Schweizer «Tatort»: Bald nur noch auf Hochdeutsch?
Aktualisiert

Schweizer «Tatort»Bald nur noch auf Hochdeutsch?

Die Synchronisation des Luzerner «Tatort» sorgt für Kritik. Regisseur Dani Levy ärgerts. Er schlägt neue Lösungswege vor. Das Schweizer Fernsehen aber beschwichtigt.

von
Monika Rufener

Obwohl der vierte Schweizer «Tatort» bei den Kritikern sowie bei den Fernsehzuschauern insgesamt gut abschnitt, bleibt ein Schönheitsfehler: «Totales Karnevals-Kauderwelsch-Chaos bei den Schweizer Kollegen vom ‹Tatort› Luzern», schrieb beispielsweise das Boulevardblatt «Bild». Auch «Die Welt» kritisierte: «Offenbar ist es leichter, aus dem Amerikanischen ins Deutsche zu synchronisieren als aus dem Schwyzerdütschen».

«Ich glaube, viel besser kann man es nicht machen»

Dies obwohl der Regisseur der «Tatort»-Folge «Schmutziger Donnerstag», Dani Levy, sechs Wochen Arbeit in die deutsche Synchronisation investierte: «Ich glaube, viel besser kann man es nicht machen», meint Levy gegenüber 20 Minuten Online. Trotzdem nimmt der Erfolgsregisseur die Kritik ernst: «Das SRF muss sich fragen: Muss man auf Hochdeutsch synchronisieren oder gibt es andere Lösungen?», so Levy. Es sei beispielsweise denkbar, auf Hochdeutsch zu drehen und auf Schweizerdeutsch zu synchronisieren oder gleich zwei Versionen des «Tatorts» zu drehen. Dies würde jedoch die Kosten einer Produktion um etwa einen Drittel erhöhen, meint Levy. Die konsequenteste Lösung wäre, auf Schweizerdeutsch zu filmen und für den deutschen Raum zu untertiteln: «Aber das ist leider nicht realistisch», bemerkt der Basler Regisseur: «Mich ärgert dieses Handicap, es degradiert die guten Schweizer Filme».

«Noch ungewohnt»

Das Schweizer Fernsehen wiegelt jedoch ab: «Für das deutschsprachige Publikum sind synchronisierte ‹Tatorte› noch ungewohnt. Dass es Reaktionen gibt, liegt daher in der Natur der Sache», erklärt SRF-Sprecher Martin Reichlin gegenüber 20 Minuten Online und ergänzt: «Die Marke Tatort lebt stark von der regionalen Färbung. Deshalb synchronisieren wir auf Wunsch der ARD den Schweizer Tatort so, dass der Dialekt noch zu spüren ist.» Doch Reichlin betont: «Wir lernen mit jeder Produktion dazu.»

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