Aktualisiert 01.03.2008 08:27

«Bau von Minaretten ist ein Grundrecht»

Der Generalsekretär der Organisation islamischer Staaten (OIC) Ekmeleddin Ihsanoglu erwartet vom Bundesrat, dass er Stellung gegen die Minarett-Initiative bezieht. Er meint, man könne den Bau von Minaretten nicht verbieten.

Es werde sehr wichtig sein, welche Position die Regierung einnehme, sagte Ekmeleddin Ihsanoglu.

Seine Organisation erwarte, dass der Bundesrat die Bevölkerung darüber aufkläre, dass der Bau von Minaretten ein «Grundrecht ist, das niemandem verwehrt werden sollte», sagte Ihsanoglu in einem Interview mit dem «Tages-Anzeiger» vom Samstag.

«Man kann nicht im Gesetz festhalten, dass der Turm der Kirche rund sein muss oder die Kirche keinen Turm haben kann.» Die OIC hatte im Januar von der Schweiz Auskunft über die Initiative verlangt, nachdem sich in der Schweiz lebende Muslime an sie gewendet hatten.

Über die Reaktion der Schweiz äusserte sich der Türke positiv. Die Organisation habe eine «sehr gute Antwort» von der Botschaft in Riad erhalten, und er habe sich mit Aussenministerin Micheline Calmy-Rey in Madrid getroffen. «Das war ein fruchtbarer Meinungsaustausch, und nun verstehen wir uns besser.»

Religiösen Minderheiten sollten überall die gleichen Rechte zugestanden werden, sagte Ihsanoglu weiter. Mit Saudi-Arabien, wo keine Kirchen gebaut werden dürfen, könne die Situation jedoch nicht verglichen werden. Saudi-Arabien sei ein Spezialfall, mit seinen heiligen Stätten sei das Land «wie der Vatikan der muslimischen Welt».

«In der Nähe des Petersdoms könnte man wahrscheinlich auch keine Moschee bauen», sagte Ihsanoglu. In anderen muslimischen Ländern, etwa in Ägypten oder der Türkei, gebe es dagegen viele Kirchen.

(sda)

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