Champions League: Barça zittert sich in den Halbfinal
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Champions LeagueBarça zittert sich in den Halbfinal

Kein Zauber, kein Tanz. Der FC Barcelona ringt dem engagierten PSG ein 1:1 ab und kämpft sich so eine Runde weiter. Pedro Rodriguez erzielt in der 71. Minute den entscheidenden Treffer.

Der FC Barcelona qualifizierte sich zum sechsten Mal in Folge für die Halbfinals der Champions League. Nach dem 2:2 im Hinspiel reichte daheim gegen Paris St-Germain dank der Auswärtstorregel ein 1:1.

Paris St-Germain konnte bis zuletzt vom Exploit träumen. Gegen das in der Defensive unsicher agierende Barcelona gingen die Franzosen fünf Minuten nach der Pause durch Javier Pastore in Führung. Es war ein verdienter Vorteil, der zum Weiterkommen gereicht hätte. Doch die Spanier hatten noch einen Trumpf in der Hand. Der angeschlagenen Lionel Messi betrat erst nach einer guten Stunde das Feld und sorgte für die Wende zum Guten für Barcelona und den Grossteil der 98'000 Zuschauer im Camp Nou.

Messi brachte neue Impulse

Messi flösste dem zweifelnden Team neues Selbstvertrauen ein und brachte die bitter benötigten Impulse. In der 71. Minute, also neun Minuten nach seine Einwechslung, setzte er im Mittelfeld zum Sprint an, liess zwei Gegenspieler stehen und fand mit seinem Pass im Strafraum David Villa, der auf Pedro ablegte. Dieser traf zum 1:1. Danach kontrollierte der Gastgeber die Partie souverän, was angesichts der ersten 60 Minuten der Partie erstaunlich war. Paris St-Germain kam zu keiner ernsthaften Torchance mehr.

Was Barcelona ohne Messi gezeigt hatte, war wenig überzeugend gewesen. Wie stark ist der FC Barcelona ohne seinen Star? Das war eine der am meisten gestellten Fragen vor der zweiten Partie gegen Paris St-Germain, als klar wurde, dass der Ausnahmekönner und Serien-Torschütze wegen einer Blessur am Oberschenkel nicht von Beginn weg würde mittun können. Barcelona ohne Messi kommt eher selten vor. Der fragil aussehende 25-Jährige blieb von Verletzungen weitgehend verschont. Bei den wichtigsten Partien der Katalanen in den letzten Jahren war Messi immer dabei. Deshalb hatte die Frage ihre Berechtigung.

Keine Spur von Genialität

Die Antwort fiel klar aus. Der FC Barcelona ist stark von Messi abhängig, zumindest wurde er gegen PSG eine Stunde lang schmerzlich vermisst. Der Leader der Primera Division liess zwar wie gewohnt den Ball in den eigenen Reihen zirkulieren, doch es fehlte die Spur Genialität, um den Unterschied im gegnerischen Strafraum auszumachen. Aus dem Spiel heraus blieb der FC Barcelona ohne Messi blass; nur im Ansatz wurde es nach Ballstafetten der Gastgeber vor dem Tor der Parisiens gefährlich. Die beste Chance in der ersten Stunde hatten die Spanier schon nach 83 Sekunden - bezeichnenderweise nach einem Freistoss. Xavi schoss nur Zentimeter am rechten Pfosten vorbei.

Der Gast aus Paris bekundete selten Probleme. Er verteidigte angeführt von Abwehrchef Thiago Silva stark, beschränkte sich auf das Notwendige, stand kompakt und ermöglichte sich Verschnaufpausen mit sauber aus der Verteidigung heraus gespielten Bällen. Nicht selten führten die Konter zu Torchancen. Das offensive Quartett bestehend aus Zlatan Ibrahimovic, Lucas, Ezequiel Lavezzi und Javier Pastore setzte sich immer wieder in Szene. In der 24. und 28. Minute brauchte es starke Paraden von Victor Valdes, dem Goalie von Barcelona. Zunächst stoppte er den von Ibrahimovic ideal freigespielten Lavezzi und später parierte er einen Kopfball von Lucas, dem im Winter für 40 Millionen Euro verpflichteten Brasilianer.

Schwache Barça-Defensive

Die Verteidigung von Barcelona, die ohne die verletzten Carles Puyol und Javier Mascherano auskommen musste, war anfällig auf ziemlich jede Aktion der Gäste. Die Innenverteidiger Piqué und Adriano, der nach einer Stunde verletzt ausgewechselt werden musste, waren schwerfällig und leisteten sich zudem erstaunlich viele Fehlpässe im Aufbau. Das 0:1 war eine logische Folge. Ein Pass von Ibrahimovic setzte Barcelona ausser Gefecht. Der freigespielte Pastore konnte Valdes überwinden.

Der vierfache Meistercup- und Champions-League-Sieger geriet auch nach dem 0:1 während rund zehn Minuten praktisch bei jedem schnell vorgetragenen Angriff von Ibrahimovic und Co. unter Druck. Dabei musste die mit katarischem Geld aufgepeppte französische Mannschaft nicht mal ein Risiko eingehen. Die vier Offensivspieler reichten, um Barcelona aus dem Gleichgewicht zu bringen. Der Rest der Mannschaft konzentrierte sich aufs Verteidigen.

Messi brachte die Wende

Das reichte bis zur Einwechslung von Messi. Mit ihm auf dem Feld agierte das Ensemble von Tito Vilanova plötzlich sicherer und vor allem deutlich zielstrebiger. Die Antwort, auf die Frage nach der Bedeutung von Messi für Barcelona, war unmissverständlich. Und weil der geniale Antreiber nur eine Stunde lang ausfiel, mussten die Spanier für diese Erkenntnis nicht mal teuer bezahlen.

FC Barcelona - Paris St-Germain 1:1 (0:0)

Camp Nou. - 98'000 Zuschauer. - SR Kuipers (Ho).

Tore: 50. Pastore 0:1. 71. Pedro 1:1.

Barcelona: Valdes; Dani Alves, Piqué, Adriano (62. Bartra), Alba; Xavi, Busquets, Iniesta; Pedro, Fàbregas (62. Messi), Villa (83. Song).

Paris St-Germain: Sirigu; Jallet (88. Van der Wiel), Alex, Thiago Silva, Maxwell; Verratti (83. Beckham), Thiago Motta; Lucas, Pastore; Ibrahimovic, Lavezzi (81. Gameiro).

Bemerkungen: Barcelona ohne Mascherano und Puyol (beide verletzt). Paris St-Germain ohne Matuidi (gesperrt) und Ménez (verletzt). Verwarnungen: 42. Adriano (Foul/im nächsten Spiel gesperrt). 80. Lavezzi (Foul). 86. Thiago Silva (Foul). 90. Beckham (Unsportlichkeit). (si)

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