Neurowissenschaftler Dominique de Quervain - Basler Professor verweigert Vorlesung vor ungeimpften Studierenden
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Neurowissenschaftler Dominique de QuervainBasler Professor verweigert Vorlesung vor ungeimpften Studierenden

In einem Monat beginnt das neue Semester. Um Studierende vor Covid-Erkrankungen zu schützen, fordert Dominique de Quervain eine Zertifikatspflicht für Hörsäle – sonst verweigere er den Präsenzunterricht.

von
Gabriela Graber
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In einem Monat beginnt an Hochschulen das neue Semester. 

In einem Monat beginnt an Hochschulen das neue Semester.

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Um Studierende vor Covid-Infektionen zu schützen, will Dominique de Quervain, Professor für kognitive Neurowissenschaften an der Universität Basel, vorläufig keinen Präsenzunterricht anbieten. 

Um Studierende vor Covid-Infektionen zu schützen, will Dominique de Quervain, Professor für kognitive Neurowissenschaften an der Universität Basel, vorläufig keinen Präsenzunterricht anbieten.

Universität Basel, Florian Moritz
«Der Bund erlaubt Vorlesungen mit 500 und mehr Studierenden in schlecht belüfteten Hörsälen, ohne Covid-Zertifikat, ohne Abstandsregel und bloss mit Textilmaske ausgerüstet», so de Quervain 

«Der Bund erlaubt Vorlesungen mit 500 und mehr Studierenden in schlecht belüfteten Hörsälen, ohne Covid-Zertifikat, ohne Abstandsregel und bloss mit Textilmaske ausgerüstet», so de Quervain

Darum gehts

  • Dominique de Quervain, Professor an der Universität Basel, will im neuen Semester vorläufig keine Präsenzvorlesungen halten.

  • Er begründet dies mit ungenügenden Schutzkonzepten und einer zu tiefen Impfrate unter den Studierenden.

  • Insbesondere befürchtet der Neurowissenschaftler vermehrte Fälle von Longcovid unter Studierenden.

  • Für seinen Schritt erhält der Professor viel Zuspruch auf Twitter – aber auch Kritik.

«Solange ungeimpfte und ungetestete Studierende in Hörsälen zugelassen sind, werde ich keine Präsenzvorlesung an der Universität anbieten», schreibt Dominique de Quervain, Professor für kognitive Neurowissenschaften an der Universität Basel am Montag auf Twitter.

Ungenügende Schutzmassnahmen in Hörsälen

Der Neurowissenschaftler befürchtet eine Zunahme der Covid-Infektionen unter Studierenden: «Der Bund erlaubt Vorlesungen mit 500 und mehr Studierenden in schlecht belüfteten Hörsälen, ohne Covid-Zertifikat, ohne Abstandsregel und bloss mit Textilmaske ausgerüstet», so de Quervain. Gleichzeitig seien zurzeit nur etwa die Hälfte der Studierenden geimpft – und zudem sei ihre Altersgruppe am stärksten von Neuinfektionen betroffen. Er befürchtet daher Longcovid unter Studierenden, das auch bei milden Covid-Erkrankungen häufig entstehe: «Für Studierende dürften vor allem die langanhaltenden neurologischen Longcovid-Symptome wie Erschöpfung, Konzentrations- und Gedächtnisprobleme ein grosses Problem darstellen», schreibt er auf Twitter. Er werde deshalb seine Vorlesungen bis auf Weiteres online anbieten.

Zuspruch von Uni-Mitarbeitenden und Studierenden

Auf Twitter erfährt der Professor viel Zuspruch für seinen Entscheid: «Ich kann dem nur beipflichten. Werde genauso verfahren. Alles andere ist verantwortungslos und daher nicht vertretbar», schreibt etwa Andreas Papassotiropoulos, Professor für Molekulare Neurowissenschaften an der Universität Basel. Viele weitere Professorinnen und Professoren hätten sich bei ihm gemeldet und wollen nun ebenfalls keinen Präsenzunterricht, so de Quervain. Auch Studierende zeigen sich aufgrund des Semesteranfangs besorgt: «Ende August beginnt mein MAS an der ZHAW. Ich wünschte, die Dozenten würden das gleich handhaben», schreibt etwa User Felix Huber.

Allerdings warnen einige auch vor einem weiteren Fernunterricht, weil er etwa der Psyche der Studierenden nicht guttue: «Genau das war zu befürchten. Es braucht eine höhere Impfquote und klare Zulassungsbedingungen für Hörsäle, damit Studierende in der Schweiz nicht auch noch ein viertes Semester allein vor dem Bildschirm verbringen», so etwa Theres Luethi, Journalistin bei der NZZ am Sonntag.

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