Aktualisiert 10.08.2017 08:03

Skandal in GrossbritannienBande lieferte jahrelang Mädchen für Sexpartys

Eine britische Gang, die junge Frauen auf Sexpartys angeboten hat, ist verurteilt. Doch die Polizei wird für ihre Methoden kritisiert.

von
fal
Erklärungen: Poizeichef Steve Ashman verteidigt das Vorgehen der Behörden. (9. August 2017)

Erklärungen: Poizeichef Steve Ashman verteidigt das Vorgehen der Behörden. (9. August 2017)

Owen Humphries (AP

Eine Gangsterbande machte jahrelang Mädchen und junge Frauen mit Drogen gefügig und bot sie auf Sexpartys in Grossbritannien an. Die 17 Männer und eine Frau wurden in fast 100 Anklagepunkten – darunter Vergewaltigung und Menschenhandel – schuldig gesprochen.

Die Polizei geht von fast 300 Opfern aus. 20 von ihnen halfen als Zeuginnen. Sie waren damals etwa 14 bis 25 Jahre alt. Die Taten ereigneten sich bereits zwischen 2011 und 2014 in Newcastle upon Tyne im Nordosten Englands.

Informant eingeschleust

Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft waren alle Opfer so ausgesucht worden, dass sie als «gefährdet» galten und sich aufgrund ihrer Lebensumstände kaum wehren konnten. Details hierzu wurden aber nicht bekannt. Die Mädchen erhielten Alkohol, Cannabis und andere Drogen und wurden danach von älteren Männern missbraucht. Ein Opfer, die bei 60 Partys dabei war, erklärte gegenüber der BBC: «Wir waren ängstlich und eingeschüchtert – wie Sklaven. Sie haben uns gesagt, dass wir gewisse Dinge tun müssten, sonst würden wir geschlagen.»

Um das perfide Netzwerk zu zerschlagen, hatte die Polizei einen einschlägig vorbestraften Vergewaltiger als Informanten eingeschleust. Er hatte dafür 10'000 britische Pfund (cirka 12'550 Franken) erhalten. Es gab mehrere Prozesse gegen die Verbrecher, der letzte endete am Mittwoch.

Zur Gruppe gehören den Angaben zufolge auch Freunde und Verwandte der Opfer. Nach Angaben des britischen Nachrichtensenders Sky News haben sämtliche Bandenmitglieder ausländische Wurzeln etwa in Indien und Pakistan. Fast alle seien aber in Grossbritannien geboren.

Kritik gegen die Polizeimethode

Dass ein vorbestrafter Vergewaltiger als Informant eingeschleust worden war, sorgte für heftige Reaktionen, besonders bei den Anwälten der Opfer. Diese reagierten vor Gericht empört über die Arte und Weise der Ermittlung der Behörden.

Der zuständige Polizeichef Steve Ashman verteidigte allerdings diesen Schritt. Der Informant habe geholfen, schwere Straftaten zu verhindern und aufzudecken, erklärte er. (fal/sda)

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