Aktualisiert 21.07.2017 09:40

Menschliche Intelligenz

Basler sagt mit App den Algorithmen den Kampf an

Ask Mask liefert Antworten von echten Menschen und setzt auf absolute Anonymität. Die App eines Basler Start-ups ist auch eine Kritik an der Datensammelwut von Google und Co.

von
lha
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Die Macher hinter der Maske: Christoph Wirz, Jonas Schwarz und Fabian Schumacher.

Die Macher hinter der Maske: Christoph Wirz, Jonas Schwarz und Fabian Schumacher.

20 Minuten/lha
Ask Mask wirbt mit dem Versprechen, dass die Nutzer anonym bleiben, für sich. Der Name ist Programm, jeder User erhält eine virtuelle Maske.

Ask Mask wirbt mit dem Versprechen, dass die Nutzer anonym bleiben, für sich. Der Name ist Programm, jeder User erhält eine virtuelle Maske.

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Über Keywords kann man definieren, zu welchen Themen man selbst Auskunft geben kann. Kommt eine passende Frage, wird man benachrichtigt.

Über Keywords kann man definieren, zu welchen Themen man selbst Auskunft geben kann. Kommt eine passende Frage, wird man benachrichtigt.

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«Wie viele Menschen braucht es, damit man jede Frage der Welt beantworten kann?», fragt Jonas Schwarz. Diese Frage ist in etwa der Ausgangspunkt des Start-ups Ask Mask, das auf die Kraft der Schwarmintelligenz setzt. Die App, die vorerst nur für iOS-Geräte erhältlich ist, ist gleichzeitig auch eine leise Kritik an der fortschreitenden Digitalisierung und dem wachsenden Einfluss der künstlichen Intelligenz. Schwarz setzt ganz auf den Faktor Mensch.

Ask Mask ermöglicht den Nutzern, anonym Fragen zu stellen, die dann von anonymen Usern beantwortet werden. Anonymität im Netz sei ein grosses Thema, so Schwarz. «Es geht darum, wie wir mit den digitalen Spuren, die wir im Netz legen, umgehen», erklärt er. Wer bei Google eine Suchabfrage tätigt, legt so eine Spur. Je mehr Abfragen, desto klarer wird das Profil des Nutzers. Was aber geschieht mit diesen Daten? Ask Mask schütze die Daten seiner User, betont Schwarz. Daher auch der Name. «Jeder Nutzer wird selbst zur Maske», erklärt er.

User wollen praktisches Wissen und Dienstleistungen

Die App kann bereits auf eine erfolgreiche Testphase zurückblicken. Diese brachte für Schwarz und seine Mitstreiter wertvolle Erkenntnisse. Über 1000 Fragen wurden schon gestellt. Gefragt ist vor allem praktisches Wissen. «Life-hacks und Hosensackwissen», nennt es Schwarz. Mehr als die Hälfte fragte allerdings nach Dienstleistungen. Und genau hier wittert Schwarz ein lukratives Geschäft. «Ist ja klar, wir sind keine Altruisten und wollen auch Geld damit verdienen.» Konkret: Dienstleister haben die Möglichkeit, direkt mit einem möglichen Endkunden ins Gespräch zu kommen, wenn dieser nach ihrem Angebot fragt.

Fragt beispielsweise ein User, wie er Krankenkassenprämien sparen kann, könnte ein Versicherungsbroker mit dem User in Kontakt treten. Gesetzt der Fall, der Broker hat Alerts auf die entsprechenden Keywords gekauft. «Hinter jeder Frage steckt ein potentieller Kunde, dieser bleibt aber anonym, während Dienstleister transparent auftreten müssen», erklärt Schwarz. Im Gegensatz zu den normalen Nutzern können Geschäftskunden aber keine Fragen stellen, um Kunden zu ködern. Sie können einzig, ähnlich wie bei Google, Schlüsselwörter abonnieren.

Fragen-Kontrolle gegen illegale Aktivitäten

Und wie kann verhindert werden, dass die App nicht für kriminelle Machenschaften missbraucht wird? Die garantierte Anonymität der Nutzer schafft entsprechende Anreize. «Wir kontrollieren sämtliche Fragen und Schlüsselwörter», sagt Schwarz. Sprich: Wer nach Drogen oder einem Auftragsmörder fragt, fliegt raus. Die Dialoge blieben allerdings privat. «Wenn sich daraus der ein oder ander Flirt ergibt, haben wir nichts dagegen.»

Erfolg kommt nicht aus dem Nichts

Mit einer Kampagne wollen Schwarz und seine Mitstreiter die App nun bekannt machen. Aber wie landet man mit einer App einen Hit? «Klinkenputzen», sagt Schwarz. Erfolg aus dem Nichts, sei ein Mythos. «Es braucht Glück, Geld und Zeit, wir suchen auch noch Investoren.» Schwarz versucht auch an Kontakte im Silicon Valley anzudocken. Vergangenes Jahr konnte er auf Einladung der Schweizer Exportförderung Swissnex zwei Wochen nach San Francisco. Wie wertvoll dieses Netzwerk für sein neues Start-up ist, wird sich nun zeigen.

Jonas Schwarz und Christoph Wirz erläutern die Überlegungen, hinter der App. (Video: Ask Mask)

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