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Spengler CupBald Champions League statt Plauschturnier?

Der HC Davos dreht am grossen hockeypolitischen Rad: HCD-Verwaltungsrat Gaudenz F. Domenig bestätigt gegenüber der Zeitung «Sonntag», dass die Verhandlungen laufen, um den Spengler Cup zum Ersatz für die gescheiterte Champions Hockey League (CHL) auszubauen.

von
Klaus Zaugg

Alle Versuche, einen europäischen Klubwettbewerb nach dem Vorbild des Fussballs zu machen, sind im Eishockey gescheitert. Zuletzt im Sommer 2009 das Projekt CHL. Wahrscheinlich bleiben die ZSC Lions die ersten und einzigen Sieger. Es gibt nur eine funktionierende europäische Klubkonkurrenz: Den Spengler Cup. Konstant erfolgreich seit 1923. Mit Ausstrahlung und TV-Präsenz bis hinüber nach Amerika

Nichts wäre also logischer als die Bühne des Spengler Cups für die Kür eines europäischen Klub-Champions zu nutzen. Domenig bestätigt auf Anfrage von 20 Minuten Online, dass entsprechende Verhandlungen mit den in der Organisation «Hockey Europe» zusammengeschlossenen wichtigsten europäischen Ligen begonnen haben. «Die Idee ist ja nicht neu. Sie wird aber jetzt, nach dem Scheitern der CHL, für viele wieder interessanter.» Der Grundgedanke: Ein erweiterter Spengler Cup mit den Meistern aus Schweden, Finnland, Russland, Tschechien, der Schweiz (evtl. mit einem Entscheidungsspiel um die Teilnahme gegen den Deutschen Meister) plus dem organisierenden HC Davos, aber ohne Team Canada. Domenig: «Der Modus könnte in etwas so aussehen, ist aber noch keineswegs festgelegt und auch die Anzahl Teilnehmer ist offen.» Die Verhandlungen sind heikel, weil es neben den wichtigen Ligen und Verbänden in Europa auch die Zustimmung der verschiedenen Partner (Vermarkter, Schweizer Fernsehen) braucht. Eine Umsetzung wäre frühestens für den übernächsten Spengler Cup 2010 möglich.

Bis heute konnte sich Dr. René Fasel, der Präsident des Internationalen Eishockeyverbandes (IIHF) mit einer solchen Idee nicht anfreunden. Er sagt zwar: «Wir wissen um die Wichtigkeit des Spengler Cups.» Aber er stellt auch klar: «Einer Erweiterung im Sinne eines Ersatzes für die CHL können wir nicht einfach so zustimmen und Verhandlungen hinter dem Rücken der IIHF wären kontraproduktiv. Es gibt Instanzenwege, die einzuhalten sind. Wenn schon ist es Sache des Schweizerischen Eishockeyverbandes, mit einem entsprechenden Vorschlag an uns zu gelangen und erst dann können wir uns mit dieser Idee befassen.»

Die IIHF ist allerdings in einer heiklen Lage. Dr. Fasels unwirsche Reaktion ist nicht viel mehr als Theaterdonner. Die Klubs, die mit der Teilnahme an der abgesagten CHL 2009/10 gerechnet haben (dazu gehören der HC Davos und der SC Bern als Qualifikant) verlangen von der IIHF eine finanzielle Abgeltung für die annullierte CHL. Mindestens in der Höhe des Antrittsgeldes von rund 300 000 Franken pro Klub. Was die IIHF zwischen drei und vier Millionen kosten würde. Aber Dr. Fasel lehnt eine finanzielle Abgeltung kategorisch ab und der Streit eskaliert. «Hockey Europe» hat inzwischen die renommierte Berner Anwaltskanzlei Kellerhals mandatiert, um den Fall notfalls vors IOC-Sportgericht in Lausanne zu bringen (20 Minuten Online berichtete)

Wenn die wichtigen Ligen Europas den Spengler Cup als Ersatz für eine CHL wollen und eine Lösung mit dem organisierenden HC Davos finden - und so sieht es je4zt aus - dann bleibt Dr. Fasel wohl nur die wohlwollende Zustimmung, begleitet mit herzlichen Wünschen zum guten Gelingen. Domenig hat noch ein ganz besonderes Zückerchen für die Klubs: «Wir wären dazu in der Lage, ein rechtes Antrittsgeld plus Prämien zu zahlen.» Das tönt freundlicher als die schroffe Ablehnung Dr. Fasels in der Frage einer Entschädigung für die abgesagte CHL 2009/10.

Bereits jetzt erwirtschaftet der HC Davos mit dem Spengler Cup rund zwei Millionen Gewinn - mit dem Ausbau zur Champions League ist eine ordentliche Steigerung auf bis zu drei Millionen möglich. Damit würde der HCD noch konkurrenzfähiger.

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