Comeback nach 357 Tagen: Barnettas Kampf gegen die magere Bilanz

Aktualisiert

Comeback nach 357 TagenBarnettas Kampf gegen die magere Bilanz

357 Tage hat Tranquillo Barnetta der Nati gefehlt. Nach der langen Pause hofft der dienstälteste Nati-Spieler gegen Deutschland auf seinen 60. Einsatz in den Schweizer Farben.

von
Eva Tedesco

Barnettas letztes Spiel mit der Nati liegt beinahe ein Jahr zurück. Beim 2:2 im EM-Qualifikationsspiel in England am 4. Juni 2011 hat der Ostschweizer beide Treffer erzielt. Seither musste er die Auftritte der Nati aus der Ferne beobachten. «Es war nicht immer einfach. Jetzt freue ich mich, zurück zu sein und zu wissen, dass das Knie hält.» Eine Knieverletzung hat Barnetta fast für die komplette Bundesliga-Saison und EM-Qualifikation mit der Nati ausser Gefecht gesetzt.

Über die verpasste EM-Teilnahme macht sich Barnetta keinen Kopf mehr. «Es ist, wie es ist. Wir sollten nicht Vergangenem nachtrauern. Es beginnt eine neue Ära. Die Mannschaft ist seit dem Umbruch im letzten Juni auf dem richtigen Weg. Wir haben eine junge, freche Mannschaft. Das Potenzial sich für die WM zu qualifizieren ist da, auch wenn das Team noch nicht so erfahren ist wie die letzte Mannschaft», so der Mittelfeldspieler, der mit 27 Jahren (hatte am 22. Mai Geburtstag) der dienstälteste Nati-Spieler ist. Mit einem Einsatz im Test-Länderspiel gegen Deutschland käme er bereits auf 60 Länderspiele. Seit den Rücktritten der Routiniers Alex Frei, Marco Streller und Hakan Yakin ist er mit acht Toren auch der Spieler mit den meisten Toren auf dem Konto.

Sprüche der Bundesliga-Kollegen

Die Begegnung gegen den grossen Nachbarn ist aber nicht nur deshalb speziell. Der Ostschweizer spielt seit 2005 in Deutschland und muss sich vor Länderspielen oft Sprüche seiner deutschen Kollegen in Leverkusen anhören. Denn die Schweizer Statistik gegen die Deutschen ist niederschmetternd: Die Schweizer warten seit bald 56 Jahren (3:1 am 21. November 1956) auf einen Sieg. In 18 Partien schauten seither lediglich zwei magere Remis heraus. Liebend gerne würde man Deutschland ein Bein stellen. «Die Sprüche gehören dazu, aber wir würden schon gerne einmal kontern. Ich hoffe, dass wir nun einmal Sprüche machen können.»

Versprechen, die man so oft vor Spielen gegen die Deutschen schon gehört hat. Meist hatten sich die Schweizer in der Vergangenheit viel vorgenommen und standen zum Schluss mit abgesägten Hosen da. Zur Erinnerung sei nur die letzte Pleite erwähnt: Vor der EM 2008 setzte es für die Nati im Joggeli eine heftige 0:4-Schlappe ab. So richtig begründen kann Barnetta nicht, warum man sich gegen die Deutschen so schwer tut. Eine mögliche Erklärung: «Deutschland ist eine Topnation, die ganz, ganz selten schlechte Länderspiele abliefert. Wir müssen schon über uns hinauswachsen, um sie schlagen zu können. Deutschland ist eine grosse Herausforderung, aber auch ein toller Test gegen einen EM-Favoriten.»

Auf Barnetta wartet aber auch eine Herausforderung im eigenen Team. Während der Zwangspause hat der Mittelfeldspieler seinen Stammplatz im linken Mittelfeld eingebüsst. «Barnetta war sehr lange weg, hat sich aber nach seiner Pause bei Bayer wieder rangekämpft. Er hat die Qualität sich der Konkurrenz zu stellen», sagt Ottmar Hitzfeld zur Personalie Barnetta. «Aber auch Valentin Stocker hat eine starke Rückrunde in Basel gespielt.» Der Nati-Coach weiter: «Wer in Zukunft die Nummer eins auf dieser Position ist, wird sich zeigen.»

Zukunft noch offen

Spielpraxis ist dafür unabdingbar. Wo Barnetta diese in Zukunft sammeln wird, ist offen. Sein Vertrag bei Leverkusen läuft am 30. Juni aus. In den letzten Monaten hat der Mittelfeldspieler des Öfteren den Wunsch geäussert, nach den sieben Jahren bei Bayer eine neue Liga kennenlernen zu wollen. Der Pillen-Klub will Barnetta aber nicht kampflos ziehen lassen und unterbreitete ihm im Regenerationscamp ein neues Angebot.

«Ich habe Leverkusen sehr viel zu verdanken, insbesondere auch im letzten Jahr während meiner Verletzung. Ich weiss, was ich da habe und deshalb werden wir uns sicher zusammensetzen. Aber erst nach den beiden Länderspielen», lässt Barnetta seine Zukunft weiterhin offen. Und was würde sich in einer Bewerbungsmappe besser machen, als ein Sieg gegen Deutschland?

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