Aktualisiert 14.11.2017 08:40

Geburten im Doppelpack

Basel bringt die meisten Zwillinge zur Welt

104 Zwillinge sind 2016 in Basel geboren worden – so viele wie noch nie. Und so viele werden es auch nie wieder, glaubt ein Experte.

von
daf
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Eineiige Zwillinge aus Chavornay im Kanton Waadt: Alessandro und Lorenzo. Die beiden Racker sind heute 18 Jahre alt.

Eineiige Zwillinge aus Chavornay im Kanton Waadt: Alessandro und Lorenzo. Die beiden Racker sind heute 18 Jahre alt.

Leser-Reporter
Nissa und Tessa aus dem Kanton Freiburg feiern bald ihren ersten Geburtstag. Sie sind am 18. November 2016 geboren.

Nissa und Tessa aus dem Kanton Freiburg feiern bald ihren ersten Geburtstag. Sie sind am 18. November 2016 geboren.

Leser-Reporter
Hier hat es sogar Drillinge gegeben! Die zwei Buben Diego und Loris und das Mädchen Laura in der Mitte.

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Leser-Reporter

Basel ist die Zwillings-Hochburg der Schweiz. Im Jahr 2016 kamen auf total 2172 Neugeborene 52 Zwillingspaare, also 104 Zwillinge. Damit haben die Basler Frauen einen Allzeitrekord aufgestellt. Laut dem Statistischen Amt des Kantons hat es in Basel-Stadt noch nie so viele Zwillinge wie 2016 gegeben.

Der Schweizer Durchschnitt wurde damit auch deutlich übertroffen. Zwar sind mehr Zwillinge der nationale Trend – mit einem Schnitt von 4,8 Prozent liegt der Anteil von Geburten im Doppelpack im Jahr 2016 aber über ein Prozent höher als der Schweizer Durchschnitt (3,75 Prozent).

Je älter, desto eher gibts Zwillinge

Der Hauptgrund für die hohe Zwillingsrate: die heutige Familienplanung in der Schweiz. Wie die Zahlen des Bundesamts für Statistik zeigen, bekommen Frauen immer später Kinder. Dieser Trend zeigt sich auch in der Klinik für Reproduktionsmedizin der Frauenklinik des Universitätsspitals Basel, wo künstliche Befruchtungen vorgenommen werden: «Unsere Patientinnen werden immer älter. Im Schnitt sind sie 37 Jahre alt – vor 20 Jahren lag das Durchschnittsalter noch fünf Jahre tiefer», erklärt Chefarzt Christian De Geyter gegenüber 20 Minuten.

Je älter eine Frau ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie Zwillinge bekommt. Denn: «Durch einen veränderten Hormonkreislauf können ältere Frauen pro Zyklus zwei Eisprünge gleichzeitig haben. Die Folge: Es liegen zwei sprungreife Follikel vor und es kommt so eher zu Zwillingen», so De Geyter.

Geburt im Doppelpack ist ein Risiko

Weshalb wollen wir immer später Kinder haben? «Die Ursachen dafür sind vielseitig. Beruf und Familie sind heute nicht einfach zu kombinieren. Wir haben Patientinnen, die zuerst Karriere machten und nun mit dem Kinderwunsch zu uns kommen.» Bei anderen Frauen liege der Grund im Liebesleben, so De Geyter: «Nach einer Trennung wollen gewisse Frauen dennoch Kinder haben, dafür müssten sie aber erst wieder einen geeigneten Partner finden. Das bedeutet Druck und Stress.» Hier kann die künstliche Befruchtung ebenfalls Abhilfe schaffen.

Die Reproduktionsmedizin schafft aber auch Probleme. Im Rahmen der künstlichen Befruchtung wurde bisher häufig mehr als ein Embryo pro Therapieversuch übertragen. Dadurch entstanden vermehrt Zwillingsschwangerschaften. Eine solche birgt Risiken. Für die Gebärmutter bedeutet sie laut De Geyter eine höhere Belastung, es kann zu Mangelernährung und zur Frühgeburt kommen. «Im schlimmsten Fall leiden einzelne Zwillinge ein Leben lang unter den Folgen einer Früh- und Mangelgeburt», warnt der Arzt.

Weniger Zwillinge aus politischen Gründen

Allerdings dürfte schon in naher Zukunft weniger Zwillinge geboren werden. Dies aufgrund des revidierten Fortpflanzungsmedizingesetzes, das seit September 2017 in Kraft ist: Es besagt unter anderem, dass künftig nicht mehr zwei oder mehr Embryonen in die Gebärmutter übertragen werden müssen. Dadurch sinkt die Wahrscheinlichkeit, Zwillinge zu bekommen, markant, wie De Geyter erklärt. Seine Prognose: «Es wird somit in Zukunft insgesamt weniger Zwillinge geben.»

Die 104 Zwillinge von Basel dürften so ein einsamer Höhepunkt in der Schweizer Geburtsmedizin bleiben.

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