04.09.2020 14:28

Erste Tests 2021Bald gibt es ein Homeoffice-GA

Für Vielnutzer gibts im ÖV das GA, für Gelegenheitsreisende die Tageskarte – nun soll eine Option dazukommen, die sich etwa an Homeoffice-Arbeiter oder Studenten, die nur zwei Tage an der Uni sind, richtet.

von
Raphael Knecht
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Viele GA-Besitzer brauchen ihr Abo seit der Krise wesentlich weniger.

Viele GA-Besitzer brauchen ihr Abo seit der Krise wesentlich weniger.

KEYSTONE
Dies unter anderem, weil viele Firmen neu auf Homeoffice setzen und sich abzeichnet, dass auch in Zukunft öfter von zu Hause aus gearbeitet werden wird.

Dies unter anderem, weil viele Firmen neu auf Homeoffice setzen und sich abzeichnet, dass auch in Zukunft öfter von zu Hause aus gearbeitet werden wird.

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Der Preisüberwacher Stefan Meierhans fordert darum, dass es künftig ein flexibles Homeoffice-GA geben soll.

Der Preisüberwacher Stefan Meierhans fordert darum, dass es künftig ein flexibles Homeoffice-GA geben soll.

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Darum gehts

  • Der Preisüberwacher will, dass es künftig eine Art Generalabo für Homeoffice-Arbeiter gibt.
  • Die Tariforganisation plant bereits ein solches Angebot.
  • Erste Tests sollen 2021 stattfinden.

Ändern sich die Pendlergewohnheiten, muss der öffentliche Verkehr mitziehen, findet der Preisüberwacher Stefan Meierhans. Darum fordert er, dass die SBB künftig eine Art Homeoffice-GA anbietet, wie er zum «Blick» sagt. Die Idee ist ein flexibles Abo, das wie bisher die freie Fahrt im ÖV ermöglicht – allerdings nur an zwei bis drei Tagen pro Woche.

Meierhans begründet seine Forderung damit, dass die Wintermonate mit Corona vor der Tür stehen. Wer ein Generalabonnement hat, aber momentan viel von zu Hause aus arbeitet, werde sich fragen, ob es sich überhaupt noch lohne, das GA zu bezahlen. Eine flexiblere Alternative fehlt hingegen: «Heute ist die ÖV-Branche nicht bereit für die Welt nach Corona.»

Stefan Meierhans

Preisüberwacher legt sich mit Konzernen an

Stefan Meierhans ist seit 2008 als Schweizer Preisüberwacher tätig. In seiner Funktion als «Monsieur Prix» legt er sich regelmässig mit Grosskonzernen und ganzen Branchen an. Zuletzt verlangte Meierhans etwa von der Post, dass es weiterhin Rabatte gibt, wenn Kunden ihre Päckli selbstständig mit online bezogenen Etiketten anschreiben. Er argumentiert, dass die Post versuche, die finanziellen Probleme von Postfinance auf die Brief- und Paketkunden abzuwenden. Sollte die Post vorhaben, die Preise bei den Briefen und Paketen zu erhöhen, werde er das sehr genau prüfen, schreibt er in seinem Blog: «Und dabei im Hinterkopf behalten, dass man, wenn man in einem Landgasthof Znacht isst, auch nur sein Essen zahlt und nicht die drei defizitären Gästezimmer im Obergeschoss, die auch noch da wären.»

Die ÖV-Tariforganisation Alliance Swisspass stimmt ihm zu: «Wir wurden wie alle anderen von der Krise überrascht», sagt Sprecher Thomas Ammann zu 20 Minuten. Man müsse sich bewusst sein, dass die Anpassung der Tarifsysteme nicht von heute auf morgen möglich sei.

Meierhans’ Forderung nach einer Homeoffice-Lösung hält Ammann jedoch für begründet: «Wir haben gute Angebote für Gelegenheitsfahrer und Vielfahrer – es fehlt etwas im Zwischensegment für Leute, die regelmässig fahren, aber nicht täglich.» So ein Angebot würde sich etwa an Studenten richten, die nur zwei Tage an der Uni sind – oder eben an Berufstätige, die mehrere Tage pro Woche von zu Hause aus arbeiten.

Die Organisation sei daran, ein solches Angebot zu lancieren. Für 2021 sind erste Tests mit ausgewählten Kunden geplant. Ob das Angebot dann aber als GA verkauft wird, ist hingegen fraglich. «Der Begriff Generalabonnement verspricht, dass man jederzeit überall fahren kann», so Ammann.

Politischer Vorstoss geplant

Grüne-Nationalrätin Florence Brenzikofer begrüsst den Vorschlag von Meierhans ebenfalls. Es müsse rasch eine schlanke, kundenfreundliche und flexible Grundlage der Preisberechnung eingeführt werden, damit die Leute auf den ÖV umsteigen, sagt sie zu 20 Minuten: «Ich werde einen entsprechenden Vorstoss zu einem Homeoffice-GA prüfen und in der Herbstsession einreichen.»

Brenzikofer hatte bereits diesen Sommer einen Vorstoss zu einer neuen Art von verbundsübergreifenden Regionen- und Zonen-GA im Parlament eingereicht. Der Bundesrat beantragte allerdings dessen Ablehnung, weil bestehende Modul- und Streckenabos diese Bedürfnisse bereits abdecken würden.

GA könnte teurer werden

Eher kritisch gegenüber der Idee ist Christoph Wydler, Präsident der Interessensgemeinschaft ÖV Schweiz: «So ein Tageswahl-GA müsste preislich attraktiver sein – das würde zu grossen Einnahmeverlusten führen, wenn die Kunden vom regulären GA umsteigen.» Um das wettzumachen, würde das herkömmliche Generalabonnement teurer werden, vermutet Wydler, was für diese Kunden nachteilig sei.

Er ist zudem der Meinung, dass etwa Mehrfahrtenkarten oder Strecken-Abonnements bereits jetzt für Leute, die nur einzelne Tage pendeln, attraktiv seien. «Darum ist fraglich, ob es überhaupt so ein Tageswahl-GA braucht.»

Kritik am Abo-Prinzip

Der Preisüberwacher kritisiert auch, dass die ÖV-Branche nicht gewillt sei, den Kunden nur Dienstleistungen in Rechnung zu stellen, die sie auch effektiv nutzen: «Beim ÖV muss man für Leistungen im Voraus zahlen – besonders, wenn man ein Abo hat. Die Kunden übernehmen damit ein Risiko und haben Pech, wenn Leistungen gestrichen werden.»

Auf diese Kritik erwidert Ammann von Alliance Swisspass, dass Meierhans damit grundsätzlich das Abo-Prinzip infrage stelle: «Der Rabatt fürs Abo beruht ja genau darauf, dass man vorab zahlt – aufs Risiko hin, dass man es auch mal nicht nutzen kann.»

Technische Lösungen für die Abrechnung von konkret genutzten Services – statt eines vorab bezogenen Abonnements – habe die Schweiz bereits als weltweit erstes Land eingeführt. Dabei handelt es sich um Apps wie etwa Easyride (in der SBB-App integriert), Lezzgo und Fairtiq. Wer lieber so ein Angebot nutzen will, kann das tun, so Ammann: «Aber als Vielnutzer zahlt man so halt mehr, als wenn man ein Abo hat.»

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248 Kommentare
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Bänder

05.09.2020, 19:49

Ihr Steuerzahler dürft uns ein wenig mehr ans GA bezahlen. Das ist das schöne an unserem Job. Du hast das Geld und wir bekommen es. Als Gegenleistung erhält ihr immer wieder von uns SBB ein Skandal;-0

Vordenker

05.09.2020, 19:00

Für ZVV und ZVV Bonus Pass bitte ebenfalls Home Office Abos einführen

FamilienGA@Family

05.09.2020, 16:28

GA flex - wieso nicht. Oder monatlich gemäss gefahrenen Strecken bzw. Kilometern abrechnen.