Für Vaters Haus : Bankerin plündert Konto von ZKB-Kundin
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Für Vaters Haus Bankerin plündert Konto von ZKB-Kundin

Um den Hausbau ihres Vaters zu unterstützen, hat eine Beraterin der Zürcher Kantonalbank 171'000 Franken abgezweigt. Sie kommt mit einer bedingten Geldstrafe von 9000 Franken davon.

von
A. Szenogrady
Eine langjährige Mitarbeiterin der Zürcher Kantonalbank stand am Donnerstag vor dem Zürcher Bezirksgericht.

Eine langjährige Mitarbeiterin der Zürcher Kantonalbank stand am Donnerstag vor dem Zürcher Bezirksgericht.

Die heute 29-jährige Beschuldigte galt bei der Zürcher Kantonalbank als zuverlässige Mitarbeiterin. Sie hatte bei der ZKB erfolgreich die Lehre und die Berufsmatur abgeschlossen. Danach arbeitete die Schweizer Staatsangehörige über mehrere Jahre hinweg als seriöse Kundenberaterin. Bis zum November 2013, als sie aus familiären Gründen auf kriminelle Abwege geriet.

Das Tatmotiv lag beim Vater der ZKB-Angestellten. Dieser wollte in Kroatien ein Haus bauen, war aber aufgrund einer versäumten Auszahlung einer Lebensversicherung in finanzielle Engpässe geraten. Die Tochter beschloss nun, ihrem Vater unter die Arme zu greifen, und begann, vom Depot einer betagten ZKB-Kundin höhere Geldbeträge abzuzweigen.

Fristlos entlassen

Bis zum Dezember 2014 plünderte die Täterin das Konto der ahnungslosen Seniorin und überwies insgesamt 171'000 Franken an ihren Vater. Die Beschuldigte ging dabei raffiniert vor, indem sie einerseits die Post mit den ZKB-Informationen für die Seniorin zu sich umleitete und zudem immer wieder gewisse Geldbeträge zurückbezahlte.

Die Beschuldigte flog auf, als ein Neffe der Rentnerin die Unregelmässigkeiten bemerkte und der ZKB meldete. Die Kundenberaterin gab alles zu und wurde fristlos entlassen. Der Schaden für die Bank betrug rund 100'000 Franken. Wohl auf Nimmerwiedersehen. So hatte der Vater die abgezweigten Gelder bereits in seinen Hausbau in Kroatien gesteckt.

Das Geld muss sie der ZKB zurückzahlen

Am Donnerstag musste sich die geständige Ex-ZKB-Angestellte wegen mehrfacher Veruntreuung im Rahmen eines abgekürzten Verfahrens vor dem Bezirksgericht Zürich verantworten.

«Ich schäme mich», erklärte die heute arbeitslose Mutter in ihrem Schlusswort. Dann wurde sie antragsgemäss zu einer bedingten Geldstrafe von 300 Tagessätzen zu 30 Franken verurteilt. Ein mildes Urteil, da sie die 9000 Franken nicht bezahlen muss. «Sie haben das bestmögliche Resultat für ihre Klientin herausgeholt», erklärte der Gerichtsvorsitzende dem Verteidiger zum Schluss.

Wesentlich härter fallen allerdings die Nebenfolgen aus. So wurde sie verpflichtet, der ZKB 96'500 Franken zurückzuzahlen. Bei einem jährlichen Zins von fünf Prozent. Zudem muss sie die Gerichtskosten von über 2000 Franken tragen und damit rechnen, dass sie in der Bankenbranche keine Stelle mehr findet.

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