Aktualisiert 09.08.2015 21:17

Steueroptimierung

Banken verdienen in Singapur verdächtig viel

Eine neue EU-Studie verdächtigt Banken, ihre Gewinne in Steueroasen wie Singapur, Irland oder Malta abfliessen zu lassen.

von
cls
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In einer britischen Studie der Tax Research UK fanden Ökonomen heraus, dass nach Luxemburg auch Singapur eine beliebte Destination ist, wo Banken ihre Gewinne bewusst anfallen lassen.

In einer britischen Studie der Tax Research UK fanden Ökonomen heraus, dass nach Luxemburg auch Singapur eine beliebte Destination ist, wo Banken ihre Gewinne bewusst anfallen lassen.

Stephen Morrison
Die fragwürdigen Steuerpraktiken Luxemburgs haben das Thema Steueroptimierung in Europa wieder auf die politische Agenda des Europaparlamentes gebracht.

Die fragwürdigen Steuerpraktiken Luxemburgs haben das Thema Steueroptimierung in Europa wieder auf die politische Agenda des Europaparlamentes gebracht.

Paul Ames
Auch Malta sei eine Steueroase. Dort weist die Deutsche Bank den höchsten Gewinn pro Mitarbeiter aus.

Auch Malta sei eine Steueroase. Dort weist die Deutsche Bank den höchsten Gewinn pro Mitarbeiter aus.

Lino Arrigo Azzopardi

Steueroptimierung in Europa bleibt ein politisches Thema. Die Grünen im Europaparlament haben eine Studie veröffentlicht, die den Verdacht nährt, dass auch einige europäische Banken hohe Gewinne bewusst in Steueroasen wie Luxemburg oder Irland anfallen lassen.

Die Studie von Tax Research UK hat untersucht, wie hoch die Gewinne von 26 Banken der Europäischen Union in den einzelnen Ländern ausfallen müssten, wenn man sie gemäss den realen Aktivitäten, die dort stattfinden, verteilen würde. Damit gemeint ist eine Gewinnzuweisung, die sich an Umsatz, Mitarbeiterzahl oder Vermögenswerten orientiert. Dieses «Unitary Taxation» genannte Verfahren wird seit Jahrzehnten in den USA angewandt und in der Europäischen Union diskutiert.

Steueroasen als Werkzeug für Steuerdumping

Auf der Basis dieses Massstabes waren die Gewinne in Ländern wie Belgien, Luxemburg, Irland oder Singapur überproportional hoch. In Luxemburg hätten die untersuchten Banken laut der Welt nach eigentlich nur 485 Millionen Euro Gewinn machen dürfen – tatsächlich waren es aber 2,7 Milliarden Euro.

In den Ländern, wo sie ihr operatives Geschäft betreiben, haben die Banken dagegen ihre Gewinne eher niedrig ausgewiesen. Die Studie folgert daraus, dass Daten aus der länderbezogenen Berichterstattung ein hilfreiches Werkzeug sind, um Steuerdumping zu identifizieren.

Deutsche Bank auf der Liste

Die Deutsche Bank zählt in der Auswertung zu den Instituten mit den auffälligsten Abweichungen. Laut Studie könnten etwa 18 Prozent des Umsatzes verschoben worden sein. Die Risikoeinschätzung der Studie kommt zum Schluss, dass die Deutsche Bank 17,9% ihrer insgesamt offengelegten Gewinne verschoben haben könnte. Den höchsten Gewinn pro Mitarbeiter hat die Deutsche Bank in Malta. Im Gesamtranking landete das Institut auf Rang zwei nach der Royal Bank of Scotland.

Laut dem Grünen-Sprecher Sven Riegold «drängen die Grünen die Banken dazu, die Ergebnisse der Studie zu erklären».

Beweisen kann die Studie die Gewinnverschiebungen allerdings nicht.

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