Aktualisiert 08.02.2010 15:36

Baz-KaufBasler Zeitung in rechter Hand

Nach der Weltwoche und dem Jean Frey Verlag «rettet» Tito Tettamanti die Basler Zeitung vor den Zürcher Medienhäusern. Obs dem Financier und rechtskonservativen Visionär dabei tatsächlich um die Meinungvielfalt geht, bleibt offen.

von
voi
«Vollblut-Kapitalist» Tito Tettamanti

«Vollblut-Kapitalist» Tito Tettamanti

Tito Tettamanti ist als Financier so erfolgreich wie umstritten. Seine Karriere startete der 79-jährige Tessiner jedoch nicht in der Wirtschaft, sondern in der Politik. 1959 wurde er als Vertreter der CVP jüngster Regierungsrat in der Geschichte des Tessins.

Aus diesem Amt musste er aber nach anderthalb Jahren zurücktreten, weil er einem Bauunternehmer eine Busse ohne Rechtsgrundlage massiv reduziert hatte. Daraufhin verabschiedete sich der Jurist, der in Bern promoviert hatte, von der politischen Bühne.

Ein Jahr nach seinem Rücktritt gründete er in Lugano den Treuhand-Riesen Fidinam, dessen Hauptaktionär und Ehrenpräsident er ist.

Bald wurde es dem Sohn eines Bankprokuristen in seiner Heimat zu eng. In Toronto gründete Tettamanti eine Fidinam-Tochter. Als Immobilienunternehmer und Financier tätigte er in den 1980er-Jahren weltweit Geschäfte. Er ging dabei stets nach ähnlichem Muster vor. Tettamanti kaufte Aktienpakete von unterbewerteten Firmen und stiess sie ab, nachdem er den Kurs in die Höhe getrieben hatte. Nach dem Börsencrash von 1987 kehrte er wieder in die Schweiz zurück.

Stets Financier, nur selten Unternehmer

Nach seiner Rückkehr versuchte der «Vollblut-Kapitalist» (NZZ) sein Glück als Industrieller. Im Herbst 1987 übernahm er mit Partnern einen Drittel der Sulzer-Aktien. Im Management stiess er mit seinen Plänen jedoch auf heftigen Widerstand. So verkaufte er sein Paket mit grossem Profit an den später verurteilten Finanzjongleur Werner K. Rey. 1988 stieg Tettamanti beim Arboner Industrie-Unternehmen Saurer ein, dessen Präsident und danach Ehrenpräsident er bis 2000 war. Im Jahre 2005 machte der Vater von drei Töchtern mit seinen Engagements bei Ascom und SIG Holding noch einmal als Financier von sich reden.

Weltwoche-Finanzierung nie offen gelegt

Zuvor hatte er bereits für Schlagzeilen gesorgt, als er im Jahr 2001 die Aktienmehrheit des Jean-Frey-Verlags übernahm, der damals Titel wie «Weltwoche», «Bilanz» oder «Beobachter» herausgab. Nie wurde offengelegt, wer sich alles beim Kauf der Weltwoche engagierte. Aus dem einst liberalen Blatt wurde in kurzer Zeit eine Zeitung, die wöchentlich aus der Bewunderung für SVP-Stratege Christoph Blocher keinen Hehl macht. Medienbeobachter vermuten unter anderem deshalb nach wie vor, dass der Alt-Bundesrat hinter dem Kauf des Jean-Frey-Verlags stand. Damit konnte in letzter Minute die Übernahme durch den Zürcher Riniger-Verlag verhindert werden, der sich mit Baz-Verleger Hagemann schon einig war.

Gegen den EU-Beitritt, für das Bankgeheimnis

Als Chefredaktor der Weltwoche installierte Tettamanti Roger Köppel, der 2006 inzwischen als Herausgeber und Verleger in die Selbständigkeit entlassen wurde, und die Zeitschrift auf stramm rechtem Kurs hält. Der epische Kampf gegen die drohende Auflösung des Bankgeheimnisses und die Zementierung des Nichtbeitritts der Schweiz zur EU sind in der Weltwoche seither die wöchentliche Grundkost. Auch heute ist unklar, wie sich die Weltwoche finanziert. Die dürre Inseratelage steht der Aussage des Verlegers Köppel gegenüber, man schreibe schwarze Zahlen.

Tettamanti, der sein erstes grosses Geld mit Immobilien im Tessin machte, die er an vermögende Italiener verkaufte, die ihr Geld vor dem italienischen Fiskus in die Schweiz gerettet hatten, wird auf ein Vermögen von über 400 Millionen Euro geschätzt. Geld zu verlieren, sei gegen sein Prinzip, sagte Tettamanti einmal. Falls er für die Basler Zeitung eine Aussnahme macht, wird Tettamanti publizistische Gegenleistungen erwarten. (voi/sda)

Stimmen zum Baz-Verkauf

Der Verkauf der Basler Zeitung Medien (BZM) an zwei Privatinvestoren sei ein gutes Zeichen für die Medienvielfalt. Die langfristigen Absichten des Financiers Tito Tettamanti blieben jedoch im Dunkeln. Einzig die Gewerkschaft zeigt sich wenig erfreut.

Gegenstand spekulativer Aktionen werden könnten. Tito Tettamanti habe sein Vermögen mit undurchsichtigen Finanzmarktgeschäften erworben, er sei kein Garant für demokratische Öffentlichkeit. Comedia forderte die neuen Eigentümer auf, die Belegschaften der Basler Zeitung Medien AG nicht noch weiter auszupressen und die Redaktionen in politischer Unabhängigkeit arbeiten zu lassen.

wichtige Tageszeitung bleibt unabhängig», stellte der Zürcher Publizist und Journalist Karl Lüönd fest. Das trage dazu bei, dass die Pressevielfalt in der Schweiz bestehen bleibe, sagte er am Montag auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA.

Das Interesse am Basler Verlag sei gross gewesen. «Die beiden Schweizer Grossverlage Tamedia und NZZ-Gruppe und mindestens ein Verlag aus dem Ausland haben sich um die Basler bemüht», sagte Lüönd.

Ins gleiche Horn stösst der Präsident des Verbandes Schweizer Presse, Hanspeter Lebrument. Der Basler Entscheid wirke der Konzentration in der Schweizer Medienbranche entgegen. Er begrüsse, dass in Basel weiterhin ein unabhängiger Verleger tätig sei. Damit bleibe das Kräfteverhältnis unter den Schweizer Medien erhalten.

Solide Finanzbasis

solide finanzielle Basis. «Das ist wichtig, um im Sturm bestehen zu können.»

Lüönd vermutet zudem, dass hinter Wagner ein potenter Geldgeber steht. Konkret nennt der Publizist den Basler Medienunternehmer Bernhard Burgener, der neu im Verwaltungsrat der Basler Zeitung Medien Einsitz nimmt. Burgener ist Chef der Constantin Medien.

Zukunft ungewiss

Die langfristigen Perspektiven des Basler Verlagshauses bleiben dagegen ungewiss. Es heisse zwar, das Engagement Tettamantis sei langfristig, sagte Lüönd. «Was heisst aber langfristig bei einem Financier, der bald 80 Jahre alt wird?»

Flicken und Verkaufen. Ein Weiterverkauf stehe zwar kaum unmittelbar bevor. Und wenn es denn soweit sei, rückten wiederum die Grossverlage ins Blickfeld.

Auch Verlegerpräsident Lebrument gab zu bedenken, dass Tettamanti seine Medienbeteiligungen meist rasch wieder abgestossen habe - «bisher aber nicht an einen Zürcher Konzern». Es habe sich aber in der Vergangenheit auch gezeigt, dass Tettamanti die Zeitungsmacher unabhängig arbeiten lasse.

mutig, sagte der Professor für Journalistik und Medienmanagement an der Universität der italienischen Schweiz.

Der Medienwissenschaftler Roger Blum hält dagegen den Verkauf eher nicht für sinnvoll: Er frage sich, was die neuen Eigentümer anders machen wollten als die alten, um mehr Gewinn zu erzielen. In der Medienkrise sei eher zu erwarten, dass Synergien zu einem Konzern gesucht würden. Tettamanti führe aber keinen Medienkonzern.

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