Thailand: Bangkok wird zur Kriegszone
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ThailandBangkok wird zur Kriegszone

Das Zentrum der thailändischen Hauptstadt Bangkok gleicht immer mehr einer Kriegszone. Sicherheitskräfte und Regierungsgegner liefern sich schwere Strassenschlachten.

Die Thailändische Armee sagt, sie habe den Oppositionsführer nicht erschossen. (Video: YouTube/cnn.com)

Innert 24 Stunden wurden mindestens acht Personen getötet, Dutzende weitere verletzt.

Die seit zwei Monaten dauernde Konfrontation zwischen Sicherheitskräften und Regierungsgegnern ist Donnerstagabend eskaliert, als die Armee ihre jüngste Offensive gegen die Demonstranten begann.

Auf einen der Anführer des Protests scheint regelrecht ein Attentat verübt worden zu sein: Dem übergelaufenen Generalmajor Khattiya Sawasdipol genannt Seh Daeng wurde mitten im Interview mit ausländischen Journalisten in den Kopf geschossen. Er lag am Freitag auf der Intensivstation. Ein Sprecher der Demonstranten machte Scharfschützen der Armee verantwortlich.

Soldaten der thailändischen Armee feuerten am Freitag auf Anhänger der oppositionellen Rothemden. Nach einer Bilanz von Spitälern in der Hauptstadt wurden dabei am Freitag fünf Menschen getötet, wie die Nachrichtenagentur AFP berichtete.

Bereits am Donnerstag waren ein Demonstrant erschossen und mindestens elf weitere verletzt worden. Bei den folgenschwersten Auseinandersetzungen in Thailand seit 18 Jahren sind somit bisher über 30 Menschen getötet und mehr als 1400 verletzt worden.

Strom abgestellt

Die Regierung liess das von den Demonstranten seit Wochen besetzte Geschäfts- und Einkaufsviertel vollständig abriegeln und stellte den Strom ab. Die Soldaten marschierten in Richtung der Rothemden, setzten Tränengas ein und feuerten Gewehrsalven ab.

Wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtete, schossen die Soldaten auch direkt in die Menge. Oppositionsanhänger verschanzten sich hinter Barrikaden, zündeten einen unbesetzten Polizeibus an und zerstörten Armeefahrzeuge und Wasserwerfer.

Anhänger Thaksins

Die Demonstranten gehören mehrheitlich der verarmten Landbevölkerung an und sind Anhänger des 2006 gestürzten Regierungschefs Thaksin Shinawatra.

Sie werfen Ministerpräsident Abhisit Vejjajiva vor, allein im Dienste der Eliten zu stehen, und fordern seinen Rücktritt und Neuwahlen. Der im Exil in Dubai lebende Thaksin hatte noch am Freitag zu einer friedlichen Lösung aufgerufen.

Polizei gegen Soldaten

Ein Armeesprecher erklärte, den Protestierenden, darunter viele Frauen und Kinder, werde die Möglichkeit gegeben, das besetzte Viertel sicher zu verlassen. Zuvor hatten sich die Demonstranten jedoch unnachgiebig gezeigt. Einer ihrer Anführer erklärte, sie würden bis zu ihrem Tod weiterkämpfen.

Politische Beobachter erklärten, eine Kluft zwischen einer Polizei-Einheit, die mit den Demonstranten sympathisiere, und dem Militär mache es schwer, die Lage wieder in den Griff zu bekommen. Unterstrichen wurde diese Einschätzung von einem Zwischenfall, in dem ein Polizist Augenzeugen zufolge Schüsse auf Soldaten abfeuerte.

Die wirtschaftlichen Folgen der anhaltenden Proteste in Südostasiens zweitgrösster Volkswirtschaft sind noch nicht abzuschätzen. Investoren sind aber bereits abgeschreckt worden. Ministerpräsident Abhisit Vejjajiva steht unter enormem Druck, die Krise zu beenden.

Um die Proteste zu beenden, hatte Abhisit vorgeschlagen, das Parlament in der zweiten Septemberhälfte aufzulösen und die Wahl um etwa ein Jahr auf den 14. November vorziehen. Er zog sein Angebot aber wieder zurück, nachdem die Opposition weitere Forderungen stellte. (dapd)

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