Aktualisiert 14.05.2013 23:03

«Fliegende Augen»Bald schweben 30'000 Drohnen über den USA

Big Brother oder Lebensretter? Laut der Luftfahrtbehörde FAA werden bis 2020 rund 30'000 Drohnen am US-Himmel patrouillieren. Einzelne Staaten wie etwa New Jersey wollen sie bereits 2015 einsetzen.

von
agd

Totalüberwachung oder nötige Sicherheitsvorkehrung: Während viele US-Behörden die Vorteile der unbemannten Flugobjekte für Verkehrsüberwachung, Verfolgung von Straftätern oder zum Beobachten von Naturkatastrophen wie Waldbränden preisen, befürchten viele Bürger Verletzungen der Privatsphäre und Missbräuche durch die «fliegenden Augen». Derzeit sind in den USA mehrere Gesetze in Vorbereitung, die den Einsatz von Mini-Fliegern bundesweit regeln sollen.

Die Diskussion darüber ist hitzig. «Stellen Sie sich vor: Sie sitzen in ihrem Garten und geniessen die Freizeit mit ihrer Familie – und die Regierung schiesst Fotos von Ihnen und nimmt auf, über was sie so reden», polterte etwa Parlamentarier Erik Peterson aus New Jersey, wie der Star Ledger berichtet. Sein Kollege Nicholas Sacco entgegnete: «Denken Sie an vermisste Kinder oder Senioren und an die Unmittelbarkeit und die Möglichkeiten, die Drohnen bieten, um sie rasch zu finden. Denken Sie an Waldbrände – diese Dinge sind enorm wichtig.» New Jersey ist einer der ersten Staaten, der ab September 2015 reguläre Bewilligungen für zivile Drohnen erhalten möchte und diese dann unter anderem zur Verkehrsüberwachung einsetzen will.

«Haben uns auch an Hunde gewöhnt»

Seit einem 2007 von der FAA erlassenen Verbot für kommerzielle Flüge wurden bereits über 1400 Bewilligungen an Universitäten und Behörden erteilt, etwa an die Grenzwacht Customs and Border Protection CBP, die seit 2006 Drohnen einsetzt. Auch einige Polizeikorps haben Bewilligungen zum Einsatz von Drohnen.

Ihre Vorteile sind offensichtlich: Die Fluggeräte können High-Tech-Geräte wie Gesichtserkennungssysteme, Nummernschild-Scanner oder Wärmebildkameras tragen und sogar in offenen WLAN-Netzen spionieren. Sie können in Gebieten fliegen, wo andere Flugzeuge wegen der Gefahr nicht hinkönnen. Sie sind rasch einsetzbar und wesentlich günstiger als Helikopter.

Der Siegeszug der drohnen dürfte in den USA nicht mehr aufzuhalten sein - auch wenn die demokratische Politikerin Annette Quijano nicht möchte, «dass unsere Luftwege aussehen wie der Garden State Parkway an einem Freitagabend.» Denn, wie es Parlamentarier Nicholas Sacco ausdrückt, «wir leben heute auch in Frieden mit Hunden, obwohl sie von Wölfen abstammen.»

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