Aktualisiert 28.02.2018 21:23

Bannons Zürich-Besuch

«Basis will die politische Klasse schlagen»

Anlässlich des Besuchs in Zürich spricht Trumps ehemaliger Stratege Steve Bannon über den Aufstand der Wähler gegen das Establishment.

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Demonstranten ziehen gegen Steve Bannons Auftritt durch Zürich-Oerlikon. (6. März 2018)

Demonstranten ziehen gegen Steve Bannons Auftritt durch Zürich-Oerlikon. (6. März 2018)

Keystone/Melanie Duchene
Die Protestierenden wollen ein Zeichen gegen Rassismus, Sexismus und Ausbeutung setzen.

Die Protestierenden wollen ein Zeichen gegen Rassismus, Sexismus und Ausbeutung setzen.

Keystone/Melanie Duchene
Bannon habe als Wahlkampfleiter von Donald Trump dafür gesorgt, dass dessen rassistische, sexistische und nationalistische Präsidentschaftskampagne erfolgreich war.

Bannon habe als Wahlkampfleiter von Donald Trump dafür gesorgt, dass dessen rassistische, sexistische und nationalistische Präsidentschaftskampagne erfolgreich war.

Keystone/Melanie Duchene

Donald Trumps Ex-Chefstratege Steve Bannon wird am 6. März in Zürich über seine Zeit im Weissen Haus referieren. «Die populistische Revolte und ihre globalen Auswirkungen für die Schweiz, Europa und Amerika», ist der Titel der Veranstaltung. Die «Weltwoche» hat ihn eingeladen und ihn aus diesem Anlass interviewt.

Bannon vergleicht den Populismus in den USA mit jenem in Europa. So sieht er etwa bei den Wahlen in Italien vom 4. März einen «populistischen Aufstand» mit unterschiedlichen politischen Hintergründen. «Über ganz Europa sehen wir die Feuer des Populismus aufflammen», sagt er.

Die Auswirkungen der Globalisierung

Die Leute würden das Heft wieder selbst in die Hand nehmen wollen. Denn die Eliten hätten den Kontakt zum Volk verloren. Die Bewegung sei nicht auf einzelne Länder beschränkt, auch nicht auf ein einzelnes Volk. So wie die AfD in Deutschland die SPD überholt habe, hätten sich die Wähler in Südkorea im vergangenen Jahr gegen die Eliten erhoben.

«Ich denke, das sind die Auswirkungen der Globalisierung», sagt Bannon im Interview weiter. Auch die moderne Kommunikationsgesellschaft sei ein Faktor, in der Menschen jenseits der traditionellen Medien über Facebook, Twitter oder Snapchat miteinander in Kontakt treten.

Revolte als natürliche Reaktion

Bannon erkennt eine Renaissance konservativer Medien, was der populistischen Bewegung helfe. «Die Eliten haben sich nie um diese Menschen gekümmert.» Die Entwicklung sei deshalb eine natürliche Reaktion, um sich mit einer Revolte Gehör zu verschaffen.

Die Juso protestiert gegen Bannons Besuch. Man wolle diesen «garantiert nicht kommentarlos geschehen lassen», sagte Präsidentin Tamara Funiciello im Vorfeld. «Jetzt kommen diese überprivilegierten Sexisten und Rassisten.» Meinungsäusserungsfreiheit sei wichtig, sagte sie, «aber Rassismus und Sexismus sind keine Meinungen.» Bannon versteht diese Kritik nicht. Er sieht sie als Versuch, die freie Meinungsäusserung zu unterbinden. «Oder fürchtet man sich vor Ideen?»

Entschlossen gegen die politische Klasse

Die populistische Bewegung sei auch in den USA nach wie vor im Gang. Bannon prophezeit Sitzgewinne im US-Senat. «Die Menschen an der Basis sind entschlossen, die politische Klasse zu schlagen.» Die Mainstream-Medien würden sich dagegenmit Vorliebe um Getratsche im Weissen Haus kümmern.

Nach einer Schelte à la Trump an die Adresse der Sender CNN und MSNBC teilt Bannon auch gegen die klassischen Zeitungen aus: «Ich lese nicht die New York Times oder die Washington Post. Das ist nicht der Puls.» Auf die Frage, ob die Rücktrittsforderungen gegen Stabschef John F. Kelly gerechtfertigt seien, sagt er: «Man kann den Mann nicht wegen eines Fehlers verurteilen.» Kelly hatte Stabssekretär Rob Porter verteidigt, der wegen häuslicher Gewalt gegen seine Ehefrau den Posten räumen musste.

Bis zum Ende des Patriarchats

Bannon gibt sich als Freund aller Bewegungen gegen das Establishment. So ist er etwa überzeugt, dass Rechts-Wähler auch die #metoo-Bewegung unterstützen sollten.

«Ich denke, die Menschen der populistischen Rechten sollten dieser Bewegung wenigstens gebührend Respekt zollen.» Bei der Verleihung der Golden Globe Awards hatten alle Teilnehmer schwarz getragen, um anlässlich der Skandale um sexuelle Belästigung in der Film- und Fernsehbranche ein Zeichen zu setzen.

Bannon sieht im linken Ur-Anliegen, ein Ende des Patriarchats herbeizuführen, das Ziel der Strömung. «Bei der Bewegung geht es darum, das Patriarchat zu beenden», sagt er.

Führungspersönlichkeiten

Die #metoo-Bewegung sei auf verschiedene Köpfe verteilt, sie brauche, ebenso wie die rechtspopulistischen Strömungen keine Führungspersönlichkeiten.

Es sei eben nicht so wie in Europa, wo man immer nach einem grossen Führer suche. Populistische Bewegungen würden sich selbst organisieren – so auch jene im amerikanischen Wahlkampf: «Bei der populistischen Bewegung trat erst bei den Präsidentenwahlen eine Führungspersönlichkeit in Erscheinung. Das war Donald Trump.»

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