Finanzmarktstabilität: Banken ins Gewissen geredet
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FinanzmarktstabilitätBanken ins Gewissen geredet

Die Banken müssen krisenresistenter werden. Die Schweizerische Nationalbank fordert grössere Liquiditäts- und Kapital-Puffer - denn laut SNB ist die globale Finanzkrise noch nicht ausgestanden.

Grundsätzlich müssten die Kapitalpolster dicker werden, heisst es in dem am Donnerstag veröffentlichten Bericht der SNB zur Finanzmarktstabilität. Die risikogewichtete Kapitalausstattung der Grossbanken sei zu verbessern. Darüber hinaus verlangt die SNB mehr Transparenz.

Nur wenn ausreichend Informationen über die Risiken einer Bank verfügbar seien, könnten die Finanzmärkte richtig funktionieren. Den Banken wird geraten, bei ihrer Finanzberichterstattung den Risiken mehr Gewicht beizumessen. Nötig seien Indikatoren, die breiter Auskunft über Risikoprofile und Kapitalausstattung geben.

Die SNB ihrerseits will - mit der Eidg. Bankenkommission (EBK) zusammen - die Überwachung der Institute verstärken. Die Notenbank wie die Aufsichtsbehörden benötigten detaillierte Angaben zu den Risiken, zum Beispiel über Märkte oder Länder, in denen die Banken besonders stark engagiert sind.

Warnung vor Regulierungen

In gewissen Bereichen bedürfe es auch neuer Regulierungen, räumt die SNB ein. Sie rät aber zu einem behutsamen Vorgehen, denn mit einem Ausbau der Regulierung nähmen auch die Kosten für die Banken wie für die Aufsichtsbehörden zu.

Das Problem mit der Regulierung sei, dass die Behörden fast immer einen Schritt hinter der Entwicklung zurücklägen. So umfassend und ausgeklügelt die Vorschriften auch seien, sie könnten nie alles abdecken. Selbst die komplexesten Risiko-Modelle seien nicht unfehlbar.

Krise noch nicht ausgestanden

Nach Ansicht der SNB ist die globale Finanzkrise noch nicht ausgestanden. Das zeigt ein von der SNB und der EBK ermittelter Stress-Index. Dieser liegt derzeit nahe bei seinem Rekordstand von Anfang der 90er-Jahre, als die Immobilienkrise mit der Spar- und Leihkasse Thun ein Opfer bei den Regionalbanken forderte.

Noch im zweiten Quartal 2007 lag der Stress-Index auf seinem Allzeit-Tief. Einen derart heftigen Sprung nach oben innert nur sechs Monaten hat der Index seit seiner Lancierung 1987 noch nie gemacht.

Noch zu viel Fremdkapital

Von der Finanzkrise betroffen seien fast ausschliesslich die Grossbanken, hält die SNB fest. Die meisten übrigen Banken, vor allem jene, die sich auf den Heimmarkt konzentrierten, stünden nach wie vor gut da. Ihre Kapitalbasis sei weiter gestärkt worden.

Demgegenüber kritisiert die SNB den nach wie vor hohen Fremdkapitalanteil bei den Grossbanken. Gerade dies fördere die Verwundbarkeit der Institute. In den vergangenen Jahren hätten die UBS und die Credit Suisse ihr Geschäft stetig ausgeweitet, ohne gleichzeitig die Eigenkapitalbasis zu stärken. (sda)

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