Banker sollen Geheimnisse im Netz verpfeifen
Aktualisiert

Banker sollen Geheimnisse im Netz verpfeifen

Der Schweizer Ex-Banker Rudolf «Whistleblower» Elmer hat eine Website gegründet, auf der sich Geheim-Informanten austauschen können. Er will damit die Behörden im Kampf gegen Steuerflucht und Betrug unterstützen.

Sein Name ist Elmer, Rudolf Elmer. Ehemaliger Manager bei der Bank Julius Bär, nun Websitebetreiber in geheimer Mission.

Elmer verfügt gemäss einem Bericht von Spiegel Online über grosse Mengen von Kontodaten reicher Kunden. Sie sollen ihr Geld auf den Cayman-Islands, einer Inselgruppe in der Karibik südlich von Kuba, parkiert haben. Die Informationen lassen erahnen, wie aktiv manche Bank Geldflüsse verschleiert - und damit der Steuer entzieht. Elmer ist der festen Überzeugung, dass auch andere Bank-Insider, die über brisante Informationen verfügen, endlich auspacken wollen. Für diese so genannten «Whistleblower» hat er jetzt eine Web-Site ins Leben gerufen, auf der Informanten anonym ihr Gewissen erleichtern und sich untereinander austauschen können.

Finanzwelt soll moralischer werden

«Ich will, dass die Finanzwelt moralischer und ethischer wird», begründet der 53-Jährige denn auch die Idee zu seiner Homepage, die seit gestern aufgeschaltet ist. Ihm gehe es darum, «Regierungen und Institutionen in ihrem Kampf gegen Steuerflucht, Betrug und anderes unmoralisches Geschäftsgebaren zu unterstützen». Die Informationen, die demnächst auf der Seite zusammenlaufen, sollen zudem dazu beitragen, «Unternehmen vor Gericht zu bringen».

Steuerfahndung dank veröffentlichten Insiderinformationen

Vor wenigen Wochen hatte Rudolf Elmer öffentlich vermeintliche Praktiken aufgelistet, «die die Bank Julius Bär anwendete». Nicht nur die Kunden, sondern auch die Bank selbst soll demnach Steueroasen für eigene Zwecke nutzen. Die Berliner Steuerfahndung nahm im vergangenen Jahr Vorermittlungen auf, hessische Fahnder haben ebenfalls zu ermitteln begonnen. Die Bank selbst schweigt zu den Anschuldigungen. Elmer kündigt für Anfang April einen zweiten Brandbrief, einen «Whistleblower letter», an. Möglicherweise dokumentiert er weitere Details aus seinem früheren Bankleben.

Rudolf Elmer hat sich mittlerweile nach Mauritius zurückgezogen. Er fühlt sich von seinem früheren Arbeitgeber verfolgt, zeitweilig befand er sich in psychologischer Betreuung. Seine Website erfüllt deshalb noch einen zweiten Zweck: Andere «Whistleblower» sollen ihre eigenen Erfahrungen erzählen. Elmer will von seinen Usern wissen, was sie durchmachen mussten und auf welche Weise sie eingeschüchtert wurden. Die Eingänge auf der Seite – sollten sie den kommen – dürften also spannend werden.

tif

Deine Meinung