07.10.2014 10:27

Neue SoftwareBald können auch Laien programmieren

Deutsche Informatiker arbeiten an einer Software, die für beliebige Programme eine Sprachschnittstelle errichten soll. Damit könnten auch Amateure eigene Anwendungen erstellen.

von
sts
Ziel der Forscher ist, dass sich der Rechner künftig an der Sprache des Nutzers orientiert.

Ziel der Forscher ist, dass sich der Rechner künftig an der Sprache des Nutzers orientiert.

Bislang lassen sich Programme nur dann mit Sprache steuern, wenn sie vom Hersteller genau darauf ausgelegt sind. So sucht Siri etwa für iPhone-Besitzer nach Restaurants in der Nähe und Google Now öffnet nach einem mündlich erteilten Befehl die gewünschten Suchresultate. Informatiker des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) arbeiten laut der Tech-Plattform Golem nun an einer Software, die für beliebige Programme eine Sprachschnittstelle einrichtet.

Damit sollen auch User ohne Programmierkenntnisse in wenigen Sätzen eigene Computeranwendungen erstellen können. «Wir wollen weg von komplizierten Regelwerken für Nutzer hin zu intelligenten Rechnern, die mit uns in Dialog treten», erklärt Mathias Landhäusser, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Programmstrukturen und Datenorganisation des KIT.

Mithilfe der neuen Software könnten Nutzer ihre mobilen Apps nicht nur per Sprachbefehl öffnen, sondern diese auch auf diese Weise bedienen. Bei einer Anwendung, die Beleuchtung, Heizung und Fenster in smarten Häusern steuert, haben die Forscher eine solche Schnittstelle bereits erfolgreich eingebunden.

Logische Formeln für sprachliche Begriffe

Das bisher grösste Problem für die deutschen Informatiker und deren Software ist, dass Menschen Vorgänge nicht immer streng chronologisch beschreiben. Das Analysewerkzeug der KIT-Forscher ordnet die Anweisungen nun automatisch so hintereinander, wie sie der Computer ausführen soll. «Unser Ziel ist es, dass sich der Rechner an die Sprechweise der Nutzer anpasst - nicht umgekehrt», sagt Landhäusser.

Die neue Software analysiert zeitbezogene Signalwörter, die darauf hinweisen, dass ein eingesprochener Text Abläufe nicht streng chronologisch abbildet. Solche Signalwörter geben an, ob etwas davor oder danach, zuerst oder zuletzt geschieht. Diese Zuordnung erfolgt unabhängig davon, an welcher Stelle die Information steht. Nur weil eine Handlung also als Erstes beschrieben wird, muss sie nicht zwingend vor allen anderen ausgeführt werden. Die Wissenschaftler ordnen den sprachlichen Begriffen nun logische Formeln zu. Somit soll im Quelltext eine chronologische Abfolge hergestellt werden. Bis jetzt funktioniert die Zuordnung allerdings nur auf Englisch.

Eine weitere Herausforderung für die KIT-Informatiker stellt das Verwenden von Synonymen dar. In einem Versuch ersetzten die Probanden einzelne Begriffe durch Bezeichnungen mit derselben oder einer ähnlichen Bedeutung. Dass sich beispielsweise die Wörter «Anfang» und «Beginn» auf dasselbe Substantiv beziehen, können Computer bislang nicht ohne Weiteres ableiten. Aus diesem Grund wird die Software noch längere Zeit nicht auf dem Markt erhältlich sein. «Bis wir komplexe Software mit Sprache nicht nur bedienen, sondern tatsächlich programmieren können, wird es noch dauern», so Landhäusser.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.