Neues Statussymbol: Basler Tierheime sind voll mit teuren Rassenkatzen
Aktualisiert

Neues StatussymbolBasler Tierheime sind voll mit teuren Rassenkatzen

Zucht-Katzen dienen den Haltern oft als Statussymbol. Social Media haben diesen Trend noch verstärkt. Das Nachsehen haben die Tiere, die im Heim landen.

von
jd
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Anouk Benziad, Leiterin des Katzenheims in Muttenz (BL), mit einer dieser Rassenkatzen.

Anouk Benziad, Leiterin des Katzenheims in Muttenz (BL), mit einer dieser Rassenkatzen.

cs
Was guckst du? Rassenkatzen haben einen schweren Stand.

Was guckst du? Rassenkatzen haben einen schweren Stand.

cs
Hübsch sind sie ja. Sie werden aber vermehrt ins Tierheim gebracht, wenn sie als Foto-Objekt ausgedient haben.

Hübsch sind sie ja. Sie werden aber vermehrt ins Tierheim gebracht, wenn sie als Foto-Objekt ausgedient haben.

Keystone/AP

Die Katze hat das Internet erobert: Egal wo man hinschaut, stösst man auf Fotos mit süssen Büsis. Dabei handelt es sich oft nicht um Katzen vom Bauernhof oder ein normales Tigerli, sondern um Tiere vom Züchtern. «Wir haben tonnenweise Zuchtkatzen bei uns. Es sind einfach zu viele», seufzt Anouk Benziad, Leiterin des Tierschutzbundes Basel. Die Palette der Rassen ist breit: Maine Coon, Perser, Siam, Britisch Kurzhaar – sie alle wurden von ihren Besitzern ausrangiert und weilen zurzeit bei Benziad.

Vierbeiner würden schon länger als Statussymbol dienen, «doch Facebook und Instagram haben es noch schlimmer gemacht», so Benziad zu den Gründen. Die Leute seien besessen davon, sich mit der Katze zu präsentieren und inszenierten dies bis zum Exzess. Dabei sei den Haltern egal, dass das Tier nicht zu ihnen passe – Hauptsache das Äussere würde stimmen. «Das ist, als ob wir unseren Partner lediglich nach dem Aussehen wählen, das kommt ja selten gut», konstatiert sie.

Schwarze Schafe unter Züchtern

Bis vor kurzem sei es extrem schwierig gewesen, überhaupt eine Rassenkatze zu besitzen. Es existierten nur wenige Züchter und es gab bei diesen bloss zwei Würfe pro Jahr. Einer im Frühling, der andere im Herbst. «Mittlerweile kann man ganzjährig gezüchtete Büsis kaufen», so Benziad. In Basel und Region würden die Züchter nur so aus dem Boden spriessen. Darunter befänden sich auch dubiose Gestalten. Diese verkauften die Samtpfoten zu Spottpreisen, obwohl oder gerade weil sie bei schlechter Gesundheit seien.

So wurden Benziad zwei Main-Coon-Kätzchen übergeben, die für 1600 statt die sonst üblichen 3200 Franken gekauft wurden. «Sie hatten ein verfilztes Fell und Zähne in einem wirklich schrecklichen Zustand», sagt Benziad. Der Halter habe wohl keine Lust gehabt, Geld in den Tierarzt zu investieren. Die gezüchteten Büsis aber liessen sich nicht leicht vermitteln: «Leider besteht bei vielen Leuten kein Interesse, ein Rassentier aufzunehmen. Wer zu uns kommt, will eine normale Hauskatze», so Benziad.

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