Basel: Milliarden-Pläne für S-Bahn-Tunnel
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Basel: Milliarden-Pläne für S-Bahn-Tunnel

Ein Tunnel für die Regio-S-Bahn unter der Basler Innenstadt und dem Rhein ist zweckmässig: Ab 2020 überwiege der Nutzen die Milliarden-Kosten, stellt eine am Freitag präsentierte Zweckmässigkeitsstudie fest. Nun beginnt ein Anhörungsverfahren.

Das «Herzstück» der Regio-S-Bahn würde den Badischen Bahnhof und den Bahnhof SBB mit zwei neuen Stationen unterirdisch verbinden. Es könnte die Basler Innenstadt von der weiteren trinationalen Region aus besser erschliessen, so zum Umsteigen auf den ÖV animieren und Verkehrsströme entflechten, hoffen die beiden Basel und die SBB.

Gemäss der Studie verbindet die rund 4,5 km lange direktere Variante «Mitte» die beiden grossen Bahnhöfe nutzbringender und billiger als die Variante «Nord», die auch noch den kleinen Bahnhof St. Johann einbezieht. Die Variante «Mitte» kostet etwa 1,2 Mrd. Franken, die «Nord»-Variante bis zu 1,8 Mrd. Franken.

Gleich teuer wie anderwso

Die Kostendimension liege im gleichen Rahmen wie bei anderen grossen Zentrums-Bahnprojekten in Genf, Zürich oder Luzern, sagte Markus Geyer, bei SBB-Infrastruktur Leiter Verkauf und Netzdesign, vor den Medien. Neue Kapazitäten brauche die Bahn in Basel auch zur Entflechtung des Personen- vom wachsenden Transitgüterverkehr.

Die Region Basel sei die einzige der Schweiz, deren S-Bahn nicht das Zentrum der Kernstadt erschliesse, hiess es weiter. Vom Tunnel verspricht sich Ralph Lewin, Vorsteher des Basler Wirtschafts- und Sozialdepartementes, daher auch einen wirtschaftlichen Schub, wie ihn die weite Region Zürich mit der S-Bahn erlebt habe.

Die Finanzierung des Basler Grossprojektes ist indes offen. Für einen Baubeginn hätten in den nächsten Jahren weder die beiden Basel noch die SBB die Mittel, hiess es weiter. Die Baselbieter Baudirektorin Elsbeth Schneider hofft, dass dank dem Sparpaket GAP wieder Mittel frei werden für solche zukunftsträchtigen Vorhaben.

Weichen jetzt stellen

Anhand der Ergebnisse des Anhörungsverfahrens, das bis Oktober läuft, wird danach entschieden, ob und wie das Tunnelprojekt weiter verfolgt wird. Chancen habe es nur mit breiter Unterstützung, betonte Elsbeth Schneider. Lewin hielt fest, dass das Tram damit nicht konkurrenziert werde, sondern ergänzt.

Entscheidend ist für die baselstädtische Baudirektorin Barbara Schneider, dass das Regio-S-Bahn-Tunnelprojekt schon jetzt in den kantonalen Richtplan sowie das Agglomerationsprogramm des Bundes aufgenommen wird, was die Basis für allfällige Bundesbeiträge schaffe. So könne man auch die nötigen Korridore frei halten.

Trotz des derzeit harten Sparkurses des Bundes hofft man in Basel auf Geld aus Bern: Nach der sehr teuren Stadtautobahn sei der öffentliche Verkehr an der Reihe, forderte Lewin. Solidarität sei jetzt gefragt; die heute verkehrsgeplagten Agglomerationen hätten ja auch die Erschliessung entlegener Gegenden mitfinanziert.

Tunnel-Betrieb nicht teurer

Die Bauzeit wird auf sieben Jahre veranschlagt. Vorgesehen ist eine 23 bis 49 Meter tiefe Linienführung im Felsgrund. Das bringe beim Bauen nur punktuelle Störungen an der City-Oberfläche. Die Inbetriebnahme sei zwischen 2025 und 2030 möglich. Um Geduld über den Vierjahres-Wahlrhythmus hinaus bat daher Barbara Schneider.

Der Tunnel-Betrieb soll nicht mehr kosten als das oberirdische Referenz-Szenario. Vorgesehen ist ein siebeneinhalb-Minuten-Takt zwischen den beiden grossen Basler Bahnhöfen. Im Tunnel-Abschnitt werden gemäss einem Gesamtverkehrsmodell täglich rund 50 000 Fahrgäste erwartet, davon mindestens zehn Prozent Auto-Umsteiger. (sda)

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