Aktualisiert 03.12.2008 12:08

Finanzkrise

Banker an die Wandtafel!

Dem britischen Königreich fehlen die Mathe- und Physiklehrer. Jetzt wollen die Schulbehörden verzweifelte Banker aus der Londoner City als Lehrer verpflichten. Die Schweiz hat ähnliche Probleme.

von
Dajan Roman

Die staatliche Schulrekrutierungsbehörde TDA muss allein in London pro Jahr 40 000 neue Lehrer finden. Dabei konnten bisher vor allem die Stellen für Physik- und Mathematiklehrer nicht besetzt werden. «Wir verzweifeln seit Jahren daran, Leute einzustellen, weil die City fast alle Absolventen in diesen Bereichen mit hohen Gehältern abgeworben hat», zitiert «Welt Online» eine TDA-Recruiter.

Mit dem Beginn der Finanzkrise hat sich das Blatt gewendet. Banken und Versicherungen stellen reihenweise Leute auf die Strasse. Manch einer besinnt sich auf seine Wurzeln und will die Chance packen, jungen Menschen etwas beizubringen. An die Informationsveranstaltungen der TDA kommen immer mehr Leute – die Angst, den Job in der vormaligen Glitzerwelt des Kapitalismus zu verlieren, ist zu gross geworden. So ist seit Beginn der Finanzkrise die Zahl der Bewerber für einen Lehrerposten um 34 Prozent gestiegen – obwohl die Banker beim Einstiegsgehalt als Lehrer mit einer Lohneinbusse von weit mehr als 50 Prozent rechnen müssen.

Auch die Schweiz verzeichnet Mangel

Die Schweiz kennt ähnliche Probleme. Laut Franziska Peterhans, Zentralsekretärin des Dachverbands Schweizer Lehrerinnen und Lehrer, fehlen in der Schweiz vor allem auf der Sekundarstufe II (u.a. Gymnasium) Lehrer für die naturwissenschaftlichen Fächer.

«Wir haben grosse Mühe, Lehrer für Mathematik, Physik, aber auch für Wirtschaft und Recht zu finden», erklärt Peterhans. So verdiene beispielsweise ein Physiker bei einer Versicherung bis zu dreimal mehr als ein Lehrer. Das sei vor 20 bis 30 Jahre noch anders gewesen. «Eine Gegenbewegung, wie sie offenbar in London stattfindet, spüren wir bei uns noch nicht», so Peterhans. Ausserdem könne ein Jobwechsel vom Banker zum Lehrer auch nicht ohne weiteres vollzogen werden. «Will der Physiker unterrichten, muss er einen Master in Didaktik machen», sagt die Zentralsekretärin.

(scc/rmd)

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