Medwedew in der Agglo: Bassersdorf im Ausnahmezustand

Aktualisiert

Medwedew in der AggloBassersdorf im Ausnahmezustand

Passanten und Pendler staunten nicht schlecht, als sie am Montagmittag den Bahnhof Bassersdorf unter schwerer Bewachung vorfanden. Nicht einmal der Gemeindepräsident der Zürcher Kleinstadt war informiert, was auf «seinem» Bahnhof vor sich ging.

von
whr/ann

Grund für die Aufregung war, dass der russische Präsident Dmitri Medwedew mit seiner Entourage und die Bundesräte Hans-Rudolf Merz und Micheline Calmy-Rey in der Zürcher Kleinstadt den Zug nach Bern bestiegen.

Medwedew landete zuvor auf dem Flughafen Zürich-Kloten, wo er von Merz und Calmy-Rey begrüsst wurde. Auf dem roten Teppich schritt der Kremlchef gemeinsam mit Bundespräsident Merz eine Ehrenformation der Schweizer Armee ab. Nach dem Abspielen der Nationalhymnen bestieg das Ehepaar Medwedew eine Limousine und fuhr nicht in Richtung Bahnhof Zürich, wie vermutet, sondern nach Bassersdorf, von wo aus die russische Delegation in einem Extrazug nach Bern befördert wird.

Gemeindepräsident wusste von nichts

Wenig erfreut über den grossen Bahnhof für Medwedew war Bassersdorfs Gemeindepräsident Franz Zemp. «Plötzlich war überall Polizei, Strassen wurden abgesperrt, Zugsverbindungen unterbrochen und ich war nicht einmal darüber informiert worden», sagt er. Bei der Gemeinde seien zahlreiche besorgte Anrufe eingegangen. «Die Leute hatten Angst und dachten es sei etwas Schlimmes passiert», so Zemp.

Mail an Micheline Calmy-Rey

Gemeindepräsident Zemp selbst habe nur eins und eins zusmmenzählen müssen. «Schliesslich haben wir hier in Bassersdorf schon einmal die littauische Präsidentin empfangen.» Damals sei er informiert worden und durfte gar eine Rede halten. Dass beim russischen Präsidenten hohe Sicherheitsvorkehrungen gelten, ist Zemp klar. «Aber einen kleinen Hinweis an mich, hätte ich als Minimum erwartet.» Schliesslich sei eine Riesenprozession durch Bassersdorf gerollt. «Unzählige Polizeiautos und Limousinen und am Schluss sogar ein Panzer.» Seinem Ärger hat Zemp bereits in einem Mail an Aussenministerin Micheline Calmy Rey Luft gemacht.

Bahnhof eine halbe Stunde gesperrt

Gemäss SBB-Sprecher Daniele Pallecchi war der Bahnhof Bassersdorf von 11.55 bis 12.20 für den gesamten Publikumsverkehr gesperrt. «Alle S-Bahnen wurden aus Sicherheitsgründen durchgefahren.» Um 12.15 Uhr verliess der Extrazug mit Dmitri Medwedew den Regionalbahnhof und fuhr ohne Halt direkt nach Bern. Auch dort diente ein kleiner Bahnhof als Aussteigeort: Das 4000-Seelen grosse Kehrsatz. Auf dem Landsitz Lohn in Kehrsatz hat sich nun die Schweizer Regierung mit dem russischen Präsidenten zusammengesetzt. (whr/ann/sda)

Leser-Reporter jagen den russischen Präsidenten

Heute weilt er in Bern, morgen wird er die Innerschweiz buchen und auf den Spuren des Generals Suworow wandeln. Wo genau der russische Präsident sich blicken lässt, ist aus Sicherheitsgründen noch unklar. Mit höchster Wahrscheinlichkeit wird er aber das Suworow-Denkmal in der Schöllenen-Schlucht besuchen. Jetzt kommen Sie ins Spiel: Wenn Sie den Präsidenten auf seiner Reise fotografiert haben, schicken Sie uns doch ein Foto. So werden Sie Leser-Reporter:

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