Schärferes Energiegesetz: Basel macht Ernst mit Energiesparen
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Schärferes EnergiegesetzBasel macht Ernst mit Energiesparen

Das baselstädtische Energierecht soll verschärft werden. Die neuen Vorgaben der Regierung entsprechen den Standards des Minergie-Labels. Die Energie verschleudernden Heizpilze sollen verschwinden und Trockeneis-Kühlanlagen gar nicht erst in Mode kommen.

Basel-Stadt fahre kein Energieeffizienz-Sonderzüglein, betonte Baudirektorin Barbara Schneider am Donnerstag vor den Medien. Der Kanton setze mit der Reform im Wesentlichen jene Mustervorschriften (MuKEn) um, welche die Energiedirektorenkonferenz im Mai definiert hatte - immerhin als erster Kanton; Basel solle Energie-Pionier bleiben.

Gezielt wird vor allem auf Gebäudesanierungen, da Neubauten nur rund 0,2 Prozent der jährlichen Flächen ausmachten. Auch sei die staatliche Förderung darauf ausgerichtet, dass in Basel-Stadt verhältnismässig viele Gebäude nicht in Firmen-, sondern in privater Hand seien. Es gebe aber keine Pflicht, Altbauten zu sanieren.

Klimawandel

Zu den Vorgaben gehört auch, dass 20 Prozent der Heizenergie aus erneuerbarer Energie stammen müssen. Dies werde bei Fernwärme dank der Kehrichtverbrennung erfüllt, sagte Jürg Hofer, Leiter des Amtes für Umwelt und Energie. Dafür soll man bei vorbildlichen Neubauten und Gesamtsanierungen die Nutzungsziffer überschreiten dürfen.

An Solarstromanlagen soll der Kanton zudem weiter Beiträge leisten. Als Hintergrund der Reform nannte Hofer den Klimawandel. Man müsse nicht nur mit Energie Geld sparen, sondern es gehe schlicht auch um den Wohnkomfort. Als Beispiel nannte er Vorgaben zur Beschattung der derzeit so beliebten grossen Glasflächen.

Nicht erfüllen will die Regierung jedoch die Forderung des Grossen Rates, dass für Neubauten der Minergie P-Standard verlangt werden müsse. Dies sei innerhalb bestehender Gebäudelinien nicht flächendeckend machbar, sagte Schneider. Wer aber freiwillig so weit gehen will, solle sehr hohe Förderbeiträge erhalten.

Gegen Minergie P

Schneider warnte gar vor kontraproduktiven Effekten einer Minergie P-Vorschrift: Deren Umsetzung sei mangels Normbauteilen soviel teurer, dass Sanierungswillige abgeschreckt werden könnten - vor allem Private. Zudem stelle Minergie P sehr hohe Anforderungen beim Planen, und dieses spezielle Knowhow sei momentan noch rar.

Für spezielle Bauvorschriften in konkreten Einzelfällen hingegen soll laut Schneider künftig eine Minergie P-Vorgabe früh geprüft werden. Nachträglich sei das nur sehr schwierig umzusetzen, wie sich beim Sevogelpark gezeigt habe. Die Minergie-Vorgabe entspreche 60 Prozent des geltenden SIA-Norm-Heizölverbrauchs, Minergie P 20 Prozent.

Die per 2009 geplanten Revisionen des Energiegesetzes und des Bau- und Raumplanungsgesetzes samt Verordnungen sollen auch Lücken schliessen: Die auf Beizen-Terrassen beliebten Gas-Heizpilze werden verboten (Ausnahme: Freiluft-Arbeitsplätze wie Marktstände), ebenso in Mode kommende Openair-Kühlanlagen mit Trockeneis.

Der Kanton will im Übrigen selber bei seinen eigenen Gebäuden mit gutem Beispiel vorangehen. Viele davon seien veraltet und verschwendeten Energie, wie Hofer festhielt. Manche Altbauten bräuchten im Jahr über 20 Liter Heizöl pro Quadratmeter, während Minergie P einen Liter zulasse und Minergie drei Liter. (sda)

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