Aktualisiert 13.08.2009 15:09

UBS-DealBankgeheimnis finito

Der Vergleich im UBS-Steuerstreit mit den USA ist heute ein Topthema in den italienischen Medien. Sie sehen den Anfang vom Ende des Bankgeheimnisses.

Zeitungen und TV-Sender sahen eine Wende beim Schweizer Bankgeheimnis. Die Meldung aus den USA fiel mit der Nachricht zusammen, dass der Fiskus über ein in der Schweiz verstecktes Milliardenerbe des verstorbenen Fiat-Chefs Angelli ermittle.

Für den Mailänder «Corriere della Sera» war der Vergleich zwischen der Schweiz und den USA der Frontaufmacher. «Schweiz, Wende beim Bankgeheimnis» titelte die auflagestärkste italienische Tageszeitung und widmete dem Thema neben dem Tageskommentar auch die Seiten 2 und 3. Erstmals habe die Schweiz die teilweise Aufhebung des Bankgeheimnisses akzeptiert, berichtete das Blatt und bezeichnete den Vergleich als Erfolg der USA. Die Schweiz verzichte auf einen Teil ihrer Souveränität. Der Erfolg der USA könnte Italien dazu ermuntern, von Europa eine kohärente Politik gegenüber allen UBS der Welt zu verlangen.

Agnelli-Fall schürt das Interesse

Neben einem Hintergrund über das Schweizer Bankgeheimnis berichtete der «Corriere della Sera» über die Ermittlungen der italienischen Steuerverwaltung wegen einer Milliarde Euro, die der 2003 verstorbene Fiat-Chef Giovanni Agnelli in der Schweiz platziert haben soll. Die Nachricht war am Vorabend vom italienischen Privatsender «Canale 5» verbreitet worden, der zum Medienkonzern von Ministerpräsident Silvio Berlusconi gehört. Die Ermittlungen sollen eine Folge des erbitterten Erbstreits in der Agnelli-Dynastie sein, den die in Genf lebende Tochter des Verstorbenen, Margherita Agnelli de Pahlen, gegen ihre Mutter Marella Caracciolo und gegen drei Steuerberater des ehemaligen Fiat-Chefs angezettelt hat.

Italien solle sich ein Beispiel an den USA nehmen

Die vom Industriedachverband kontrollierte Wirtschaftszeitung «Il Sole 24 Ore» mutmasste über eine Herbstoffensive Italiens gegen Steuerparadiese. Die italienische Steuerverwaltung könnte sich ein Beispiel an den USA nehmen und nach italienischen Kontoinhabern bei der UBS forschen. Italien könnte dabei über bestehende Abkommen, eine Revision des Doppelbesteuerungsabkommens oder aber über politischen Druck vorgehen. Einen Vorgeschmack liefert eine Liste mit 300 Kontoinhabern, die dem italienischen Nachrichtenmagazin «Panorama» zugespielt worden sein soll.

In der führenden italienischen Wirtschaftszeitung kam auch der frühere Tessiner Politiker und Bankier Claudio Generali zu Wort, der zurzeit die Tessiner Bankiervereinigung präsidiert. Er bezweifelte, dass der Fall UBS einen bedeutenden Einfluss auf die neue italienische Steueramnestie haben wird, die im September anlaufen soll. Der Finanzplatz Schweiz bleibe in der Vermögensverwaltung führend. Sicher sei in den vergangenen Monaten einiges passiert. «Aber deswegen bringen wir uns nicht um», wird Generali zitiert.

Schlag gegen die Verschwiegenheit

«Bankgeheimnis, die Schweiz gibt auf» lautete die Überschrift in der linksliberalen Tageszeitung «La Repubblica». Weiter unten im Bericht ist von einem Punktsieg der USA und einem schweren Schlag gegen die Verschwiegenheit in Steuersachen die Rede, die seit je jenseits der Alpen regiert habe. Wie andere Medien auch schlägt das Blatt einen Bogen zum Strategiewechsel Liechtensteins und erinnert an die Offensive der G-20 und von US-Präsident Barack Obama gegen die Steuerparadiese. (dapd)

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