Soros warnt: Banken sind «quasi bankrott»
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Soros warntBanken sind «quasi bankrott»

In jüngster Zeit häufen sich die guten Nachrichten über den Zustand der US-Wirtschaft. Das Licht am Ende des Tunnels scheint endlich näher zu kommen. Doch Hedge-Fonds-Legende George Soros traut der Erholung nicht.

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zac/scc

Das amerikanische Bankensystem sei «quasi bankrott», sagte Hedge-Fonds-Milliardär George Soros an einer Tagung in Istanbul. Er warnte: «Die Erholung wird sich langsam vollziehen.» Die US-Wirtschaft hätte noch einen langen Weg vor sich. Nebst dem angeschlagenen Finanzsystem stünden auch die hoch verschuldeten Verbraucher einer V-förmigen Wirtschaftsentwicklung – steiler Abschwung, gefolgt von einem steilen Aufschwung - im Weg, sagte er laut «Financial Times Deutschland» weiter.

Da die Krise in Europa nicht so stark eingeschlagen hat, wird laut Soros die Europäische Zentralbank ihren Leitzins vor der US-Notenbank Fed erhöhen. Die Fed wird also die US-Wirtschaft länger mit billigem Geld versorgen. Ein Ausstieg aus den Nothilfen käme für die USA noch zu früh. Zudem sei der Wille zur nötigen Reform des Finanzmarktes zu wenig vorhanden: «Der Crash aus dem Jahr 2008 ist in den Köpfen vieler Menschen zu einem schlechten Traum geworden. Sie vergessen ihn einfach und gehen zum Alltag über.»

Billionen-Abschreiber

Seit Ende 2007 befinden sich die Vereinigten Staaten in einer Rezession. Stattliche 1100 Milliarden Dollar schrieben die Finanzinstitute seither ab. Analog dazu sparen die Verbraucher so stark, wie seit 24 Jahren nicht mehr. Gründe hierfür sind die gefallenen Häuserpreise, die weiterhin steigende Arbeitslosigkeit und hohe Vermögensverluste.

In letzter Zeit häuften sich dennoch die positiven Nachrichten. Die Stimmungsindikatoren ziehen an und der Häusermarkt stabilisiert sich langsam. Nach einem Rückgang des Bruttoinlandproduktes (BIP) um 0,7 im zweiten Quartal, wird für das dritte Quartal ein leichtes Plus erwartet. Trotz positiver Anzeichen bleibt die Situation aber weiterhin angespannt. In den USA werden immer noch Stellen abgebaut: Alleine im September wurden rund 263 000 Jobs gestrichen. Die Arbeitslosenquote stieg von 9,7 auf 9,8 Prozent und erreichte den höchsten Stand seit 1983. George Soros hat also allen Grund, den Mahnfinger zu erheben.

George Soros

Der US-amerikanische Investmentbanker und Autor mit ungarischen Wurzeln stieg als Gründer des «Quantum-Fonds» 1969 in kurzer Zeit zu einem der erfolgreichsten Fonds-Manager der Finanzwelt auf. Als Förderer und Vorsitzender des «Open Society Institute» und der «Soros Foundation» verdiente er gesellschaftliche Anerkennung. Mit sechs Milliarden Dollar bezifferte das Time-Magazine die Gesamtsumme seiner Spenden. Sein eigenes Vermögen wurde vom Forbes Magazine auf neun Milliarden Dollar geschätzt. Kritiker seiner Finanzaktionen machen dem Manager den Verfall mehrerer Währungen und Schädigung ganzer Volkswirtschaften zum Vorwurf.

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