Publiziert

«Racial Profiling»Basketballer verliert Job wegen rassistischer Polizei

Basketballspieler Mike Scott wurde mit Drogen im Auto erwischt, er wanderte beinahe 25 Jahre hinter Gitter. Nun hat sich das Blatt gewendet.

von
Adrian Hunziker
1 / 4
Mike Scott spielte während beinahe fünf Saisons in der NBA für die Atlanta Hawks.

Mike Scott spielte während beinahe fünf Saisons in der NBA für die Atlanta Hawks.

/Drew Hallowell
Dann wurde dem Teamkollegen des Schweizers Thabo Sefolosha (r.) eine Polizeikontrolle zum Verhängnis. In seinem Auto wurden Drogen gefunden, dem damals 27-Jährigen drohten 25 Jahre Gefängnis.

Dann wurde dem Teamkollegen des Schweizers Thabo Sefolosha (r.) eine Polizeikontrolle zum Verhängnis. In seinem Auto wurden Drogen gefunden, dem damals 27-Jährigen drohten 25 Jahre Gefängnis.

AP/David Goldman
Nun kam heraus, dass die Polizei Scott und seinen Bruder zu unrecht angehalten hatten. Noch schlimmer, sie hatten aus rassistischem Grund gehandelt, also das Auto nur gestoppt, weil die beiden Männer Afroamerikaner sind. Der verantwortliche Beamte wurde mittlerweile entlassen und die Drogen-Anklage gegen Scott fallen gelassen.

Nun kam heraus, dass die Polizei Scott und seinen Bruder zu unrecht angehalten hatten. Noch schlimmer, sie hatten aus rassistischem Grund gehandelt, also das Auto nur gestoppt, weil die beiden Männer Afroamerikaner sind. Der verantwortliche Beamte wurde mittlerweile entlassen und die Drogen-Anklage gegen Scott fallen gelassen.

Scott Cunningham

Mike Scott gehörte in der nordamerikanischen Profiliga NBA nicht zu den Superstars. Er besass aber bei den Atlanta Hawks – dem Team mit dem Schweizer Thabo Sefolosha – einen Dreijahresvertrag, der ihm jährlich 3,4 Millionen Dollar einbrachte. In seiner besten Saison 2013/14 machte er 80 Spiele für die Hawks und erzielte stattliche 9,6 Punkte im Schnitt. Das Leben hatte es mit Scott gut gemeint – bis zum 30. Juli 2015.

Der damals 27-Jährige war ausserhalb Atlantas in seinem Auto unterwegs, am Steuer sass sein 20-jähriger Bruder Antonn. Da wurden die beiden von der Polizei gestoppt, die Beamten untersuchten den Wagen. Wie im Protokoll aufgeführt wurde, fand die Polizei im Wagen 35 Gramm Marihuana und 11 Gramm der Droge MDMA. Dem NBA-Spieler drohte wegen Drogenbesitzes eine Gefängnisstrafe von 25 Jahren. Und obwohl seine Schuld zu diesem Zeitpunkt noch nicht bewiesen war, ging es mit Scott danach abwärts.

Mutmassliche Straftat geht nicht vergessen

Zwar machte er in der folgenden NBA-Saison noch 75 Spiele, 2016/17 waren es wegen einer Knieverletzung aber nur noch deren 18. Dann tradeten die Hawks den 2,03 m grossen Forward im Februar 2017 zu den Phoenix Suns. Diese entliessen Scott nur einen Tag später. Die hängige Anklage des Spielers hing wie ein Damoklesschwert über ihm, kein Team wollte sich mit seiner Verpflichtung die Hände schmutzig machen. Seither ist Scott vereinslos.

Nach dieser Negativspirale gibt es nun positive Nachrichten für den Basketballer. Ein Gericht in Atlanta liess die Anklage gegen Scott fallen. Es war herausgekommen, dass die involvierten Polizisten die beiden afroamerikanischen Männer zu unrecht verhaftet hatten. Die Polizisten hatten sich des «Racial Profiling» – Fahndung nach rassischen Kriterien – schuldig gemacht.

Kein Einzelfall in Atlanta

Die Polizisten hatten die Brüder Scott angehalten und das Auto durchsucht, nur weil sie schwarz sind, also einer Minderheit angehören. Wie die Untersuchungen weiter ergaben, hatten die involvierten Polizisten zwischen 2015 und 2016 1400 Autos angehalten und 47 Fahrer verhaftet. Von diesen gehörten 44 Personen einer Minorität an.

Nachdem das Fehlverhalten der Polizei öffentlich gemacht worden war, wurde der hauptverantwortliche Beamte entlassen. Der zuständige Richter Currie Mingledorff sagte, dass «der Beamte seiner Aufgabe als Polizist nicht in einer rassenneutralen Art nachgegangen war.» Das Anhalten der Scott-Brüder sei ungerechtfertigt gewesen und aus rassistischer Motivation erfolgt. Ausserdem sei die Durchsuchung des Wagens nicht sauber durchgeführt worden. Deshalb seien die Drogen als Beweismittel vor Gericht unzulänglich, so der Richter weiter.

Sefolosha freigesprochen

Kurz vor Scotts Verhaftung war Teamkollege Sefolosha vor Gericht freigesprochen worden. Der Schweizer war im Frühling 2015 bei einer Auseinandersetzung von Teamkollegen mit der Polizei von Beamten verhaftet worden. Dabei brachen die Polizisten dem Schweizer das rechte Wadenbein. Auch bei diesem Vorfall schien eine rassistische Grundlage vorzuliegen, musste sich doch der dunkelhäutige Sefolosha gegen mehrere weisse Polizisten zur Wehr setzen.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.