Banken wie die Lemminge
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Banken wie die Lemminge

Der Ökonomieprofessor Hans Geiger macht im Bankgeschäft einen so genannten Lemming-Effekt aus. Diese Entwicklung führt er auf falsche Anreizsysteme mit Boni für die Angestellten zurück.

Geiger war vor zehn Jahren der erste Professor am Institut für Schweizerisches Bankenwesen der Universität Zürich, dessen Lehrstuhl von der Privatwirtschaft finanziert wurde. Es habe unglaubliche Veränderungen im Bankgeschäft gegeben, sagte er rückblickend in dem am Freitag veröffentlichen Interview des «Unimagazins» der Universität Zürich.

Das Bankgeschäft sei stark zyklisch, sagte Geiger: «Es gibt einen Lemming-Effekt, das heisst, alle rennen in die gleiche Richtung.» Der Herdentrieb sei bei den Banken besonders ausgeprägt. Das verstärke die Hochs genauso wie die Abstürze. «Dabei wäre die Lehre eigentlich klar: Die Banken müssten sich antizyklisch verhalten.»

Falsche Anreize

Die UBS habe 2002/2003, als die anderen Banken ihre Aktivitäten im Investment-Banking zurückfuhren, diesen Bereich ausgebaut und sich so eine sehr starke Position aufgebaut, sagte Geiger. «Dafür hat es sie jetzt umso brutaler erwischt.» Dass es diesen Lemming-Effekt gibt, führt Geiger auf falsche Anreizsysteme für die Angestellten in den Banken zurück.

«Die Boni sollten nicht abhängig sein vom Umsatz, weil dadurch der Anreiz geschaffen wird, den kurzfristigen Profit anzustreben», sagte er. Das sei aber nicht im Interesse der Kunden und langfristig auch nicht im Interesse der Bank und der Aktionäre. Deshalb seien die Boni, wie sie heute ausgestaltet seien, problematisch. Im Idealfall verhalte sich der Mitarbeiter so, dass er sowohl in seinem eigenen Interesse wie auch in jenem der Kunden und der Aktionäre handle.

Langfristiges Denken belohnen

Heute wisse man, dass die Kurzfristigkeit der Anreize ein Problem sei, sagte Geiger: «Es gibt Modelle, die darauf basieren, grundsätzlich einen Bonus zu versprechen, diesen aber erst ein paar Jahre später auszubezahlen, unter der Bedingung, dass sich die Geschäfte in diesem Zeitraum positiv entwickelt haben.»

Damit könnte laut Geiger verhindert werden, dass Geschäfte gemacht werden, die zwar kurzfristig profitabel, aber langfristig schlecht sind. Solche Bonussysteme würden im Moment bei einigen Banken eingeführt, sagte Geiger, der 1970 bei der Schweizerischen Kreditanstalt - der heutigen Credit Suisse - eingetreten war, wo er später Generaldirektor wurde. (dapd)

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