Aktualisiert 02.09.2019 06:36

Mais, Soja, Raps

Bald soll Gentech-Food auf unseren Tellern landen

Der Bund plant, mehr Spuren von Gentech-Lebensmitteln im Essen zu tolerieren. Dagegen laufen Umweltverbände Sturm. Die Branche aber will noch weitergehen.

von
P. Michel
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Der Bund sieht  vor, 50 in der EU zugelassene Gentech-Lebensmittel – Mais, Soja, Raps – auch in der Schweiz zuzulassen. Für diese Lebensmittel soll auch die sogenannte Toleranzgrenze von 0,1 Prozent auf 0,5 Prozent erhöht werden. Lebensmittel dürfen also 0,5 Prozent dieser Gen-Produkte enthalten – etwa Spuren von genmanipuliertem Mais.

Der Bund sieht vor, 50 in der EU zugelassene Gentech-Lebensmittel – Mais, Soja, Raps – auch in der Schweiz zuzulassen. Für diese Lebensmittel soll auch die sogenannte Toleranzgrenze von 0,1 Prozent auf 0,5 Prozent erhöht werden. Lebensmittel dürfen also 0,5 Prozent dieser Gen-Produkte enthalten – etwa Spuren von genmanipuliertem Mais.

AP/Sven Kaestner
Die Änderungen begründet der Bund damit, dass so der Handel mit der EU sowie die Aushandlung eines Lebensmittelsicherheitsabkommens erleichtert werde. Auch die Vermeidung von Foodwaste führt der Bund ins Feld: Da bisher Lebensmittel, die zu hohe Spuren von Gentech enthielten vernichtet werden mussten, könne mit der höheren Toleranz Lebensmittelverschwendung vermieden werden.

Die Änderungen begründet der Bund damit, dass so der Handel mit der EU sowie die Aushandlung eines Lebensmittelsicherheitsabkommens erleichtert werde. Auch die Vermeidung von Foodwaste führt der Bund ins Feld: Da bisher Lebensmittel, die zu hohe Spuren von Gentech enthielten vernichtet werden mussten, könne mit der höheren Toleranz Lebensmittelverschwendung vermieden werden.

Keystone/Archive
Diese Pläne kritisieren die Umweltverbände scharf. Zur letzten Woche abgeschlossenen Vernehmlassung schreibt Greenpeace: «Das würde bedeuten, dass plötzlich eine grosse Zahl an bisher nicht tolerierten Sorten toleriert werden.»

Diese Pläne kritisieren die Umweltverbände scharf. Zur letzten Woche abgeschlossenen Vernehmlassung schreibt Greenpeace: «Das würde bedeuten, dass plötzlich eine grosse Zahl an bisher nicht tolerierten Sorten toleriert werden.»

Keystone/Steffen Schmidt

Proteinriegel mit gentechnisch verändertem Soja, Mehl mit künstlich optimiertem Mais: Lebensmittel, die die Schweizer Behörden bisher aus dem Verkehr gezogen haben, könnten mit der Revision des Lebensmittelrechts auf Schweizer Tellern landen.

Der Bund sieht nämlich vor, 50 in der EU zugelassene Gentech-Pflanzen – Mais, Soja, Raps – auch in der Schweiz zuzulassen. Demnach prüft die Schweiz die Risiken einer Gesundheitsgefährdung bei diesen Produkten nicht mehr separat, sondern nur noch die Umweltgefährdung. Für diese Lebensmittel soll auch die sogenannte Toleranzgrenze von 0,1 Prozent auf 0,5 Prozent erhöht werden. Lebensmittel dürfen also – im Verhältnis zur Zutat – 0,5 Prozent dieser Gen-Produkte enthalten.

Verhindert die Lockerung Foodwaste?

Die Änderungen begründet der Bund damit, dass so der Handel mit der EU sowie die Aushandlung eines Lebensmittelsicherheitsabkommens erleichtert werde. Auch die Vermeidung von Foodwaste führt der Bund ins Feld: Denn bisher mussten Lebensmittel, die zu hohe Spuren von Gentech aufwiesen, vernichtet werden.

Diese Pläne kritisieren nun die Umweltverbände scharf. Zur letzten Woche abgeschlossenen Vernehmlassung schreibt Greenpeace: «Das würde bedeuten, dass plötzlich eine grosse Zahl an bisher nicht tolerierten Sorten toleriert werden – mit einer relativ hohen Grenze von 0,5 Prozent.» Dies sei nicht akzeptabel, denn die Konsumenten wollten kein Gentech auf ihren Tellern. Der Kritik hat sich auch die Stiftung Konsumentenschutz in ihrer Vernehmlassungsantwort angeschlossen.

«Das ist ein falsches Signal»

SP-Nationalrätin Martina Munz, Präsidentin der Allianz Gentechfrei, sagt: «Höhere Grenzwerte senden ein falsches Signal aus und sind absolut unnötig.» Das Foodwaste-Argument ziehe nicht, denn bisher hätten laut bekannten Statistiken nie Gentech-Lebensmittel aus der EU vernichtet werden müssen.

Die Zulassung von Gentech-Essen aus der EU passe nicht zur Schweiz, deren Handel und Landwirtschaft auf qualitativ hochwertige Lebensmittel setze. «Die Konsumenten sind hochkritisch gegenüber Gentech», so Munz. Es könne nicht sein, dass die Schweiz deshalb mit solchen Plänen der pestizidgetriebenen und industriellen Gentech-Landwirtschaft Vorschub leiste.

Kein Problem sieht dagegen der Bauernverband. «Diese Lebensmittel haben ein EU-Bewilligungsverfahren durchlaufen und die Risiken einer möglichen Gesundheitsgefährdung wurden bewertet», sagt Präsident und CVP-Nationalrat Markus Ritter. Es handle sich um kleinste, nicht relevante Spuren, weshalb eine Angleichung an die EU Sinn mache. Er hält fest: «Die Schweiz ist weiterhin ein Vorreiter bei gentechfreier Produktion und Verarbeitung.» Deshalb sei es wichtig, dass man die Gentechfreiheit durch die Revision nun auch kennzeichnen könne.

Spuren von Gentech liessen sich nie ganz vermeiden

Auch die Schweizer Verarbeiter stehen hinter dem Bund. Sie fordern sogar eine Toleranzgrenze von 0,9 Prozent. Die Föderation der Nahrungsmittel-Industrie, in der auch die Tochterfirmen von Coop und Migros vertreten sind, schreibt in einem aktuellen Newsletter: «Spuren von Gentech lassen sich fast nicht absolut vermeiden.» So reichten beispielsweise 20 Gen-Sojabohnen, um eine Fracht von 20 Tonnen konventioneller Bohnen zu verunreinigen.

Co-Geschäftsführer Lorenz Hirt kontert die Umweltverbände: «Mir sind Fälle bekannt, wo tatsächlich ganze Container wegen minimalen Gentech-Verschmutzungen vernichtet oder reexportiert werden mussten.» Als Freipass oder gar als Einführung von Gentech-Food durch die Hintertür seien die höheren Toleranzgrenzen keinesfalls zu verstehen: «Aber wenn wir minimal kontaminierte Produkte vernichten müssen, läuft etwas schief.»

Das sagt der Bund

Da es sich bei der Revision des Lebensmittelrechts um einen laufenden Prozess handle, könne man zu diesem Zeitpunkt keine Auskunft geben, heisst es beim Bundesamt für Lebensmittelsicherheit auf Anfrage. Die Rückmeldungen, die man aufgrund der Vernehmlassung erhalten habe, würden gesammelt und ausgewertet. Schlussendlich werde das Eidgenössische Department des Inneren über die endgültige Fassung entscheiden.

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