Paris Fashion Week - Balenciaga schickt Models als Geflüchtete auf den Laufsteg
Für seine Herbst-/Winter-Kollektion schickt Balenciaga-Chefdesigner Demna Gvasalia seine Models durch den Schneesturm. Und sorgt damit für Emotionen.

Für seine Herbst-/Winter-Kollektion schickt Balenciaga-Chefdesigner Demna Gvasalia seine Models durch den Schneesturm. Und sorgt damit für Emotionen.

IMAGO/Xinhua
Publiziert

Tränenreiche ShowBalenciaga schickt Models als Geflüchtete auf den Laufsteg

Die aktuelle Show des Luxuslabels Balenciaga nimmt Bezug auf den Krieg in der Ukraine. Modefans vor Ort brechen in Tränen aus.

von
Gloria Karthan
Emmanuel Coissy

«Diese Show feiert die Tapferkeit, den Widerstand und den Sieg des Friedens und der Liebe.» In einer auf Instagram veröffentlichten Story erklärt Chefdesigner Demna Gvasalia, warum er in der aktuellen Show von Balenciaga auf der Paris Fashion Week den Krieg in der Ukraine thematisiert.

«Diese Show braucht keine Erklärung» schreibt Demna Gvasalia in einer Instagram-Story auf dem Balenciaga-Account.

«Diese Show braucht keine Erklärung» schreibt Demna Gvasalia in einer Instagram-Story auf dem Balenciaga-Account.

Instagram/balenciaga

Die Bilder der Inszenierung vom Sonntag erinnern an jene von Geflüchteten, die uns aktuell von den Grenzen erreichen. Frauen und Männer stapfen durch einen Schneesturm in einer eiskalten Halle, während erst melancholische Klaviermusik und anschliessend nervöser Techno erklingt. Einige halten einen Müllsack in der Hand, als befänden sich darin hastig zusammengetragene Habseligkeiten. Ein Journalist der «FAZ» schreibt, die Intensität der Musik könne man nur auf eine Art interpretieren: «Die Bass Drum klingt wie das Donnergrollen von Artillerie­geschütz, die Snare Drum wie peitschendes Gewehrfeuer.»

«Eine absurde Veranstaltung»

«In Zeiten wie diesen verliert die Mode ihre Relevanz», schreibt Gvasalia auf Instagram. «Die Fashion Week wirkt wie eine absurde Veranstaltung.» Der 40-Jährige habe sogar überlegt, die Show abzusagen. «Der Krieg in der Ukraine hat den Schmerz eines vergangenen Traumas wiederbelebt, als meinem Land 1993 das Gleiche passierte und ich zum ewigen Flüchtling wurde.» Gvasalia ist als 12-Jähriger mit seiner Familie vor dem Krieg in Georgien nach Deutschland geflüchtet. «Die Angst, die Verzweiflung und die Erkenntnis, dass niemand dich will, bleiben für immer», schreibt er.

In den sozialen Medien wird die kontroverse Show abgefeiert: «Atemberaubend – bravo!», «Demna ist ein Genie» und «Was für eine berührende Show», heisst es in den Kommentaren. Manche Menschen im Publikum sind so betroffen, dass sie in Tränen ausbrechen. «Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich in einer Modenschau geweint. Es hat mich sehr bewegt», sagt Schauspielerin Salma Hayek nach der Show. Gäste fanden auf ihren Stühlen ein T-Shirt vor, das in den Farben der ukrainischen Flagge bedruckt war und Balenciaga forderte zum Spenden auf. Als Einladung zur Show verschickte das Modelabel alte iPhones mit zerbrochenem Display, auf deren Hinterseite die Details zum Event eingraviert waren.

Modewelt zeigt sich solidarisch

Zunächst schweigend, hat die Modewelt in den letzten Tagen vermehrt ihre Solidarität mit der Ukraine durch Botschaften in den sozialen Netzwerken bekundet. Topmodels wie Bella und Gigi Hadid oder Kaia Gerber spenden ihre Einnahmen der Fashion Weeks für die Opfer des Kriegs in der Ukraine, grosse Modehäuser tun es ihnen gleich.

Hermès kündigte die Schliessung seiner Verkaufsstellen in Russland an. Dem Pariser Sattler folgten Chanel und alle Marken der Gruppen LVMH und Kering, unter anderem Gucci und Balenciaga. Auch die gesamte H&M-Gruppe stellt angesichts des Ukraine-Kriegs bis auf Weiteres seinen Verkaufsbetrieb in Russland ein. Während der Milan Fashion Week in der vergangenen Woche war Giorgio Armani der erste grosse Modedesigner, der den Opfern des Konflikts seinen Respekt zollte, indem er seine Models in völliger Stille über den Laufsteg schickte.

Hast du oder hat jemand, den du kennst, ein Trauma erlitten?

Hier findest du Hilfe:

Pro Mente Sana, Tel. 0848 800 858

Angehörige.ch, Beratung und Anlaufstellen

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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