Chefredaktor zurückgetreten – «Ich wollte verhindern, dass es noch weitere Opfer gibt»
Aktualisiert

Chefredaktor zurückgetreten«Ich wollte verhindern, dass es noch weitere Opfer gibt»

Nachdem eine junge Journalistin ihren ehemaligen Chef beschuldigte, sie sexuell belästigt zu haben, hat der Mann gestern per sofort seinen Posten verlassen. Er arbeitet nicht mehr bei dem Medium.

von
Seline Bietenhard
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Es habe viel Mut gebraucht, ihren ehemaligen Chef anzuzeigen, sagt die Journalistin Larissa Bucher. 

Es habe viel Mut gebraucht, ihren ehemaligen Chef anzuzeigen, sagt die Journalistin Larissa Bucher.

20 Minuten
Sie wurde Opfer von sexueller Belästigung, erzählt sie.

Sie wurde Opfer von sexueller Belästigung, erzählt sie.

Screenshot Telebasel
Der Chefredakteur habe immer wieder anzügliche Kommentare fallen gelassen, per Nachricht und auch persönlich. (Symbolbild)

Der Chefredakteur habe immer wieder anzügliche Kommentare fallen gelassen, per Nachricht und auch persönlich. (Symbolbild)

20min/Stevan Bukvic

Eine junge Basler Journalistin zeigte im April ihren ehemaligen Chef an. Er soll sie während ihres Praktikums sexuell belästigt haben. Der verantwortliche Verlag des Mediums hielt dennoch an dem Chefredaktor fest. Nun soll der Mann per sofort seinen Posten verlassen haben, wie der «Blick» berichtet. Laut der Zeitung habe der Mann bereits gestern gekündigt, um dem Verlag nicht mehr Schaden zu bereiten. Der verantwortliche Verlag bestätigte diese Information gegenüber 20 Minuten. Wie der CEO zu «Blick» sagte, habe der Chefredaktor diese Entscheidung getroffen, um weiteren Schaden vom Verlag abzuwenden. «Sollten die Vorwürfe von der Staatsanwaltschaft bestätigt werden, ist das absolut zu verurteilen», so der CEO.

«Ich bin gefühlt mit hunderttausend Nachrichten auf meinem Handy aufgewacht», sagt Larissa Bucher zu 20 Minuten. Sie sei froh, dass nun etwas passiert ist. Aber auch perplex, dass es Tage von Berichterstattung brauchte und davor ein halbes Jahr nichts gegangen sei. Aber ein erster Schritt in Richtung Gerechtigkeit sei für sie getan. Und vor allem: «Ich wollte vor allem verhindern, dass es noch weitere Opfer gibt», so Bucher. Jedes Mal, wenn sie an die Zeit erinnert wurde, sei ihr durch den Kopf gegangen, dass sich nun eine andere Frau in ihrer damaligen Lage befinden könnte.

«Ich wollte anderen helfen», hält Bucher fest. Sie engagiert sich im Rahmen des Projekts «Raum für alle» gegen sexuelle Belästigung. «Ich glaube nicht, dass ich so gut damit hätte umgehen können, wenn ich dieses Ventil nicht gehabt hätte», sagt sie. Zudem habe sie viel Unterstützung aus ihrem Umfeld erhalten: «Das war sehr schön zu sehen». Nun steht ihr der Weg durch die Justiz bevor. Die Staatsanwaltschaft führt ein Verfahren und Bucher wird von der Opferhilfe unterstützt. Die Behörde wird nun Beweise sammeln und Einvernahmen durchführen. Bestätigen sich die Vorwürfe in den Ermittlungen, könnte ein Strafbefehl erlassen oder gar Anklage vor Gericht erhoben werden. Solange kein rechtskräftiger Schuldspruch vorliegt, gilt die Unschuldsvermutung.

Wirst du oder wird jemand, den du kennst, sexuell belästigt?

Hier findest du Hilfe:

Belästigt.ch, Onlineberatung bei sexueller Belästigung am Arbeitsplatz

Verzeichnis von Anlaufstellen

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

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