Aktualisiert 04.02.2013 15:27

Wegen Betreibung

Barfrau bewirft Beamten mit Blumentopf

Weil sie Rechnungen in einen Sack steckte, statt sie zu bezahlen, bekam es eine Wirtin aus Küsnacht ZH mit dem Betreibungsamt zu tun. Dort rastete sie aus. Vor Gericht erhält sie 24 Monate bedingt.

von
A. Szenogrady

«Liebe Richter, Ihr müsst wissen, dass ich von Buchhaltung überhaupt nichts verstehe», gab die heute 50-jährige Barmaid am Montag vor dem Zürcher Obergericht unumwunden zu. Trotzdem stritt sie die Vorwürfe der Misswirtschaft, Veruntreuung, Unterlassung der Buchführung und weitere Delikte vehement ab. Die ehemalige Geschäftsführerin einer am See gelegenen Bar in Küsnacht machte diverse andere Personen für die Pleite verantwortlich. Nur nicht sich selber.

Unbestritten ist, dass die Bar Ende August 2006 den Betrieb aufnahm. Nur ein später musste ein Richter infolge erheblicher Ueberschuldung den Konkurs eröffnen. Eine Strafuntersuchung der Staatsanwaltschaft See/Oberland brachte ans Tageslicht, dass die Beschuldigte und ihre Angestellten klassische Misswirtschaft betrieben hatten. Laut Anklage konnte die GmbH bereits nach zwei Monaten nicht mehr für die Miete aufkommen und war zahlungsunfähig. Diverse Lieferanten warteten vergeblich auf ihr Geld. Mahnungen und Rechnungen landeten ungeöffnet in einem Sack, der erst im Sommer 2007 erstmals geleert wurde. Allerdings zu spät.

«Arschlöcher haben hier gratis gearbeitet»

Im Herbst 2007 versuchte sie ihr Projekt zu retten, indem sie in Zürich an der Weinbergstrasse eine Lounge einrichten wollte. Allerdings erlebte sie eine böse Ueberraschung, als während der Renovation des Lokals plötzlich die Baupolizei unerwartet auftauchte und strenge sowie kostspielige Auflagen in Aussicht stellte. Die aufgebrachte Beschuldigte musste die Uebung abbrechen und beschmierte die Liegenschaft mit einem Pinsel. Unter anderen schrieb sie: «Arschlöcher haben hier gratis gearbeitet.» Zudem malte sie Smileys und eine Blume. Danach leerte sie die weisse Farbe auf der Treppe aus.

Im Frühjahr 2008 ging die Gastronomin noch weiter, als sie auf einem Zürcher Betreibungsamt einen Angestellten nicht nur massiv beschimpfte, sondern auch mit einem Kugelschreiber samt Sockel in Form einer massiven Metallkugel sowie mit einem Blumentopf bewarf. Der Geschädigte hatte Glück und konnte den Geschossen gerade noch ausweichen.

Bedingte Freiheitsstrafe

Am Montag wehrte sich die Frau vor dem Zürcher Obergericht gegen ein erstes Urteil des Bezirksgerichts Meilen. Dieses hatte sie im Oktober 2011 wegen Misswirtschaft, Unterlassung der Buchführung, ungetreuer Geschäftsbesorgung, Veruntreuung, Sachbeschädigung sowie Gewalt und Drohung gegen Beamte zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 30 Monaten verurteilt.

Neun Monate davon sollte die Barmaid verbüssen. Der Verteidiger erhob dagegen Berufung und verlangte nun Freisprüche. Er machte dabei vor allem geltend, dass die Mutter der Beschuldigten für alles verantwortlich gewesen sei. Die Strafe des Landgerichts bezeichnete er als eine Sanktion von einem anderen Stern. Der Anwalt zog den Vergleich zu hochkarätigen Millionenschwindlern, die oft mit milden Bewährungsstrafen davon kommen würden.

Zum Schluss kamen die Oberrichter der Frau entgegen und setzten neu trotz den umfassend bestätigten Schuldsprüchen eine gerade noch bedingte Freiheitsstrafe von 24 Monaten fest. Die Frau habe vor Obergericht einen guten Eindruck hinterlassen und sich seit fünf Jahren wohl verhalten, sagte einer der Oberrichter. Letzte Bedenken liess das Obergericht allerdings in eine sehr lange Probezeit von vier Jahren einfliessen.

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