29.06.2020 18:08

Aargauer Kantonsärztin

«Bars und Clubs sind absolute Hochrisikozonen»

Laut der Aargauer Kantonsärztin Yvonne Hummel lassen sich die 20 Ansteckungen in einer Bar in Spreitenbach mit einem Superspreader erklären. Sie fordert eine ID-Pflicht bei der Erfassung der Gästedaten.

von
Daniel Waldmeier
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In der Tesla-Bar in Spreitenbach haben sich über 20 Personen mit Corona infiziert. Knapp die Hälfte wohnt im Kanton Aargau.

In der Tesla-Bar in Spreitenbach haben sich über 20 Personen mit Corona infiziert. Knapp die Hälfte wohnt im Kanton Aargau.

gus
In der Bar befanden sich rund 100 Personen.

In der Bar befanden sich rund 100 Personen.

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Laut dem Kanton Aargau besteht ein Zusammenhang mit dem «Superspreader»-Event im Zürcher Club Flamingo.

Laut dem Kanton Aargau besteht ein Zusammenhang mit dem «Superspreader»-Event im Zürcher Club Flamingo.

20 Minuten

Frau Hummel, mehr als 20 Menschen haben sich nach dem Besuch der Tesla-Bar in Spreitenbach mit dem Coronavirus angesteckt. Wie ist das möglich?

Bars und Clubs sind absolute Hochrisikozonen. Allein wegen der Musik muss man lauter sprechen und hält den Abstand nicht ein. Wir wissen auch, dass es sogenannte Superspreader gibt – also Leute, die in kurzer Zeit sehr viele Leute anstecken. Wir haben jetzt das Schutzkonzept der Bar angefordert, um es zu prüfen. Die Bar bleibt bis mindestens Ende Woche geschlossen.

Welchen Zusammenhang gibt es zur «Corona-Party» im Zürcher Club Flamingo?

Wir haben Hinweise, dass mehrere Personen, die am 20. Juni in der betroffenen Bar waren, am 21. Juni in dem Club in Zürich waren.

Zur Person

Dr. med. Yvonne Hummel ist Aargauer Kantonsärztin.

Dr. med. Yvonne Hummel ist Aargauer Kantonsärztin.

zvg

Wie viele Gäste der Bar sind in Quarantäne?

In der Bar waren mindestens 100 Personen. Sind sind jetzt in der Quarantäne-Abklärung.

Derzeit sind Serbien-Reisende ein Thema, die das Virus aus den Ferien heimbringen.

Woher das Virus kommt, kann ich nicht sagen. Wir stehen noch am Anfang der Abklärungen.

Beim Zürcher Club erschwerten falsche Kontaktangaben auf der Gästeliste die Arbeit der Behörden. Waren bei Ihnen auch Donald Ducks aus Entenhausen auf der Liste?

Nein, zum Glück nicht. Soweit wir sehen, war die Liste sorgfältig ausgefüllt.

Die Pflicht, sich mit der ID auszuweisen, ist absolut zwingend.

Yvonne Hummel, Aargauer Kantonsärztin

Sind denn Leute in die Bar gegangen, die rumgehustet haben?

Das ist nicht zwingend. Patienten könnten auch schon 48 Stunden vor dem Ausbruch der ersten Symptome ansteckend sein.

Die Coronavirus-Hotspots häufen sich in den Kantonen. Muss die Politik jetzt handeln und die Bars wieder schliessen?

Klar ist: Schutzmassnahmen sind in Bars und Clubs sehr schwierig. Ich habe zwei Forderungen: Die Schutzkonzepte und deren Umsetzung sollten verstärkt überprüft werden. Und bei der Präsenzliste sind falsche Angaben nicht Sinn der Sache. Die Pflicht, sich mit der ID auszuweisen, ist absolut zwingend.

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426 Kommentare
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Irukandji

30.06.2020, 08:47

Es gibt eine einfache Massnahme um Tröpfcheninfektionen zu verhindern: Trägt beim Sprechen eine Gesichtsmaske. Konsumiert schweigend euren Drink, zieht die Maske an, wenn ihr sprechen wollt (ihr müsst nicht, ihr dürft). Seit euch einfach über die Konsequenzen bewusst, wenn ihr es nicht tut: Die Bars und Clubs werden die ersten sein, die bei hohen Fallzahlen wieder schliessen müssen.

Cervelat

30.06.2020, 07:49

Ganz einfach in den Clubs und Bars nur noch hochprozentige Shots mit min. 60% Akohol verkaufen damit die Partygänger ständig ihren Mund und Rachen desinfizieren und das Ansteckungsrisikio sinkt signifikant.

Radicus

30.06.2020, 07:47

Der Bund und die Kantone erfüllen eindeutig ihre Aufgabe nicht. Die Verantwortung für einige vielleicht unpopuläre aber wirksame Massnahmen wird hin und hergeschoben. Schliesst die Clubs - Maskentragpflicht in den öV - oder wie viele Leben wollen unsere Politiker noch riskieren!