10.05.2014 15:30

Der Umwelt zuliebeBald kommen Heilpflanzen aus dem Reagenzglas

Pflanzliche Arzneimittel können der Artenvielfalt schaden. In Zukunft soll es eine umweltschonende Alternative geben.

von
Claudia Hoffmann
Im Labor gezüchtete Heilpflanzen wie Arnika sollen die natürlichen Bestände schonen.

Im Labor gezüchtete Heilpflanzen wie Arnika sollen die natürlichen Bestände schonen.

Etwa acht Prozent der in Schweizer Apotheken verkauften Medikamente sind pflanzliche Arzneimittel. Doch was Menschen heilen soll, gefährdet die Artenvielfalt. Rund zwei Drittel der Arzneipflanzen werden in der freien Natur gesammelt – die meisten, weil sie sich nicht oder nur mit viel Aufwand auf Feldern anbauen lassen.

Ein Grossteil der Heilkräuter stammt aus osteuropäischen Ländern wie Rumänien oder Bulgarien. «Dort sind viele Bestände merklich geschrumpft», sagt Evelyn Wolfram, Biotechnologin an der Zürcher Fachhochschule ZHAW in Wädenswil. So ist beispielsweise die gegen Hautentzündungen und Gelenkschmerzen wirkende Heilpflanze Arnika in Rumänien selten geworden.

Frei von Umweltgiften

Eine Alternative zu in der Wildnis gesammelten Pflanzen entwickeln derzeit Forschende der ZHAW gemeinsam mit bulgarischen Wissenschaftlerinnen. «Ziel ist es, Wildpflanzen im Labor zu züchten», sagt Evelyn Wolfram. Dazu benötigen die Forschenden nicht immer die ganze Pflanze. Stattdessen lassen sie Teile der Blätter oder Wurzeln auf speziellen Nährböden oder in Bioreaktoren wachsen. Dies hat neben der Schonung der natürlichen Vorkommen einen weiteren Vorteil: Die Laborpflanzen sind frei von Umweltgiften und lassen sich zu jeder beliebigen Jahreszeit züchten.

«Allerdings enthalten sie oft nur geringe Mengen der erwünschten Wirkstoffe», sagt die Biotechnologin. Denn diese bilden Pflanzen in der Natur unter anderem, um Schädlinge abzuwehren – was im Labor nicht nötig ist. Deshalb versuchen die Forschenden nun, den Wirkstoffgehalt zu steigern, etwa durch Zugabe bestimmter Pflanzenhormone.

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