Matchwinner: Barnetta hat noch keine Lust auf Frühpension
Aktualisiert

MatchwinnerBarnetta hat noch keine Lust auf Frühpension

«Ich habe länger gebraucht, um zu merken, dass er ein richtiger Wettkampftyp ist», sagt FCSG-Trainer Peter Zeidler über seinen Irrtum bei Tranquillo Barnetta.

von
E. Tedesco
St. Gallen

Der Junge aus der eigenen Stadt wie Peter Zeidler sagt, wurde zum Held gegen GC. (Video: 20 Minuten)

Er war irgendwie schon fast auf dem Abstellgleis gelandet. Gegen GC feiert er eine fulminante Rückkehr: Tranquillo Barnetta. In knapp 20 Minuten nach seiner Einwechslung war der prominenteste Ostschweizer alleine an mehr Torschüssen beteiligt als die ganze Mannschaft in der ersten Halbzeit. Und am Ende der zweiten 45 Minuten zwischen dem FCSG und GC hatte der 33-Jährige dreimal so viele Offensivaktionen auf seinem Privatkonto wie die komplette GC-Mannschaft. Nix mit Tranquillo. Nichts mit ruhigem Comeback.

«Ich kann ihn immer noch brauchen. Es fehlt ihm ein wenig an Dynamik und Explosivität», sagte Peter Zeidler vor dem Spiel im «Tagesanzeiger». Barnetta lacht, als er den Satz vorgesetzt bekommt: «Explosiver werde ich nicht mehr.» Auf dem Platz macht er aber nicht den Eindruck, zu wenig dynamisch zu sein. Wie er sich vor dem 1:1 und der Flanke von Nassim Ben Khalifa in Position brachte, war beeindruckend. Sein Hechtkopfball zum Ausgleich schlicht sehenswert sowie auch sein Hammer mit links in die Ecke zum 2:1. Das letzte Tor hat Barnetta im Oktober 2017 erzielt. Der Gegner damals? Genau: GC.

Barnetta phänomenal

«Das ist mir nicht oft passiert in der Karriere, dass ich so reingekommen bin», freut sich Barnetta junior und riskierte mit seinem starken Auftritt, dass Barnetta senior im FCSG-Leibchen fast von seinem Schalensitz auf der Haupttribüne fiel, dermassen ekstatisch fiel dessen Jubel aus. Sohn Tranquillo freut sich, drückt dies aber weniger euphorisch aus. «Ich bin froh, dass ich der Mannschaft helfen konnte», sagt er schlicht.

Aber genau das war in den vergangene Monaten nicht häufig der Fall. Vor dem 9. Spieltag kam Barnetta nur 18 Minuten zum Einsatz, pendelte zwischen Bank und Tribüne hin und her. Es gab bereits Leute, die mit einem baldigen Rücktritt des ehemaligen 75-fachen Internationalen spekulierten. Der aber straft die Kritiker Lügen. Und beweist dem Trainer, dass er noch keine Lust auf die Frühpensionierung hat.

Zeidler und Barnetta und die Idee

Aber was sagt Zeidler, warum er sich plötzlich für den «Routinier« entschied? Lag es an der Personalnot? «Wir hatten vor YB in einem kurzen Gespräch festgelegt, dass er in Bern nicht dabei ist, aber für den Samstag konkretisiert, dass er bei jedem Szenario reinkommt. Aber damit konnte ich beim besten Willen nicht rechnen. Ich ziehe den Hut vor seiner Leistung – das war grandios. Ein Riesenkompliment und, dass es noch dazu der Junge aus dieser Stadt ist, der das Spiel dreht, passt. Hätten wir zum dritten Mal in Folge verloren, wäre es wohl unangenehm geworden. Diese drei Punkte helfen.»

«Das ändert auch meine Sichtweise»

St. Gallen-Trainer Peter Zeidler gerät nach dem Auftritt von Tranquillo Barnetta ins Schwärmen. Das war nicht immer so - wie er zugibt. (Video: 20 Minuten)

FCSG-Trainer Peter Zeidler zieht den Hut vor Barnetta. (Video: 20 Minuten)

Ändert der Deutsche nun seine Sichtweise betreffend Barnetta? «Hundertprozentig», so Zeidler. «Ich sehe seine Handlungsschnelligkeit und Spielintelligenz jeden Tag im Training. Er hat es drauf. Das habe ich natürlich gesehen, aber es wäre falsch von mir zu sagen: Das hätte ich so erwartet.» Dann gibt der FCSG-Trainer zu: «Aber die Sichtweise hat sich geändert. Wahrscheinlich habe ich länger gebraucht, um zu merken, dass er ein richtiger Wettkampftyp ist.»

Baby Barnetta im Stadion

Ende gut, alles gut für Barnetta? «Wenn ich weiterhin solche Auftritte habe, kommt der Trainer nicht an mir vorbei», sagt der Offensivspieler, der erst vor rund zwei Monaten Vater eines Söhnchens geworden ist. Baby Barnetta war mit seiner Mama am Samstag erstmals im Kybunpark. Ob das spezielle Motivation war? Vielleicht, aber Antwort geht im Jubelgesang seiner Mannschaftskollegen unter. Aber nur die nach dem Spiel. Auf dem Rasen war sie laut und deutlich.

GC-Trainer Thorsten Fink fordert mehr Mut

Thorsten Fink fordert nach der 1:2-Niederlage in St. Gallen mehr Mut und, dass man den Schweinehund überwindet. (Video: 20 Minuten)

GC-Trainer Thorsten Fink nach der Niederlage in St. Gallen. (Video: 20 Minuten)

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