Basler Fasnacht überlebte alle Verbots-Versuche
Aktualisiert

Basler Fasnacht überlebte alle Verbots-Versuche

Den Morgestraich gibt es erst seit 1835 – die Basler Fasnacht ist aber über 600 Jahre alt. Sie hat überlebt, obschon die Obrigkeit sie immer wieder verbieten wollte.

Urkundlich wird die Basler Fasnacht 1376 zum ersten Mal erwähnt. Sie wandelte sich von der Volksbelustigung vor der 40-tägigen Fastenzeit über die Musterungsmärsche der Zünfte zum heutigen Monster-Happening. Und niemand hat es geschafft, die Fasnacht zu verbieten: Herzog Wilhelm von Bayern 1435 mit seinem Tanzverbot nicht, die religiösen Eiferer nach der Reformation 1529 nicht und auch nicht die französischen Besatzungstruppen 1798/99. Die Obrigkeit fürchtete damals weniger das zügellose Treiben als vielmehr die Systemkritik. Anscheinend galt vor über 200 Jahren bereits das Motto der diesjährigen Fasnacht: «Kai Blatt vors Muul!».

«Dass die Fasnacht sich hier so intensiv entwickelt hat, ist unter anderem dem fast schon chauvinistischen Stolz des Baslers auf seinen Volksbrauch zu verdanken», sagt Dennis L. Rhein. Laut Fasnachtskenner Rhein ist die Form, wie die Fasnacht heute abläuft, nur etwas mehr als 100 Jahre alt: 1884 wurde die VKB als erste Clique gegründet, und 1906 taucht erstmals das Wort «Guggemusik» auf. 1910 formierte sich das Comité, und 1911 erschien die erste Blaggedde. Der Boom der Gründung neuer Gruppierungen setzte nach dem Zweiten Weltkrieg ein. Mit den Jahren übertönten die Guggen die Cliquen, so dass 1962 der Morgestraich erstmals ohne Guggen durchgeführt wurde. Dafür vereinnahmten diese den bis anhin noch relativ «stillen» Dienstag für ihre Platzkonzerte.

(lvi)

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