Disruption: Bank macht sich mit Crowdlending überflüssig
Aktualisiert

DisruptionBank macht sich mit Crowdlending überflüssig

Als erste Schweizer Bank lanciert die Basellandschaftliche Kantonalbank eine Plattform für Crowdlending. Private können Firmen so Kredite geben.

von
Isabel Strassheim
Bargeldlose Zahlungsapps wie Paymit gibt es schon: Nun kommt Crowdlending für die Kreditvergabe ohne Banken.

Bargeldlose Zahlungsapps wie Paymit gibt es schon: Nun kommt Crowdlending für die Kreditvergabe ohne Banken.

Mit Crowdfounding kann jeder für ein bestimmtes Projekt Geld spenden. Beim Crowdlending dagegen geht es um Kredite zu einem bestimmten Zinssatz, die nicht nur von einer Bank kommen, sondern über eine Plattform ausgeschrieben und vermittelt werden. Die Basellandschaftliche Kantonalbank will damit am 23. Juli starten, wie CEO Beat Oberlin zu finews.ch sagt.

Das Angebot sei nicht für Startups, sondern für Schweizer Firmen, die schon mindestens drei Jahre exisitieren. Wenn eine Firma Geld für ein Projekt benötige, könne sie nicht nur Bankkredite anfragen, sondern dies auch auf der Crowdlending-Plattform bei privaten Geldgebern platzieren. Die Höhe des Betrages – das Minimum liegt bei 20'000 Franken, das Maximum bei 100'000 Franken – sowie den Zinssatz wähle die Firma selber. Die Geldgeber mit dem tiefsten offerierten Zinsen werden dann nach einem Monat ausgewählt. Die Zahl der Kreditgeber ist auf 20 beschränkt.

Die Bank wird zur Kreditvermittlerin

«Die BLKB nimmt dabei keinerlei Kreditrisiken auf, sondern beschränkt sich einzig auf die Vermittlung», sagt BLKB-Chef Oberlin zu finews.ch. Die Bank schaue jedoch, dass das Projekt mit den definierten Richtlinien kompatibel ist und übernehme Abwicklung und Administration. Bei erfolgreicher Vermittlung verlangt die BLKB drei Prozent des Kreditbetrages.

Das Crowdlending der BLKB soll die bereits bestehende Crowdfundig-Plattform ergänzen, die laut Oberlin auf eine über den Erwartungen liegende Nachfrage gestossen ist.

Digitale Disruption

Das Internet gräbt dem klassischen Geschäftsmodell der Banken generell das Wasser ab. Digitale Überweisungen von Mensch zu Mensch beginnen, den traditionellen Geldtransfer über Finanzhäuser überflüssig zu machen. Auch für Kredite werden übers Crowdlending neue Wege gefunden.

Der Ökonom und Manager des deutschen Axel Springer Verlages, Christoph Keese, erwartet eine Zukunft mit Schrumpf-Banken, wie er in einem Interview des «Tages-Anzeigers» sagte: «Sobald das Silicon Valley den Zahlungsverkehr kontrolliert, wird es seine Kunden fragen: Brauchst du eine Hypothek, Geld für ein neues Auto, einen Überbrückungskredit für deine Firma? Ja? Unterschreibe mit deinem Fingerabdruck, und schon läuft eine Onlineauktion, die das beste Angebot findet.» Den traditionellen Banken bliebe nur, sich durch das Internet selbst zu kannibalisieren, sonst würden sie von neuen Modellen kannibalisisert.

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