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Bali: Polizei vermutet Selbstmordattentäter

Drei Selbstmordattentäter haben am Samstag die Anschlagsserie auf Bali mit mindestens 26 Toten verübt. Die Männer haben mit Sprengstoffwesten am Körper drei Restaurants betreten und fast zeitgleich die Explosionen ausgelöst.

sagte Generalmajor Ansyaad Mbai der Nachrichtenagentur AP. Als Drahtzieher verdächtigt die Polizei zwei der meistgesuchten Männer in Südostasien, Mitglieder der Gruppe Jemaah Islamiyah, die Verbindungen zum Terrornetzwerk Al Kaida hat.

Fahndung nach Terroristen

Bei den Explosionen wurden auch zwei deutsche Touristen leicht verletzt. Sie seien vor Ort ambulant behandelt worden, teilte das Auswärtige Amt in Berlin am Sonntag mit. Es handele sich um einen Mann und eine Frau. Hinweise auf Deutsche unter den Todesopfern gebe es nicht.

Die beiden flüchtigen malaysischen Extremisten Azahari bin Husin und Noordin Mohamed Top sollen auch die Anschläge vom 12. Oktober 2002 in Kuta organisiert haben, bei denen mehr als 200 Menschen getötet worden waren. Sie gehörten aber nicht zu den Attentätern. Die Vorgehensweise bei der Anschlagsserie vom Samstag stimme mit der von früheren Bombenattentaten überein, sagte Mbai.

Warnung vor weitere Anschlägen

Der indonesische Präsident Bambang Yudhoyono warnte unterdessen vor weiteren Anschlägen im bevölkerungsreichsten islamischen Land der Erde. Die Polizei werde jedoch alles tun, um das zu verhindern, sagte er bei einer Pressekonferenz.

In den vergangenen drei Jahren wurden unter anderem in Indonesien, Malaysia, den Philippinen und Thailand dutzende Mitglieder der Jemaah Islamiyah verhaftet. Experten warnen jedoch davor, dass die Terrorgruppe inzwischen eine neue Generation von Extremisten herangezogen und sich auf eine neue Anschlagswelle vorbereitet haben könnte.

Laut Generalmajor Mbai waren die Selbstmordattentäter bis zum Sonntag noch nicht identifiziert. «Ich habe sie gesehen. Alles, was von ihnen übrig ist, sind der Kopf und die Füsse», sagte er der AP. Bislang bekannte sich niemand zu den Anschlägen.

Nach jüngsten Krankenhausangaben wurden 26 Menschen in den Explosionen getötet und 101 verletzt. Ob die drei Attentäter dabei mitgezählt wurden, war zunächst unklar. Unter den Toten waren nach Krankenhausangaben ein Australier, ein Japaner und mindestens zwölf Indonesier. Unter den Verletzten waren 49 Indonesier, 17 Australier, sechs Koreaner, fünf Japaner, zwei Amerikaner und zwei Deutsche.

Vor dem Leichenschauhaus des Sanglah-Krankenhauses versammelten sich am Sonntag zahlreiche Menschen, die auf der Suche nach vermissten Angehörigen waren. Sie weinten, als mehrere Särge hinausgetragen wurden, darunter einer für ein Kind.

Das Auswärtige Amt weist darauf hin, dass auch weiter mit Anschlägen islamistischer Extremisten in Indonesien gerechnet werden müsse. Als gefährdet seien Orte anzusehen, die bevorzugt von Ausländern frequentiert würden, darunter Hotels, Botschaften, Einkaufszentren und touristische Einrichtungen, heisst es in den aktualisierten Sicherheitshinweisen des Aussenministeriums.

Reger Betrieb am Flughafen

Auf dem Flughafen von Bali bildeten sich am Sonntag lange Schlangen vor den Abfertigungsschaltern. Taxis brachten immer mehr Besucher, die die Insel verlassen wollten. «Wir waren die ganze Nacht auf, um unsere Tickets zu ändern», sagte der Finne Veli-Matti Enqvist. «Wir mussten die Fluggesellschaft wechseln, aber wir haben endlich etwas gefunden.»

(dapd)

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