Bern - Bank am Bahnhof weg – Linke kochen, SVP jubelt, Randständige konsterniert
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BernBank am Bahnhof weg – Linke kochen, SVP jubelt, Randständige konsterniert

Die bei Randständigen beliebte Rundbank am Bahnhof Bern wurde zeitweise abgebaut. Das wird nicht von allen goutiert.

von
Lucas Orellano
Christian Holzer
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Zumindest zeitweise wurde die Rundbank am Berner Bahnhof abgebaut.

Zumindest zeitweise wurde die Rundbank am Berner Bahnhof abgebaut.

Raphael Moser / Tamedia
Die Bank war ein beliebter Treffpunkt für Randständige gewesen.

Die Bank war ein beliebter Treffpunkt für Randständige gewesen.

Adrian Moser / Tamedia
Weil es in letzter Zeit zu «tumultartigen Szenen» gekommen sei, liess die Stadt die Bank vorübergehend abbauen.

Weil es in letzter Zeit zu «tumultartigen Szenen» gekommen sei, liess die Stadt die Bank vorübergehend abbauen.

20min / Christian Holzer

Darum gehts

  • Seit 2018 stand unter dem Baldachin am Bahnhof Bern eine Rundbank.

  • Weil es in letzter Zeit zu «tumultartigen Szenen» gekommen sei, liess die Stadt die Bank vorübergehend abbauen.

  • Linke Parteien schiessen scharf gegen die Stadt, die SVP will die Bank dagegen gar nicht mehr aufstellen.

  • Ein Betroffener sagt zu 20 Minuten, die Randständigen hätten kaum noch Ausweichmöglichkeiten.

Die Stadt Bern hat die Rundbank unter dem Baldachin am Bahnhof entfernen lassen, die 2018 aufgestellt wurde und zu einem beliebten Treffpunkt für Randständige geworden war. Als Grund gab das zuständige Amt für Sicherheit, Umwelt und Energie (SUE) gegenüber der «Berner Zeitung» an, dass sich viele Passantinnen und Passanten über «massive Störungen durch randständige Personen» gestört hatten.

«Tumultartige Szenen» und Handgreiflichkeiten

«Im Mai gab es bei der Rundbank unter dem Baldachin mehrere heftige, tumultartige Szenen», sagt SUE-Generalsekretär Martin Albrecht zur «BZ». Die Stimmung sei teilweise aggressiv gewesen, es sei zu Handgreiflichkeiten innerhalb der Gruppe gekommen. Zusammen mit der Kantonspolizei, der mobilen Interventionsgruppe Pinto und dem Tiefbauamt entschied die SUE deshalb, die Rundbank zu entfernen. Zumindest temporär.

Eine Massnahme, die nicht überall auf Gegenliebe stösst. Auf Twitter kritisiert etwa Basil Weingartner die «rot-grüne Mehrheit» in der Stadt Bern und findet die Massnahme «zum Vomieren», also zum Kotzen.

Auch die Juso spart nicht mit Kritik. «Eine Verdrängung von marginalisierten Menschen, die nicht in ein bürgerliches Bild passen, ist inakzeptabel», schreibt die Jungpartei auf Twitter. «Überdachte konsumfreie Räume dürfen nicht aus dem Stadtbild verschwinden.»

Grüne hoffen auf Rückkehr

«Ich finde das falsch. Das ist einfach eine weitere Vertreibung der Randständigen», sagt auch Regula Bühlmann, Co-Präsidentin der Stadtrats-Fraktion vom Grünen Bündnis Bern und Junger Alternative (JA!), zu 20 Minuten. «Es ist ein ganz falsches Zeichen: Man will die Randständigen nicht, dabei gehören sie ebenso zur Stadt wie alle anderen Menschen. Klar kann es gelegentlich laut werden, aber an einer EM wird es ja auch laut.»

Davon, dass die Massnahme temporär sein soll, hält Bühlmann nichts. «Ich sehe nicht ein, was das bringen soll», sagt sie. «Ich hoffe schwer, dass die Bank bald wieder aufgestellt wird.»

SVP ist zufrieden

Lobende Worte gibt es hingegen von der SVP. «Wir finden das sehr gut», sagt Thomas Fuchs, Parteipräsident der Berner Sektion und Stadtrat, zu 20 Minuten. «Die Rundbank war störend und es war höchste Zeit, dass man sie entfernt hat. Eigentlich hätte man sie gar nicht erst aufstellen sollen.» Die Randständigen seien zwar nicht gefährlich gewesen, hätten die Passantinnen und Passanten aber sehr gestört. «Die Bank sollte für Leute sein, die am Bahnhof kurz absitzen und verschnaufen wollen», so Fuchs weiter. «Am besten, man stellt sie gar nicht mehr auf, es gibt genug andere Orte für Randständige in der Stadt Bern.»

«Wo sollen die Menschen jetzt hin?»

Und die direkt Betroffenen? S., der selber gelegentlich auf der Rundbank sass, ist konsterniert: «Das Pflaster war vielleicht etwas rau, aber den Passantinnen und Passanten hat niemand etwas getan und es hat sie auch niemand gestört», sagt er zu 20 Minuten. «Dieses Bänkli hat vielen Menschen einen Ort geboten. Wo sollen die jetzt hin? Jetzt im Sommer ist jeder Park ja mit zwei Pop-ups belegt.» S. geht davon aus, dass sich die Situation vor der Heiliggeistkirche und dem Bahnhofseingang nun einfach noch verschärfen wird.

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