Aktualisiert 16.02.2004 20:40

Basel will junge Cannabis-Konsumenten früh erfassen

Der Kanton Basel-Stadt will die zunehmend jüngeren Cannabis-Einsteiger mit problematischem Konsum früh erfassen.

An allen Schulen der Sekundarstufe I und II sind Präventionssysteme vorgesehen, damit die Lehrer adäquat und rasch handeln können. Dies hält der von der Regierung verabschiedete Cannabis-Bericht fest.

Der am Montag veröffentlichte Bericht kommt zum Schluss, dass heute die Hälfte aller 16- bis 24-Jährigen in der Schweiz Erfahrungen mit Cannabis hat und den Stoff während einer begrenzten Zeit und ohne nennenswerte gesundheitliche Probleme konsumiert. Diese Menschen dürften denn auch nicht unnötig ausgegrenzt werden. Verfahren soll es nur geben, wenn die Konsumenten jung oder exzessiv konsumieren.

Mit Besorgnis wird zugleich eine Zunahme des Cannabis-Konsums bei Jugendlichen unter 16 Jahren festgestellt. «Nach heutiger Kenntnis ist davon auszugehen, dass der frühe Einstieg ein Risiko für die gesunde Entwicklung dieser Jugendlichen darstellt; dieses Risiko steigt, je exzessiver der Konsum ist und je jünger die Konsumentinnen und Konsumenten sind», heisst es im Bericht. Gefährdet seien gewisse Personengruppen und Individuen wie etwa psychisch labile Personen oder Jugendliche in kritischen Phasen der Pubertät.

Die Früherfassung von Jugendlichen mit problematischem Cannabis-Konsum soll nun in den Schulen der ersten und zweiten Sekundarstufe gefördert werden. Weitere Hilfe erhalten Lehrer und Schüler ab Sommer 2004 durch ein Interventions- und Beratungsangebot der Drogenberatungsstelle Drop In. Das Programm wird vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) unterstützt und zusammen mit dem deutschen Gesundheitsministerium realisiert. Involviert sind die Kantone beider Basel und Aargau sowie auf deutscher Seite die Region Südbaden.

Was den Cannabis-Handel betrifft, so wurde gemäss dem Bericht die Zahl der Läden im Kanton Basel-Stadt durch Polizeimassnahmen massgeblich reduziert. Wegen der grossen Nachfrage soll weiter repressiv vorgegangen werden, um auch die Attraktivität für das Ausland zu mindern. Der Bericht räumt zugleich ein, dass bei Konsum und Handel eine Diskrepanz zwischen gesellschaftlicher Entwicklung und Gesetz bestehe. So werde der Cannabis-Konsum heute in weiten Teilen der Bevölkerung analog zu Alkohol und Tabak nicht mehr als kulturfremd empfunden. Das Betäubungsmittelgesetz stimme insbesondere bezüglich Strafwürdigkeit nicht mehr mit den gesellschaftlichen Realitäten überein und verhindere gar eine vernünftige Politik. Der Cannabis-Bericht wurde von der Fachstelle Suchtfragen zusammen mit allen involvierten Stellen von Sanitätsdepartement bis Staatsanwaltschaft erarbeitet. (dapd)

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