Thailand: Bangkok «an der Schwelle zur Anarchie»
Aktualisiert

ThailandBangkok «an der Schwelle zur Anarchie»

Bürgerkriegsähnliche Zustände in Bangkok: Regierungsfeindliche Rothemden belagern weiterhin das Geschäftsviertel Bankoks. Die Armee ist zum Eingreifen bereit.

Tausende Demonstranten aus ländlichen Regionen Thailands, Rothemden genannt, belagern seit sechs Wochen Teile der Bangkoker Innenstadt. Hotels und Geschäfte in dem etwa drei Quadratkilometer grossen Gebiet beklagen wegen der andauernden Proteste Einnahmeverluste in zweistelliger Millionenhöhe. Unter Bewohnern wächst der Widerstand gegen die Rothemden, die den Rücktritt von Ministerpräsident Abhisit Vejjajiva fordern. Für den Freitag planten Gegner der Rothemden eine Grosskundgebung.

Hunderte zusätzliche Soldaten und Polizisten waren in der Nacht an einer Kreuzung unweit der Hochbahnstation aufgezogen, wo am Abend zuvor mehrere Granaten eingeschlagen waren.

Die Sicherheitskräfte blockierten tausende Rothemden, die dort Stellung bezogen hatten. Mehrere dichte Reihen von Polizisten mit Helmen und Schutzschilden zogen bis auf wenige Meter an die Barrikaden der Rothemden heran und verlangten den Abbau.

Die Einsatzleiter verhandelten mit Anführern der Rothemden, die sich jedoch weigerten, die Barrikaden aus Autoreifen und spitzen Bambusstangen abzubauen.

Die Demonstranten verlangen den Rücktritt der Regierung als Voraussetzung für ihren Abzug. Die Polizei zog sich daraufhin zunächst zurück. «Wir stehen an der Schwelle der Anarchie und einem möglichen Regimewechsel», schrieb Thanong Khanthong, ein leitender Redakteur der Zeitung «Nation».

«Nur» ein Toter?

Bei Granatenanschlägen im Zentrum der thailändischen Hauptstadt Bangkok ist nach jüngsten offiziellen Angaben mindestens ein Mensch getötet worden. 86 weitere Menschen wurden nach Angaben des Krisenzentrums der Regierung verletzt. Die Geschosse trafen am Donnerstag einen Nahverkehrsbahnhof und eine Kreuzung in der Nähe eines Lagers Tausender Oppositionsanhänger.

Vizeministerpräsident Suthep Thaugsuban hatte zuvor von drei Toten gesprochen. Wer die Granaten abgefeuert hat, war zunächst nicht bekannt. Die Regierung deutete an, die oppositionellen Rothemden könnten verantwortlich sein. Diese wiesen eine Beteiligung an dem Anschlag zurück. Eine Militärsprecher berichtete von mindestens fünf Granaten. Sie seien mit einem Granatwerfer abgefeuert worden.

Die ersten drei Grananten trafen einen überirdischen Nahverkehrsbahnhof im Geschäftsviertel. Fahrgäste wurden von dort stationierten Soldaten in Sicherheit gebracht. Nahe gelegene Stationen wurden geschlossen. Zwei weitere Granaten explodierten auf einer Kreuzung, auf der sich sowohl Demonstranten als auch unbeteiligte Zuschauer befanden.

Appell der UNO

In New York rief die UNO die Konfliktparteien zu einem Gewaltverzicht auf. «Wir appellieren an die Demonstranten wie an die thailändischen Behörden, Gewalt und Todesopfer zu vermeiden und friedlich daran zu arbeiten, die Lage im Dialog zu lösen», sagte UNO- Sprecher Martin Nesirky am Donnerstag.

Beide Seiten müssten ihren Willen zur Mässigung zeigen. UNO- Generalsekretär Ban Ki Moon sei «sehr besorgt» angesichts der Entwicklungen in Thailand und befürchte eine Verschlimmerung der Lage.

Seit Wochen protestieren die oppositionellen Rothemden in Thailands Hauptstadt Bangkok gegen die Regierung. Sie verlangen den Rücktritt von Ministerpräsident Abhisit Vejjajiva, dem sie vorwerfen, eine Marionette der Führungsschicht des Landes zu sein.

Bei einem Versuch der Sicherheitskräfte, die Rothemden auseinanderzutreiben, waren Anfang April 25 Menschen ums Leben gekommen, darunter 19 Regierungsgegner und ein ausländischer Journalist.

(sda/dapd)

EDA rät von Reisen ab

Nach der neuerlichen Eskalation in Bangkok das EDA seine Reisehinweise verschärft. Seit Donnerstag wird Touristen von Reisen in die thailändische Hauptstadt abgeraten.

«Verkehrsbehinderungen, Demonstrationen, Ausschreitungen und Sabotageakte sind in der Hauptstadt, aber auch in anderen Landesteilen möglich (namentlich im Norden)», schreibt das EDA auf seiner Webseite. Transitflüge über den internationalen Flughafen von Bangkok seien jedoch weiterhin möglich.

Choas am Flughafen in Bangkok

Ein Leser-Reporter in Bangkok schreibt 20 Minuten Online: «Die Lufthansa lässt ihre Passagiere in Bangkok sitzen (Leser-Reporter-Bild). Die Airline hat Wartelisten am Flughafen. Es sitzen noch 800 Passagiere fest und pro Tag können max. 40 Personen von der Warteliste mit den regulär gebuchten Passagiere fliegen. Da unser Flug am 19.4 (lh783) gestrichen wurde, werden wir mit diesem System noch Wochen hier bleiben müssen. Es gibt keine Extramaschinen. Die Informationen, welche die Lufthansa abgibt, sind mehr als dürftig. Es herscht Chaos. Eine alternative Flugroute via Tokyo muss aus eigener Tasche bezahlt werden, was wir uns nicht leisten können.»

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