Aktualisiert 15.08.2014 13:52

TeilzeitmännerBasler Männer sollen weniger arbeiten

Teilzeitarbeit für Männer wird in Basel neuerdings staatlich propagiert. Auch in der Regierung hält dank jungen Vätern Flexibilität im Arbeitsalltag Einzug.

von
Lukas Hausendorf
Lukas Engelberger und seine Frau Kirsten freuen sich über seine Wahl in den Regierungsrat. Für den CVP-Politiker beginnt nun der Härtetest: Lässt das Amt genug Zeit für seine Kinder?

Lukas Engelberger und seine Frau Kirsten freuen sich über seine Wahl in den Regierungsrat. Für den CVP-Politiker beginnt nun der Härtetest: Lässt das Amt genug Zeit für seine Kinder?

Baschi Dürr (37) machte landesweit Schlagzeilen, als er verkündete, auch im Amt als Regierungsrat einen halben Tag pro Woche für die Familienarbeit freihalten zu wollen. Der Basler Justizdirektor nahm das nicht nur für sich in Anspruch. Auch jeder Job in seinem Departement sollte fortan auch als Teilzeitstelle angeboten werden. Die Basler Abteilung für Gleichstellung propagiert mehr Teilzeitarbeit für Männer nun im frisch lancierten zweiten Teil der Kampagne Männersache.

Unternehmen mit familienfreundlichen Massnahmen erzielten rund 8 Prozent mehr Rendite und mittlerweile gebe es bei Grossunternehmen wie auch KMU gute Beispiele dafür, dass Karriere und Teilzeit sich nicht ausschliessen würden, heisst es in der Kampagne. Die Wirklichkeit für die meisten Männer ist aber eine andere.

Regierungsräte als Vorbilder

«Die traditionellen Männlichkeitsvorstellungen sind immer noch vorherrschend», sagt die Basler Gleichstellungsbeauftragte Leila Straumann. Tatsächlich arbeitet nur jeder siebte Mann Teilzeit, bei den Frauen sind es mehr als die Hälfte. Wie aktuelle Erhebungen zeigen, wünschten sich aber 90 Prozent der Männer eine reduziertes Arbeitspensum. Ein gesellschaftlicher Wandel bahnt sich an. Baschi Dürrs Initiative für Teilzeitarbeit sei darum vorbildlich. «Er hat ein wichtiges Signal ausgesendet», sagt sie.

Auch der frisch gewählte Basler Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger steht als Vater dreier junger Kinder vor der Herausforderung, Familienleben und ein anspruchsvolles Exekutivamt unter einen Hut zu bringen. «Die Arbeitswelt ist dank der neuen Kommunikationsmittel flexibler geworden», sagt der 39-Jährige. Er werde auch weiterhin morgens etwas Zeit mit seinen Kindern verbringen. «Die Politik muss das auch möglich machen», findet er.

«Würden Leute mit Kindern solche Ämter nicht übernehmen können, würde eine wichtige Perspektive fehlen», sagt Engelberger. Die Regierung müsse schliesslich die breite Gesellschaft repräsentieren, da gehörten junge Familien unbedingt dazu.

Anspruch kollidiert mit Wirklichkeit

«Es wäre doch auch mal interessant, einen Mann in der Baselbieter Regierung zu haben, der diese oder jene Verpflichtung einfach mal sausen lässt und sich auch mal während des Tages für seine Kinder ausklinkt», findet der Arlesheimer Polit-Blogger Manfred Messmer. Im Baselbiet ist man aber noch nicht so weit. Hier haben Regierungsräte fast nur erwachsene Kinder. Für die Neuwahlen im Februar wurde unlängst Andreas Büttiker, Direktor der Baselland Transport AG, als Kandidat ins Spiel gebracht. Er wäre ideal, waren sich viele Beobachter einig. Doch nach wenigen Tagen nahm sich der sechsfache Vater selbst aus dem Rennen: «Als Regierungsrat hat man kaum mehr Zeit für seine Kinder», sagt er auf Anfrage von 20 Minuten.

In seinem jetzigen Beruf als Direktor der BLT könne er seine Zeit freier gestalten. Sind Regierungsräte vielleicht doch nicht so flexibel, wie sie es gerne hätten? Büttiker, der seit 20 Jahren regelmässig mit den Magistraten verkehrt, ist sich sicher: «Der Wunsch ist das eine, die Realität das andere.»

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.