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Freistoss«Basel ist ein überaus verdienter Meister»

Zweimal ist der FC Basel in den letzten Jahren kurz vor dem Zielstrich noch gestolpert. Jetzt haben die Basler den Titel geholt. Fussball-Legende und 20-Minuten-Online-Kolumnist Georges Bregy ist sich sicher, dass der FCB der verdiente Meister ist.

Bei der «Finalissima» am Samstagabend hat der FC Basel den Young Boys keine Chance gelassen. Sie haben von Anfang an alles richtig gemacht und YB stark unter Druck gesetzt. Die Berner waren während des ganzen Spiels wie gelähmt, weil der FC Basel von der ersten Minute an auf Sieg gespielt hat. Erstaunlich, dass das Team von Martin Andermatt zu keiner Reaktion fähig war. Benjamin Huggel hat Spielmacher Hakan Yakin schon in den ersten Minuten den Schneid abgekauft. Das war entscheidend. Denn Yakin kam in der Folge nie ins Spiel. Selbst seine stehenden Bälle gingen teilweise zehn Meter übers Tor. So etwas sieht man vom Captain der Young Boys nur sehr selten.

Doch wie gesagt: Der FC Basel ist ein überaus verdienter Meister. Über die ganze Saison gesehen hatten sie das beste Kader und haben vor allem in der Vorrunde permanent solide Leistungen gezeigt. In der Rückrunde sind sie dann - vermutlich wegen interner Probleme – etwas überraschend in ein Loch gefallen und haben unnötig Punkte verschenkt. Es spricht aber für die Mannschaft von Christian Gross, dass sie dem Druck diesmal bis zum Schluss standgehalten haben. Und Trainer Gross selbst ist nach dem Schlusspfiff mit Sicherheit ein riesiger Stein vom Herzen gefallen. Denn wenn er mit dem FCB, der Mannschaft mit dem grössten Saisonbudget, zum dritten mal hintereinander so kurz vor dem Ziel gescheitert wäre, hätte er auch seine eigene Person und seine Trainings-Methoden hinterfragen müssen. Im Falle eines erneuten Scheiterns wäre es für Gross auch sehr schwierig gewesen, seine Spieler auf die neue Saison hin wieder entsprechend zu motivieren.

YB hat eine grosse Chance verpasst

Was die Young Boys betrifft: Die haben in dieser Saison eine grosse Chance verschenkt. Ich sage immer, man ist nie reif für einen Meistertitel. Man muss die Chance packen, wenn sie da ist. Vor 22 Jahren bin ich mit YB selber Meister geworden. Wir waren in diesem Sinne als Mannschaft auch nicht reif genug für den Titel. Aber wir haben uns immer gesagt, wir wollen es. Wir wollen es unbedingt, und wir werden es schaffen! Keiner kann wissen, ob die Berner nächste Saison wieder in eine derart gute Ausgangslage kommen. Selbst wenn die Mannschaft noch weiter verstärkt wird, hat man nie eine Garantie. Es kann vielleicht Jahre dauern, bis die Berner wieder eine ähnliche Chance bekommen.

Die Young Boys sind in der Rückrunde völlig unerwartet in die Rolle des Mitfavoriten um den Meistertitel gerutscht. Damit haben sie sich schwer getan. Und das grösste Pech für die Berner war die bevorstehende Europameisterschaft in der Schweiz. Denn eines ist klar: Vom Zeitpunkt an, als sie zu Hause wegen der EM auf dem neu verlegten Naturrasen spielen mussten, sind sie kurzzeitig aus dem Tritt geraten. Wer Meister will, darf Heimspiele gegen Luzern und Xamax nicht verlieren.

Fussball auf Kunstrasen ist wie eine andere Sportart

Doch als der Kunstrasen entfernt wurde, hat die Mannschaft von Trainer Martin Andermatt einen Riesenvorteil verloren. Fussball auf Kunstrasen ist wie eine andere Sportart. Der Ball ist viel schneller, man muss viel genauer spielen. Mit der Zeit trainiert man sich da automatisch Mechanismen an, die man nach zwei, drei Trainings auf Naturrasen nicht schon wieder ablegen kann. Solche Dinge können eine Mannschaft schnell mal für zwei, drei Spiele aus dem Tritt bringen.

Hakan Yakin und Ivan Ergic sind für mich die beiden herausragenden Spieler in dieser Rückrunde. Yakin hat mich sogar äusserst positiv überrascht, auch wenn er ausgerechnet im entscheidenden Spiel vom Samstag einen schlechten Tag eingezogen hat. Ich gebe zu, dass ich von diesem Spieler lange Zeit nicht besonders begeistert war. Aber Trainer Martin Andermatt hat ihm alle Freiheiten gegeben, um sich optimal zu entwickeln. Yakin ist ein Spieler, der das hundertprozentige Vertrauen des Trainers spüren muss. Nur so kann er konstant gute Leistungen abliefern. Andermatt hat auch das ganze Spiel-System seinem Führungsspieler angepasst. In seiner Rolle hinter dem Einmann-Sturm fühlte sich Hakan Yakin offensichtlich immer wohl.

Kuhn muss voll auf Yakin setzen - oder ihn zu Hause lassen

In dieser Hinsicht muss sich jetzt auch Köbi Kuhn etwas überlegen. Dem Nationaltrainer bleiben noch zwei Testspiele, um zu entscheiden, ob er bei der EM mit einem Einmann- oder Zweimann-Sturm spielen will. Und er muss herausfinden, ob Yakins Fitness auf diesem Niveau über ein ganzes Spiel ausreicht. Was die Spielgestaltung und stehende Bälle angeht, kann der Nationaltrainer auf einen wie den YB-Captain eigentlich kaum verzichten. Aber etwas Entscheidendes fehlt immer noch: Yakin spürt im National-Team nicht das hundertprozentige Vertrauen vom Trainer und seinen Spielerkollegen. Es ist nicht so, wie im Club. Er merkt, dass er noch nicht voll akzeptiert ist. Genau dieser Umstand könnte ihn daran hindern, bei der Europameisterschaft eine optimale Leistung zu bringen. Nationaltrainer Köbi Kuhn muss voll also auf Yakin setzen und dem sensiblen Spieler das auch deutlich zeigen. Wenn Kuhn das nicht will, ist es besser, Yakin gleich zu Hause zu lassen.

Georges Bregy, 20 Minuten Online

Immer wieder schön anzusehen: Georges Bregys legendärer Freistoss an der WM 1994 gegen die USA

Der Kolumnist

Der 54-fache Nationalspieler Georges Bregy spielte jahrelang in der damaligen Nationalliga A für diverse Vereine. Dabei wurde der Walliser Nicht nur Meister (1986) und Cupsieger (1980, 1982), sondern in einer Saison auch als Torschützenkönig (1984) ausgezeichnet. Nach Trainerengagements bei Lausanne, Thun und dem FC Zürich arbeitet er heute als Unternehmensberater. In seiner Freizeit verfolgt er den Schweizer Fussball genau und steht nebenbei beim FC Stäfa (2. Liga interregional) an der Seitenlinie.

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