Schuldenchaos in Europa: Banken kritisieren höhere Kapitalquote

Aktualisiert

Schuldenchaos in EuropaBanken kritisieren höhere Kapitalquote

Die EU will von einer Griechen-Pleite gefährdeten Banken nur sechs Monate Zeit zur Stärkung ihrer Bilanzen geben. Die Institute laufen Sturm gegen die Pläne zur Zwangsrekapitalisierung.

Frankfurt - das Finanzzentrum Deutschlands mit den Zwillingstürmen der Deutschen Bank.

Frankfurt - das Finanzzentrum Deutschlands mit den Zwillingstürmen der Deutschen Bank.

Die EU-Kommission will Banken mit riskanten Staatsanleihen-Portfolios nur maximal sechs Monate Zeit zur Stärkung ihrer Kapitalpuffer geben. Kommissionschef José Manuel Barroso hatte diese Woche eine «erheblich höhere Kapitalquote» für die systemrelevanten Geldhäuser eingefordert. EU-Beamte erläuterten am Donnerstag Barrosos Pläne. Sie bestätigten, dass die Quote von derzeit fünf auf bis zu neun Prozent der risikogewichteten Aktiva angehoben werden solle.

Festlegen müsse die Zahl die Europäische Bankenaufsicht EBA, die gerade die Bücher der kritischen Banken einem Blitztest unterzieht. Schon in den kommenden Tagen solle die EBA von den Banken die Informationen über ihr Staatsanleihen-Engagement erhalten, hiess es. Geprüft werde dann, wie stark die Kapitalpuffer zusammenschmelzen, wenn die Papiere zu aktuellen Marktpreisen verbucht werden. Ob dabei auch ein Schuldenschnitt Griechenlands durchgespielt wird, liessen die EU-Beamte offen.

Anhand der Zahlen soll die EBA gemeinsam mit den nationalen Aufsichtsbehörden die Rekapitalisierungsanforderungen festlegen, hiess es, damit diese auf dem EU-Gipfel in zehn Tagen von den Staats- und Regierungschefs vereinbart werden. Geht es nach der Kommission, dann erhalten die Banken nur zwischen drei und sechs Monate Zeit, um sich am Markt mit frischem Geld zu versorgen oder von ihren Regierungen helfen zu lassen. Bis die höhere Quote erreicht ist, sollen die Institute keine Dividenden ausschütten und ihren Managern keine Boni überweisen.

Banken laufen Sturm

Die Banken laufen erwartungsgemäss Sturm gegen die Zwangsrekapitalisierungspläne Barrosos. So kritisiert der Bundesverband deutscher Banken (BDB), dass das Verbot einer Dividendenausschüttung die Möglichkeit der Kapitalaufnahmen am Markt zusätzlich erschweren würde. Zudem wird eingewendet, die verordnete Aufstockung könne der Wirtschaft schaden, weil die Banken dann weniger Mittel zur Kreditvergabe hätten.

In der Kommission werden die Einwände zurückgewiesen. Wegen der gegenwärtigen Vertrauenskrise würden sich die Banken derzeit untereinander kein Geld leihen, sagte eine EU-Beamtin. Der Zeitpunkt sei gekommen, einen befristeten Sicherheitspuffer zu erzwingen. Der werde die Vertrauenskrise überwinden und dafür sorgen, dass sich die Banken auch untereinander wieder Geld liehen.

(dapd)

Ackermann übt Kritk

«Die aktuelle Rekapitalisierungsdebatte ist kontraproduktiv», kritisierte Joe Ackermann die Bemühungen der Politik. Laut dem Schweizer Top-Banker in Diensten der Deutschen Bank signalisiert die Diskussion um eine Rekapitalisierung den Märkten, dass ein Schuldenschnitt in Griechenland wahrscheinlicher werde. Das laufe auf weitere Staatshilfen heraus und verschärfe die Schuldensituation weiter. «Die Deutsche Bank wird alles tun, um eine Zwangskapitalisierung zu vermeiden», sagte Ackermann und betonte, dass die grösste Deutsche über ausreichend eigene Mittel verfüge, um eine neue Krise zu meistern.

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