Aktualisiert 14.07.2019 22:43

Dialekte verändern sichBald sprichst wohl auch du Züritüütsch

Der Einfluss von Dialekten aus grösseren Städten wird immer stärker. Insbesondere Wörter aus dem Zürcher Dialekt, aber auch aus dem Hochdeutschen breiten sich aus.

von
doz
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Der Zürcher Dialekt breitet sich immer weiter aus.

Der Zürcher Dialekt breitet sich immer weiter aus.

Keystone/Alessandro Della Bella
Das Innere eines Apfels wird nun immer öfter «Bütschgi» genannt.

Das Innere eines Apfels wird nun immer öfter «Bütschgi» genannt.

Keystone/Gaetan Bally
Eine Pfütze heisst jetzt «Glungge».

Eine Pfütze heisst jetzt «Glungge».

Paul Zinken

Stadtdialekte breiten sich immer weiter aus und verdrängen Dialekte, die auf dem Land gesprochen werden, zusehends. Diese Voraussage haben die beiden Sprachwissenschaftler Adrian Leemann und Claudia Bucheli Berger gegenüber der «SonntagsZeitung» gemacht. Demnach soll die regionale Vielfalt des Schweizerdeutschen bis ins Jahr 2060 stark abnehmen.

Die grossen Stadtdialekte haben bereits heute einige auf dem Land gebräuchliche Ausdrücke ersetzt. So nennen viele Berner eine Pfütze jetzt «Glungge», während diese auf dem Land früher eher als «Glunte» bezeichnet wurde.

«Hitzgi» und «Bütschgi»

Noch stärker durchgesetzt hat sich der Zürcher Dialekt. Der Einfluss der Grossregion Zürich habe dazu geführt, dass sich der Dialekt über die Kantonsgrenzen hinaus ausgebreitet hat. So hört man beispielsweise nun auch in der Ostschweiz das Wort «Hitzgi» anstelle von «Höschi» oder «Höscher» für Schluckauf.

Dieser Trend zeigt sich auch in anderen Teilen der Schweiz. So breitet sich beispielsweise das Zürcher Wort «Bütschgi» für Apfelkerngehäuse weiter aus und ersetzt «Güürbsi» in Aargau, «Bätzgi» in Luzern, «Butze» in Basel-Stadt und «Güegi» im Baselland. Ähnlich verhält es sich mit den Zürcher ü-Lauten. Wörter wie «Chnüü» (Knie) oder «tüüf» (tief) sind mittlerweile auch in Luzern, Zug, Schwyz und Glarus zu hören.

Hochdeutsch auf dem Vormarsch

Nicht nur der Zürcher Dialekt, sondern auch das Hochdeutsche gewinnt laut den Sprachwissenschaftlern immer mehr an Bedeutung. So könnte das Wort «Glungge» trotz der weiteren Verbreitung schon bald durch das hochdeutsche «Pfütze» ersetzt werden. Ausserdem sind Wörter wie «Kartoffle» statt «Härdöpfel», «Karotte» statt «Rüebli» und «Wohnzimmer» statt «Stube» auf dem Vormarsch.

Dies zeichnet sich auch bei der Begrüssung ab. So wird «Hallo» zu einem immer beliebteren Grusswort, egal, ob man die angesprochene Person duzt oder siezt. «Tschüss» wird ebenfalls immer häufiger für den Abschied benutzt, während «grüezi», «hoi», «sälü »oder «tschou» langsam, aber sicher abnehmen.

Wörter gehen vergessen

Dieser Wandel in der Sprache ist jedoch nichts Neues. Bereits heute sind zahlreiche Wörter verschwunden, die früher einmal zum alltäglichen Sprachgebrauch gezählt haben. Das Wort «Tschifere», was einen Rückentragkorb bezeichnet, ist laut den Sprachwissenschaftlern beispielsweise vollkommen veraltet. Auch «tängele »(eine Sense mit dem Hammer scharfklopfen) kennt heute kaum einer mehr. Dafür haben sich Wörter aus dem Englischen wie beispielsweise «google» oder «downloade» in unseren Sprachgebrauch eingemischt.

Wie viel Züritüütsch verstehst du? Der ehemalige Chefredaktor von 20 Minuten, Marco Boselli, hat 2016 bereits erklärt, was richtige Züri-Ausdrücke sind:

Verstehen Sie Züridütsch?

Verstehen Sie Züridütsch?
(Video: Alice Grosjean )

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