschichte ist es dann, wenn die Damen in den Umkleideraum versuchen, sich in die Kreationen hineinzuzwängen. Zu eng, zu knapp, zu lang. Höchst selten sitzen die Kleider wie angegossen und wer im einen Shop in Kleidergrösse 36 passt, muss im nächsten zur Grösse 40 greifen.

41 Prozent passen nicht in die Norm

In Spanien hat man das Problem erkannt und ist nun zur Tat geschritten. Das Gesundheitsministerium hat rund 10 000 Frauen vermessen lassen, um die Vorgaben der Modeindustrie mit den realen Körpergrössen vergleichen zu können. Das Resultat: 41 Prozent aller Frauen finden aufgrund der geltenden Normen keine passenden Kleider. Der spanische Gesundheitsminister Bernat Soria will nun die geltenden Kleidergrössen durch ein neues Masssystem ersetzen, dass den Bedürfnissen der Frauen entspreche, heisst es in einem Artikel der «NZZ».

Zylinder, Sanduhr und Glocke

Gemäss Studie lassen sich die Spanierinnen in drei Haupttypen unterscheiden: In Zylinder, Sanduhr und Glocke. Beim Zylinder-Typ ist Brust-, Hüft- und Taillenumfang in etwa gleich. Die Sanduhr-Frau hat eine schmale Taille und beim Glocken-Modell sind die Hüften etwas kräftiger als die oberen Körperpartien. Anhand der Parameter von Brust, Taille und Hüfte sollen die neuen Kleidergrössen geschaffen werden – und zwar nicht nur in Spanien, sondern in ganz Europa, ginge es nach Bernat Soria. Ausserdem müssen in Spanien seit 2008 dürre Schaufensterpuppen aus dem Sortiment genommen und durch Modelle in Grösse 38 ersetzt werden, damit kein ungesundes Schönheitsideal gefördert wird.

Das Bundesamt für Gesundheit begrüsst die Massnahme

Ein Grossteil der Textilindustrie steht gemäss «NZZ» hinter der Initiative der Regierung. Die Textilkonzerne Zara und Mango haben sich bereits dazu verpflichtet, ihre Konfektion in Zukunft auf die Masse der realen Kundinnen auszurichten. Auch in Deutschland unterstützt die Modebranche mittlerweile eine Initiative der Bundesregierung gegen zu dünne Models.

Mit der eigentlichen Einführung neuer Kleidergrössen nimmt Spanien eine Vorreiterrolle in Europa ein, die bisher noch keine Nachahmer gefunden hat. In der Schweiz sind solche Massnahmen auf Bundesebene nicht geplant, weil die gesetzlichen Grundlagen fehlen. «Es ist aber sicher zu begrüssen, wenn alle Akteure Verantwortung übernehmen und Massnahmen ergreifen, welche ein gutes Körpergefühl - insbesondere auch ein gesundes Körpergewicht - fördern», sagt Sabina Helfer, Kommunikationsbeauftragte Bundesamt für Gesundheit BAG, auf Anfrage von 20minuten.ch.

tif

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