Aktualisiert 15.05.2017 17:06

Summerstage 2017

Baselbieter Juso gegen Auftritt von Xavier Naidoo

Am 7. Juli singt Xavier Naidoo an der Summerstage im Park im Grünen. Die Juso Baselland will den Auftritt des «Marionetten»-Sängers verhindern.

von
rob

Verschwörungstheorien, Antisemitismus, Homophobie – aus Xavier Naidoos Liedern wurde in den vergangenen zwanzig Jahren so manches herausgehört. So auch in seinem neuen Song «Marionetten», in dem er von «Volksverrätern» im Bundestag und einem Kinderpornoring in einer Pizzeria in Washington D.C., einer dem Internet entsprungenen Falschmeldung, singt. Damit sorgte er jüngst wieder für mediale Furore und massig Kritik.

Am 7. Juli soll der deutsche Sänger mit südafrikanischen, indischen und irischen Wurzeln nun zusammen mit den Söhnen Mannheims an der Summerstage im Park im Grünen auftreten. Thomas Dürr, CEO der Veranstalterin act entertainment AG, ist entsetzt über den ganzen Rummel um den Sänger: «Ich finde es schlimm, dass man Künstler, die nicht im Einheitsbrei mitschwimmen, mundtot machen will.»

«Keine Grundlage, den Auftritt abzusagen»

Künstlern sei künstlerische Freiheit gewährt, und das sei auch gut so. Jeder Künstler dürfe in seinen Liedern Kritik üben am Leben und der Gesellschaft. «Ausserdem hat Naidoo in seinen Liedern schon immer mit religiösen und sexuellen Inhalten gespielt», so Dürr. Man müsse sich inhaltlich mit Naidoo auseinandersetzen.

«Der Text bietet keine Grundlage, das Lied zu verbieten oder seinen Auftritt an der Summerstage abzusagen», sagt er weiter im Zusammenhang mit «Marionetten».

Naidoo selber sei überrascht gewesen über den Hass, dem ihn für seinen neuen Song entgegenschlug. Am 9. Mai hat er sich deshalb auch auf Facebook mit einer ausführlichen Nachricht erklärt und geschildert, dass er und die Söhne Mannheims für eine «freiheitliche, offene, liberale und demokratische Gesellschaft» einstehen, diese aber auch kritisch hinterfragt werden dürfe.

«Meinungsfreiheit hört auf, wo Hetze betrieben wird»

Was für den Sänger kritisches Hinterfragen ist, ist für die Juso Baselland Hetze. «Wir setzen uns für Meinungsfreiheit ein. Doch diese hört auf, wo gezielte Hetze gegen spezifische Volksgruppen betrieben wird», sagt Ronja Jansen, Co-Präsidentin der Juso Baselland. Die Juso spricht sich via Facebook aufgrund der aktuellen Geschehnisse und Naidoos Reichweite gegen dessen Auftritt an der Summerstage aus, der über den Swisslos-Fonds auch von der Regierung mitfinanziert wird. «Wir wollen auf diesen Missstand aufmerksam machen», sagt die 22-Jährige.

Naidoo habe in der Vergangenheit schon mehrfach Hass gegen Homosexuelle, Juden sowie Ausländer geschürt und sich im Nachhinein davon distanziert. «Das ist schon so oft vorgekommen, dass man seine Erklärungen nicht mehr ernst nehmen kann», so Jansen. Dass Naidoo trotz der vielen Kritik nicht sensibler mit seinen Texten umgehe, liesse vermuten, dass er es so wolle.

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